ABB: Britische Strafbehörden eröffnen Untersuchung wegen Bestechung

(Meldung um weitere Details ergänzt) - Der Technologiekonzern ABB ist offenbar in die Korruptionsaffäre rund um die monegassische Consultingfirma Unaoil verwickelt. Nach einer internen Untersuchung hat sich der Technologiekonzern selbst an die Behörden in den USA und Grossbritannien gewandt. Nun hat die britische Strafverfolgungsbehörde SFO (Serious Fraud Office) eine Untersuchung gegen die ABB-Tochter in Grossbritannien wegen Bestechung und Korruption eingeleitet.
10.02.2017 19:38

Die Ermittlungen richten sich gegen ABB UK, deren Kadermitarbeiter, Angestellte und Bevollmächtigte, heisst es in einer am Freitag auf der SFO-Internetseite veröffentlichten Mitteilung. Die Untersuchung steht demnach im Zusammenhang mit einem seit längerem laufenden Verfahren gegen die Gesellschaft Unaoil mit Sitz in Monaco.

ABB kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, teilte der Konzern am Freitagnachmittag in einer Stellungnahme mit. ABB habe nach Abschluss einer internen Untersuchung selbst die US-amerikanische SEC, das US-Department of Justice (DoJ) und das SFO über irreguläre Beziehungen mit und Zahlungen an Unaoil unterrichtet. Das Unternehmen vertrete eine "Null-Toleranz-Politik" in Bezug auf Korruption und halte an den höchsten Standards hinsichtlich der Integrität und ethischer Geschäftspraktiken fest, betonte ABB.

Bei der ABB-Aktie sorgte die Meldung im Freitagshandel für einen kurzfristigen Kurstaucher. Zum Handelsschluss gingen ABB mit +0,7% auf 22,94 CHF aus dem Handel.

ERMITTLUNGEN GEGEN UNAOIL SEIT SOMMER 2016

Unaoil war bereits im März 2016 in die Schlagzeilen geraten und seit Juli ermittelt das SFO gegen die Beratungs-Firma, ebenso wie Strafverfolgungsbehörden in den USA und Australien. Losgetreten wurde der Skandal durch gemeinsame Recherchen der amerikanischen "The Huffington Post" und "The Age" der australischen Fairfax Media, die sich auf ihnen zugespielte E-Mails und Aussagen eines Whistle-Blowers stützten.

Dabei wurde Unaoil vorgeworfen, zwischen 2002 und 2012 als Vermittler von Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe bei Öl-Kontrakten und Industrieaufträgen in einer ganzen Reihe von Staaten des Nahen Ostens, Afrikas und Asiens gedient zu haben. Bei den Deals ging es unter anderem um Geschäfte mit dem Iran, Irak, Libyen, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Jemen. Als Firmen, die mit Unaoil gearbeitet haben, wurden dabei etwa MAN, Siemens, Halliburton, Honeywell, der Triebwerkshersteller Rolls-Royce, Leighton Offshore oder Weatherford genannt.

yr/tp

(AWP)