Die Schlagzeilen der Sonntagspresse vom Sonntag, 5. Dezember 2021

Die Diskussionen über die Einführung von 2G und einer Impfpflicht, die massiv höheren Preise für Impfstoffe und die Forderung der Anti-Raucher-Lobby nach einer Verdoppelung der Zigaretten-Preise: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:
05.12.2021 05:00

Themen rund um das Coronavirus:

"SonntagsBlick"/"NZZ am Sonntag":

Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, schliesst die flächendeckende Einführung von 2G, das heisst die Zulassung nur von geimpften und genesenen Personen, nicht mehr aus. Das sei eine Möglichkeit, sagte Engelberger in einem Interview mit dem "SonntagsBlick". Mit seinem Entscheid vom letzten Freitag habe der Bundesrat bei 2G bereits vorgespurt. Die Schweiz habe jetzt noch Zeit bis etwa Mitte Dezember, um die Massnahmen zu optimieren, sagte Engelberger der "NZZ am Sonntag". Sollte das nicht reichen, stünden weitere Massnahmen zur Diskussion, etwa Einschränkungen bei Veranstaltungen. Wenn man die Dynamik aber nicht in den Griff bekomme, werde 2G nicht reichen. Dann werde man die Maskenpflicht ausweiten und Kapazitätsbeschränkungen einführen müssen.

"SonntagsZeitung":

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth zieht gar ein 2G-Obligatorium in Betracht. Bund und Kantone müssten die Impfkampagne nochmals deutlich verstärken, sagte Wermuth gegenüber der "SonntagsZeitung". Er glaube aber nicht, dass dies reichen werde. Deshalb müssten jetzt Tabus gebrochen werden. Es müsse nun rasch eine offene Diskussion über Massnahmen wie 2G oder eine Impfpflicht geführt werden. SP-Nationalrat Fabian Molina macht seinerseits Druck bei der Impfpflicht. Am Montag muss der Bundesrat im Parlament Fragen dazu beantworten. Molina will wissen, welche Überlegungen die Landesregierung zu einem Impf-Obligatorium angestellt hat und welchen Handlungsspielraum der Bundesrat hat.

"NZZ am Sonntag":

Bei Gesundheitsfachleuten stösst eine generelle Impfpflicht dagegen auf Ablehnung. In der Schweiz gelte der Grundsatz, das die Impfung ein individueller Entscheid sein sollte, sagte Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffrage, der "NZZ am Sonntag". Mit einer allgemeinen Impfpflicht würde dieser Grundsatz verletzt. Und es würde sehr viel Vertrauen in den Staat verloren gehen. Eine allgemeine Impfpflicht komme für die Kommission nicht in Frage - ausser es seien schon alle anderen Massnahmen bis hin zum Lockdown erfolglos ausgeschöpft worden. Er glaube nicht, dass ein Obligatorium die Impfquote wesentlich erhöhe, sagte der oberste Gesundheitsdirektor, Lukas Engelberger. Es würde nur eine gewaltige Drohkulisse aufgebaut, die der Impfmotivation schaden könnte.

"SonntagsBlick":

Die Mehrheit der Kantone hat sich in der jüngsten Vernehmlassung zu den Corona-Massnahmen gegen flächendeckende Tests an Schulen ausgesprochen. Die Kantone lehnten repetitive Tests nicht ab, sagte Silvia Steiner, Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz, gegenüber dem "SonntagsBlick". Sie würden im Gegenteil in vielen Kantonen durchgeführt. Eine gesamtschweizerische Verpflichtung würde jedoch enorme Testkapazitäten beanspruchen, wobei je nach Gebiet das System schon heute am Anschlag sei. Wegen der langen Wartezeiten würde zudem das Ziel, asymptomatische Fälle frühzeitig zu erkennen, nicht mehr erreicht. Ohne Akzeptanz und hohe Teilnahmequote in den Klassen führe das repetitive Testen zu weniger guten Resultaten.

"NZZ am Sonntag":

Der Bund, die zentrale Drehscheibe für den Einkauf und die Verteilung von Impfstoffen gegen Covid-19, erhöht die Preise für diese Produkte im kommenden Jahr massiv. Pro Dosis werden neu 25 Franken in Rechnung gestellt gegenüber 5 Franken bisher. Hintergrund der Preiserhöhung ist laut "NZZ am Sonntag", dass sich der Bund verschätzt hat. Er sei ursprünglich von günstigerem Impfstoff ausgegangen. Die Krankenkassenverbände Santésuisse und Curafutura reagierten irritiert auf die Preiserhöhung. Sie verstünden, dass sich die Mitglieder über dieses Vorgehen ärgerten. Dennoch sollten die Versicherten von dieser Preiserhöhung nichts spüren. Sie könnten über die Reserven aufgefangen werden.

"SonntagsZeitung":

Die Schweizer Hotellerie kämpft nach der Entdeckung der neuen Corona-Variante Omikron mit einer Welle von Stornierungen. Zahlreiche Gäste aus England, Belgien oder den Niederlanden haben ihre Weihnachtsferien bereits abgesagt. Nicht nur wegen der Quarantänepflicht, sondern auch wegen der epidemiologischen Lage. Im Berner Oberland etwa verzeichnen Hotels bis zu 50 Prozent Stornierungen. Auch in der Stadt werden Events, Weihnachtsessen und Caterings von Firmen reihenweise abgesagt. Für viele Hotels sei die aktuelle Situation verheerend, sagte Claude Meier, Direktor des Dachverbandes Hotelleriesuisse, gegenüber der "SonntagsZeitung". Das Parlament müsse die Härtefallregelung nochmals verlängern. Ansonsten liefen diese Ende Jahr aus. Am Montag berät der Ständerat darüber.

"SonntagsBlick":

Weil die jüngsten Massnahmen gegen die Corona-Pandemie zu spät kommen, müssen Spitäler zunehmend eine Triage bei Patientinnen und Patienten vornehmen. So hat laut "SonntagsBlick" in der letzten Woche die Intensivstation der Hirslanden Klinik Aarau Patienten mit Begleiterscheinungen triagiert, wie der stellvertretende Leiter der Intensivstation, Christian Frey sagte. So sei ein Krebskranker mit seinem Einverständnis nicht in die Intensivstation aufgenommen, sondern auf einer normalen Station nicht invasiv beamtet worden. Stiegen die Fallzahlen bei den Neuinfektionen weiter, werde auch die Triage zunehmen. Für die Genfer Epidemiologin Olivia Keiser steht fest, dass die aktuellen Massnahmen nicht reichten. Die Spitäler seien stark überlastet. Und trotzdem passiere viel zu wenig.

"SonntagsZeitung":

Die seit knapp zwei Jahren andauernden Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zehrt an den Nerven der Bevölkerung. Selbst ausgeglichene Menschen werden dünnhäutig. Der Geduldsfaden reisst bei vielen schneller und häufiger, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Der Ton ist allgemein giftiger. Das stellen vor allem Betriebe im Dienstleistungssektor fest. Die SBB, die Zürcher Verkehrsbetriebe und die Swiss konstatieren, dass die Passagiere angespannter sind als früher. Zum gleichen Ergebnis kommt auch Gastrosuisse, der Verband der Hotellerie und der Restauration. Frank Urbaniok, forensischer Berater und Experte für Aggressionen, überrascht die Entwicklung nicht. Der Nährboden dafür sei schon lange vor Corona gelegt worden - etwa mit Hasstiraden im Internet.

Sonstige Themen:

"NZZ am Sonntag":

Bei den Zigaretten droht eine massive Preiserhöhung. Rund 14 Franken soll eine Packung Zigaretten künftig im Schnitt kosten verglichen mit 8 Franken heute. Weil die Jugendprävention nicht rasch genug vorwärtskommt und die Raucherquote in der Schweiz seit Jahren stagniert, fordert die Anti-Tabak-Lobby eine Verdoppelung des Verkaufspreises. Der Vorschlag der Lobby ist breit abgestützt, Dahinter stehen mit der Lungenliga, der Krebsliga, Sucht Schweiz und dem Dachverband der Ärztinnen und Ärzte sämtliche national bedeutenden Gesundheitsorganisationen. Im kommenden Jahr soll in der Schweiz erstmals ein nationaler Raucherstopp-Monat stattfinden. Damit soll die Basis für den langfristigen Rauchstopp gelegt werden.

"SonntagsBlick":

Die Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, nimmt die aktuelle Frankenstärke gelassen. In den letzten Tagen notierte der Franken zum Euro nur noch mit 1,04 Franken - der tiefste Wert seit Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015. Die Situation sei nicht mehr mit 2015 vergleichbar, sagte Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, gegenüber dem "SonntagsBlick". Der bereits überbewertete Franken sei damals über Nacht stärker geworden. Die Preise im Euroraum seien in den letzten sechs Jahren um 7,6 Prozent stärker gestiegen als in der Schweiz, begründete Minsch dies. Mehr Sorgen um den Euro-Franken-Kurs macht sich dagegen Swissmem, der Dachverband der Maschinen- und Metallindustrie. Mit der jüngsten Aufwertung sei der Franken wieder bedrohlich überbewertet.

"SonntagsZeitung":

Die Pannenserie mit dem Bundesratsjet ist grösser als bisher angenommen. Laut Informationen der "SonntagsZeitung" konnte Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Juli nach einem Treffen in London nicht wie geplant in die Schweiz zurückfliegen, da ein Triebwerk des Jets nicht gestartet werden konnte. Sommaruga musste ein anderes Flugzeug nehmen. Bereits letzte Woche musste Bundesrat Ignazio Cassis eine Reise nach China aufgrund einer Panne abbrechen. Zuvor war Bundespräsident Guy Parmelin betroffen. Der Bundesratsjet musste auf einem Flug nach Japan umkehren. Es gebe keine Zusammenhänge zwischen den Vorfällen, teilte die Schweizer Armee mit. Die Flugsicherheit sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen.

"Le Matin Dimanche":

Die Cyberangriffe mit Ransomware nehmen in der Schweiz stark zu, wie die Westschweizer Sonntagszeitung "Le Matin Dimanche" berichtet. Die Meldungen über solche Hackerangriffe hätten sich 2021 verdreifacht, mit 94 gemeldeten Vorfällen in der ersten Jahreshälfte, sagte ein Sprecher des Bundeszentrums für Cybersicherheit. Wegen der hohen Dunkelziffer müssten die Zahlen jedoch wohl mit dem Faktor 20 multipliziert werden, um ein realistisches Bild zu erhalten. Sollten die Hacker Lösegeld fordern, so raten die Behörden den Firmen, auf solche Zahlungen zu verzichten. Tatsächlich zahlten aber in 30 bis 50 Prozent aller Fälle die Firmen, um ihre Daten zurückzuerhalten, sagte Mathias Fuchs von der Zuger Firma Infoguard.

(AWP)