Begründet wird die Schwäche der Gemeinschaftswährung vor allem mit zunehmenden Coronasorgen. Nachdem Österreich einen Lockdown angekündigt habe und auch Deutschland im Kampf gegen die Pandemie schärfere Massnahen einzuführen gedenke, greife die Angst um sich, dass dies die konjunkturelle Entwicklung negativ beeinflussen könnte. Wirtschaftliche Beschränkungen dämpfen in aller Regel die konjunkturelle Entwicklung. Diese Aussicht lastet auf dem Euro.

EUR/CHF so tief wie seit 2015 nicht mehr

Diese Ängste sorgen bei dem als sicher geltenden Hafen Franken für verstärkten Zulauf. Der Euro unterschreitet dabei zum Franken die "magische Grenze" von 1,05 Franken nun doch nachhaltig, nachdem diese am Vortag nur kurz gestreift wurde. Dort liegt laut Devisenhändlern die vermeintliche "Verteidigungslinie" der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Aktuell notiert der Euro bei 1,0457 Franken nach 1,0517 am Morgen. Das Franken-Dollar-Paar notiert derweil wenig verändert bei 0,9262 Franken.

Im Frühjahr 2020 - mitten in der Coronakrise - wurde die 1,05er-Grenze nie unterschritten, erinnert die Commerzbank in einem Kommentar. Die SNB wollte die jüngsten Bewegungen auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP nicht kommentieren.

Devisenexperten der Valiant verweisen darauf, dass im Gegensatz zum Frühjahr 2020, als der Franken aus Sicherheitsbedürfnis stark nachgefragt wurde, nun eine ausgeprägte Euroschwäche auf den Kurs drücke. Die SNB könnte daher viel eher bereit sein, dem Druck nachzugeben. "Ganz untätig" werde sie dem aktuellen Geschehen aber wohl nicht zuschauen.

Ob die SNB am Markt interveniert, könnte sich am Montag zeigen, wenn die SNB die Entwicklung der Sichtguthaben veröffentlicht. Wenn die SNB am Devisenmarkt interveniert, kauft die Fremdwährungen und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Trotz Inflation keine Zinserhöhung

Zusätzlicher Druck auf den Euro kommt von der Geldpolitik. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte einmal mehr die trotz erhöhter Inflation weiterhin extrem lockere Ausrichtung der Notenbank. "In einer Zeit, in der die Kaufkraft bereits durch höhere Energie- und Treibstoffkosten geschmälert wird, würde eine unangemessene Straffung einen ungerechtfertigten Gegenwind für den Aufschwung bedeuten", sagte Lagarde.

Eine erste Zinsanhebung in der Corona-Pandemie dürfte damit noch eine ganze Zeit lang auf sich warten lassen. Diese Aussicht drückt schon seit einiger Zeit auf den Eurokurs.

Neue Zahlen aus Deutschland bestätigten den anhaltend hohen Preisauftrieb. Wie das Statistische Bundesamt bekanntgab, erhöhten sich die Erzeugerpreise im Oktober mit 18,4 Prozent so stark wie seit 70 Jahren nicht mehr. "Das lag noch einmal erheblich über den schlimmsten Befürchtungen", kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. "Inflation dürfte damit auch 2022 ein beherrschendes Thema bleiben."/bgf/jsl/stk/pre/kw

(AWP)