Devisen: Italien-Turbulenzen belasten Euro - Brasilianischer Real legt zu

Anhaltende Sorgen um den italienischen Staatshaushalt haben den Euro am Montag unter Druck gesetzt. Im New Yorker Handel kostete die Gemeinschaftswährung zuletzt 1,1490 US-Dollar, nachdem sie im europäischen Vormittagsgeschäft noch klar über 1,15 Dollar gestanden hatte.
08.10.2018 21:01

Der Franken legte zum Euro ebenfalls zu, büsste am Abend aber wieder etwas sein. Das Währungspaar EUR/CHF notierte am späten Abend bei 1,1409 nach 1,1430 am Freitagabend. Gegenüber dem US-Dollar entwickelte sich der Franken wenig verändert, zuletzt stand USD/CHF bei 0,9927.

Herbe Kritik des italienischen Innenministers Matteo Salvini an der EU-Kommission setzte dem Euro zu. Der Parteichef der rechten Regierungspartei Lega bezeichnete EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Haushaltskommissar Pierre Moscovici als "wahre Feinde" Europas. Er verschärfte so noch einmal den Haushaltskonflikt mit der EU. Salvini traf sich in Rom mit Marine Le Pen, der Chefin der französischen rechtsextremen Partei Front National. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen hatten nach seinen Aussagen deutlich zugelegt.

Belastet wurde der Euro auch von enttäuschenden Zahlen aus der deutschen Industrie. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe war im August überraschend den dritten Monat in Folge gefallen. "Die Zahlen und der Abwärtstrend bei den Auftragseingängen sprechen dafür, dass die Schwäche der deutschen Wirtschaft wohl bis zum Jahresende anhalten wird", kommentierte Analyst Marco Wagner von der Commerzbank.

Gegenüber allen Währungen deutlich zulegen konnte der brasilianische Real. Der ultrarechte Populist Jair Bolsonaro kam in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in dem südamerikanischen Land auf einen Stimmenanteil von mehr als 46 Prozent und hat jetzt gute Chancen, die Stichwahl für sich zu entschieden. Bolsonaro sei der Wunschkandidat der Märkte, erklärte Thu Lan Nguen, Devisenexpertin von der Commerzbank, die Kursgewinne beim Real. Der Markt hoffe, dass sein Berater, der Ökonom Paulo Guedes, Finanzminister werde. Guedes setzt sich für Privatisierungen und eine Überarbeitung des Renten- und Steuersystems ein.

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(AWP)