Wirtschaftsstandort gerät laut KPMG durch globale Mindeststeuer unter Druck

Der internationale Druck zur Angleichung der Gewinnsteuern von Firmen dürfte die Standortattraktivität der Schweiz gefährden. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens KPMG schränkt eine Mindestbesteuerung den Spielraum der Schweiz im globalen Standortwettbewerb ein. Umso wichtiger sei es, andere Standortfaktoren attraktiv zu gestalten.
22.04.2021 11:50

Zu diesem Schluss kommt der am Donnerstag veröffentlichte "Swiss Tax Report 2021 von KPMG", dessen Autoren die Bedrohungslage an der sich anbahnenden Harmonisierung der Unternehmenssteuern auf internationaler Ebene festmachen. Eine Umsetzung der von US-Finanzministerin Janet Yellen jüngst geäusserten Ideen, würden den Druck auf Tiefsteuerländer wie die Schweiz enorm erhöhen, heisst es.

Yellen brachte einen Mindeststeuersatz von 21 Prozent für Firmen in die Debatte um Steuerangleichung ein. Der durchschnittliche ordentliche Gewinnsteuersatz hierzulande beträgt laut KPMG aktuell 14,9 Prozent. Der "Tax Report" vergleicht jeweils die Gewinn- und Einkommenssteuersätze von 130 Ländern sowie aller 26 Schweizer Kantone.

Andere Standortfaktoren stärken

Generell stehe die Schweiz aus steuerlicher Sicht im internationalen Vergleich noch gut da, erklärte Stefan Kuhn, Leiter der Steuer- und Rechtsberatung bei KPMG anlässlich eines virtuellen Medienanlasses. Denn auch dieses Jahr seien die Gewinnsteuersätze für Unternehmen hierzulande wieder leicht gesunken und die Einkommenssteuersätze stabil geblieben.

Da sich aber nun eine Neuordnung der globalen Unternehmensbesteuerung ankündige, dürfte der Spielraum durch die Vorstösse der OECD und der G20-Staaten sowie des US-Finanzministeriums erheblich eingeschränkt werden, erkärte Kuhn weiter. Als kleines Land habe die Schweiz wenig Einfluss auf die internationalen Entwicklungen im Steuerbereich und werde sich diesen nicht ohne Weiteres entziehen können.

Da sich die Schweiz gegenüber Konkurrenzstandorten mit höherer Steuerbelastung künftig weniger stark differenzieren könnte, müsse der Bedeutung von nicht steuerlichen Aspekte mehr Gewicht beigemessen werden: "Faktoren wie Zugang zu Talenten, flexible Arbeitsmarktbedingungen sowie politische Stabilität und Rechtssicherheit werden immer wichtiger", betonte Kuhn.

Für die nächsten Jahre erwarten die KPMG-Steuerexperten in der Schweiz einen weiterhin moderaten Rückgang der Steuersätze, wenn auch nur für Unternehmen. Bis 2025 würden einige Kantone, die im Rahmen der Unternehmenssteuerreform STAF noch nicht die ganze Senkung der Steuersätze vorgenommen haben, die Steuerlast für Firmen erneut senken, so die Prognose.

KPMG rechnet für 2025 schweizweit mit einem durchschnittlichen Unternehmenssteuersatz von rund 14,3 Prozent. Die Steuersätze für Spitzeneinkommen dürften hingegen grösstenteils unverändert bleiben.

sta/mk

(AWP)