Presseschau vom Wochenende 30 (25./36. Juli)

Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
26.07.2020 15:50

LAFARGEHOLCIM: Nach dem Skandal um millionenhohe Schutz- und Lösegeldzahlungen an Terrorgruppen in Syrien gelobte der weltgrösste Zementkonzern LafargeHolcim Besserung. Doch das Schweizer Unternehmen geschäftete auch in Burma jahrelang mit zwei Männern, die dem Militär nahestehen, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Gelder könnten 2017 indirekt den Massenmord an der muslimischen Minderheit der Rohingya unterstützt haben. Im Sommer 2019 veröffentlichte die UNO einen Bericht mit der Forderung an alle ausländischen Akteure, sie sollten nicht mehr mit Personen und Firmen geschäften, die in Verbindung zum Militär und den Wirtschaftskonglomeraten unter seiner Kontrolle stehen. (SoZ, S. 31; siehe separate Meldung)

WEKO: Weil der Verdacht besteht, die Davos Klosters Bergbahnen könnten ihre marktbeherrschende Stellung nutzen, um sich einen ungerechtfertigten Vorteil beim Kampf um Übernachtungsgäste zu verschaffen, hat die eidgenössische Wettbewerbskommission eine Marktbeobachtung gestartet. Das berichtet die SonntagsZeitung. Konkret geht es darum, dass die Bergbahnen ihren betriebseigenen 22 Hotels und zwei Resorts die Skipässe gratis abgeben. Hotels, die nicht den Bergbahnen gehören, erhalten von diesen keine Gratis-Skipässe zugeteilt. (SoZ, S. 34; siehe auch separate Meldung)

GETRÄNKEMARKT: Seit der Corona-Krise boomt bei Feldschlösschen der Direktverkauf von Bier bis vor die Haustür. Die unabhängigen Partner des grössten Schweizer Brauers dürfen aber nicht mehr ausliefern, wie Gespräche der SonntagsZeitung mit Getränkelieferanten zeigen. Feldschlösschen will neu selber beliefern. Die Lieferanten ärgern sich. Jetzt wo das Geschäft endlich laufe, nehme man es ihnen weg, sagt Stefan Gloor, Geschäftsleiter des Lieferantenverbandes Swiss Drink. (SoZ, S. 31)

DETAILHANDEL: Beliebte Labels für Regionalprodukte wie jene von Migros und Coop erfüllen keine Kriterien zum Tierwohl. Das soll sich nun ändern, fordern Tierschutz, Konsumentenverbände und die Politik in der SonntagsZeitung. CVP-Nationalrat Alois Gmür will demnächst einen Vorstoss einreichen. "Die Werbung für solche Labels macht auf heile Welt. Dann sollten sie aber auch Kriterien in Sachen Tierwohl erfüllen. Sonst wird der Konsument getäuscht." (SoZ, S. 30)

NATURKATASTROPHEN: In der Schweiz sind mindestens 1,2 Millionen Menschen direkt von Naturgefahren betroffen. Sie leben in einer der 300'000 Gebäude, die sich in Gefahrengebieten befinden. Das ist das Resultat einer Analyse kantonaler Naturgefahrenkarten, die das Datenteam der "Sonntagszeitung" und von "Le Matin Dimanche" erhoben hat. In den Karten sind Gebiete mit Hochwasser, Erdrutschen, Steinschlägen, Fels- und Bergstürzen sowie Lawinen verzeichnet. (SoZ, S. 1,13)

CORONA I: Schweizer Restaurants leiden nach wie vor unter ausbleibenden Gästen. Wegen Corona fallen Feste sowie Bankette aus. Und über Mittag läuft nichts mehr, weil Homeoffice noch immer weit verbreitet ist. Zudem fehlen die internationalen Touristen. "Von allen Branchen in der Schweiz ist das Gastgewerbe diejenige, die uns am meisten Sorgen macht", sagt Klaus Abberger, Ökonom an der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF). Bis jetzt konnten sich viele Betriebe noch einigermassen über Wasser halten. Doch im Herbst kommt es zur grossen Zäsur, glauben Branchenkenner. Dann wird es zu kalt für die Sonnenterrassen - und vor engen Gaststuben fürchten sich die Gäste aus Hygienegründen. Wegen der Krise seien viele Betriebe überschuldet, sagt Gastro-Berater Urs Grimm. "Es wird zu einer Bereinigung kommen." Die Zahl der Gastro-Jobs ist bereits eingebrochen. Im ersten Quartal 2020 registrierte das Bundesamt für Statistik umgerechnet rund 120'000 Vollzeitstellen. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr generierte die Gastronomiebranche noch 125'000 Vollzeit-Jobs. (NZZaS, S. 21)

CORONA II: Die Corona-Fallzahlen steigen wieder deutlich. Doch noch immer liegen Patienten der ersten Welle im Spitalbett. Das sagt der Infektiologe Nicolas Müller vom Unispital Zürich der "NZZ am Sonntag". Derweil geht den Ärzten in den Krankenhäusern das wichtige antivirale Medikament Remdesivir aus. Die Bestände werden knapp, weil die USA grosse Mengen davon aufgekauft haben. "Wenn wir keine neuen Lieferungen erhalten, bekommen wir ein Problem", sagt Müller. Bund und Fachgesellschaften sind in Verhandlungen mit dem Hersteller, schreibt die "NZZ am Sonntag". (NZZaS, S. 1,11,41)

CORONA III: Einen Ansatz zur Verbesserung des Nutzens von Schutzmasken verfolgt laut "SonntagsBlick" die Schweizer Hygienetechnologie-Firma Livinguard. Statt nur zu filtern sind diese Masken in der Lage, Coronaviren abzutöten. Der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, Sanjeev Swamy hat zusammen mit Forscherinnen und Forscher ein Verfahren entwickelt, mit dem Oberflächen selbstdesinfizierend gemacht werden können. Diese Technologie überträgt er jetzt auf Stoffmasken. Gelangen Viren in die Nähe der Maske, werden sie angezogen und es gibt eine Art Kurzschluss, bei dem das Virus getötet wird. (SoBli)

PAKETZUSTELLUNG: Der Paketdienstleister Quickpac setzt ausschliesslich auf Elektro-Lieferwagen. Nun eröffnet der Elektropionier in Dietikon (ZH) nach Winterthur und Hägendorf (SO) sein drittes Depot, wie Geschäftsführer Christof Lenhard der "NZZ am Sonntag" bestätigt. Von dort will die Firma mit 75 Batteriefahrzeugen von Renault 300 000 Haushalte beliefern, etwa in Städten wie Zug, Wettingen oder Aarau. Gleichzeitig schafft sie 100 Arbeitsplätze. Grosse Kunden sind die Otto-Gruppe (Ackermann, Quelle, Bonprix), Nespresso, Brack und das Versandhaus Lehner. (NZZaS, S. 25)

ORSAY: Die im Kleider- und Modegeschäft tätige Orsay-Gruppe will ihre 11 Filialen in der Schweiz schliessen. Dadurch verlieren 55 Angestellte ihre Stellen, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Unia am Samstag eine Meldung von "20 minutes" bestätigte. Die ersten Angestellten hätten am Samstag die Entlassungsbriefe erhalten, sagte Arnaud Bouverat auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er bestätigte ebenso, dass Orsay in den Genuss von staatlichen Corona-Hilfsgeldern gekommen sei. Bei der Geschäftsleitung der Ditres AG in Basel, die in der Schweiz das Unternehmen vertritt, wollte niemand Stellung nehmen. Dort verweist man auf das deutsche Mutterhaus. Orsay gehört zur grossen Familienunternehmensgruppe Mulliez und hat seinen Sitz im baden-württembergischen Willstätt. (20 Minutes; siehe auch separate Meldung)

LAUBER: Als Folge der Affäre Lauber sollen Funktion und Aufgaben der Bundesanwaltschaft überprüft werden. Es geht um die Frage, ob die gesamte Institution von Grund auf reformiert werden sollte. Das Rücktrittsangebot von Bundesanwalt Michael Lauber vom Freitag sorgte für ausführliche Kommentare und wurde von vielen Politikerinnen und Politikern begrüsst. Ihnen stellt sich die Frage der Rolle des künftigen Bundesanwalts oder der Bundesanwältin und dessen oder deren Zuständigkeiten. Die Geschäftsprüfungskommissionen des Parlaments geben laut Bericht in der "NZZ am Sonntag" und im "SonntagsBlick" zur künftigen Organisation der Bundesanwaltschaft in diesen Tagen umfangreiche Expertisen in Auftrag. Im Juni sei die GPK bereits bei ihrer Inspektion zum Schluss gekommen, dass Handlungsbedarf bestehe. Dieser Meinung ist Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP/BE), der Leiter der zuständigen GPK-Subkommission. Er bezeichnet die heutige Organisation als zu wenig krisenfest. (NZZaS S.8 und SoBli; siehe separate Meldung)

HOTELLERIE: Hotelier-Präsident Andreas Züllig rechnet für 2020 mit 30 bis 40 Prozent weniger Logiernächten. Ein Teil der rund 260'000 Angestellten der Branche werde den Job verlieren. Eine Lockerung der 1000er-Regel für Veranstaltungen ab September würde helfen. "Es ist eine ausserordentliche Krise, die uns im Mark trifft", sagte Züllig in der "Samstags-Rundschau" von Schweizer Radio SRF. Nicht einmal während der Weltkriege habe die Hotelbranche ähnliche Einbussen erlebt. Eine konkrete Prozentzahl zu den erwarteten Stellenverlusten nannte der Hotelleriesuisse-Präsident nicht. Für Destinationen wie Interlaken oder Luzern, die stark von ausländischen Gästen abhängig seien, seien die Ausfälle aber massiv. (SRF - Samstagsrundschau; siehe separate Meldung)

TIKTOK: Die Kurzvideo-Plattform TikTok aus China ist das neue Trendmedium bei den Schweizer Kids. Das schreibt die "Schweiz am Wochenende" in ihrer aktuellen Ausgabe. An den hiesigen Firmen ist das nicht unbemerkt vorbeigegangen Ob Schweiz Tourismus, Bundesamt für Gesundheit oder eben auch Grosskonzerne: Alle wollen auf der Plattform sein, um die junge Kundschaft zu erreichen. Doch ist das nicht nur unproblematisch (Schweiz am Wochenende, S. 6-7)

AUTOBRANCHE: Das Auto-Unternehmen Polestar gehört zum Imperium von Volvo. Es gilt als die europäische Antwort auf Tesla und kommt nun in die Schweiz. Erste Showrooms entstehen in Genf und Zürich (Schweiz am Wochenende, S. 12)

kw/

(AWP)