Presseschau vom Wochenende 30 (29./30. Juli)

Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
30.07.2017 16:12

HNA/Dufry: Die unklaren Besitzerverhältnisse und Finanzierungsmöglichkeiten des chinesischen Riesenkonglomerats HNA, die jüngst in der angelsächsischen Presse diskutiert wurden, sind auch nochmals Thema in der Wochenendpresse. Bekanntlich hat HNA mit Gategroup, SR Technics und Swissport die halbe frühere Swissair-Gruppe übernommen und besitzt seit diesem Frühling auch einen substantiellen Anteil (rund ein Fünftel) am Dutyfree-Händler Dufry, zu dem u.a. auch das frühere Swissair-Duty-Free-Geschäft (Nuance) gehört. Die "Finanz und Wirtschaft" weist in diesem Zusammenhang in der Kolumne "Lieber Investor" darauf hin, dass HNA die Dufry-Aktien noch gar nicht besitze. Die Chinesen halten demnach erst einen sogenannten Options-Collar, der ihnen das Recht zum Erwerb der Aktien von den Singapurer Staatsfonds GIC und Temasek gibt. Effektiv die Hand wechseln sollen die Aktien erst am 21. August. Der Autor der Kolumne fragt sich nun, ob die finanzielle Situation von HNA bis dann vielleicht derart angespannt sei, dass es gar nie zum Kauf der Dufry-Aktien kommt. Die "NZZ am Sonntag" geht auf einer ganzen Seite vor allem nochmals auf die unklaren Besitzverhältnisse bei HNA ein. Die Intransparenz jedenfalls sorge zunehmend für Ärger, heisst es dort. Gefährlich könnte es vor allem werden, wenn die Weltwirtschaft ins Stottern gerate oder die Zinsen steigen werden, da HNA seine Akquisitionen vor allem mit Fremdkapital finanziert habe. (FuW p. 13, NZZaS p. 25)

TWINT: Die Bezahl-App plant, im kommenden Jahr einen Sofort-Kauf-Knopf einzuführen. Damit soll die Nutzung der App erhöht werden. "Wir arbeiten an einem Dash Button, wie ihn Amazon hat", sagte Twint-Chef Thierry Kneissler gegenüber dem "SonntagsBlick". Die Funktion soll das Online-Shopping vereinfachen. Wer mit dem Handy einen QR-Code auf dem Bildschirm, einer Verpackung oder einer Rechnung scannt, löst damit den Kauf aus. Im Bargeldland Schweiz ist das Bezahlen per Handy noch kaum gefragt. Eine im Mai veröffentlichte Umfrage des Internetvergleichsdienstes Moneyland kam zum Ergebnis, dass nur gerade 8% der Bevölkerung Bezahl-Apps wie Twint und Apple Pay rege nutzen. Laut Angaben von Twint im Mai ist die App mittlerweile rund 550'000 Mal heruntergeladen worden und wird für 250'000 Transaktionen pro Monat genutzt. Das Ziel der Firma sind eine Millionen Kunden bis Ende Jahr. Die App kann an rund 25'000 Verkaufsstellen, 600 Poststellen, 1000 Online-Shops und 2500 Selecta-Automaten eingesetzt werden. (SoBli, siehe auch separate Meldung)

BANKEN: Trotz des Brexit rekrutieren Schweizer Banken fleissig Personal in der Vermögensverwaltung in London. Dies berichtet "Le Matin Dimanche". So hat etwa die Grossbank UBS im Wealth Management die Zahl der Mitarbeiter in der britischen Hauptstadt bereits um 10% gesteigert und will die Belegschaft in diesem Segment noch weiter aufstocken. Auch Credit Suisse und Pictet suchten Spezialisten in London. Als Hauptgründe werden der Wegfall des Schweizer Bankgeheimnisses und die mit dem Wertzerfall des britischen Pfundes gesunkenen Verwaltungskosten in Grossbritannien genannt. (Le Dimanche)

TELEKOM-ANBIETER: Hunderte Kunden haben seit Anfang Jahr beim Telekom-Ombudsmann reklamiert, weil auf ihren Rechnungen unerklärbare Einkäufe auftauchten. Dabei handelt es sich oft um sogenannte Mehrwertdienste wie Sex-SMS. "Wir haben seit Anfang Jahr rund 750 Anfragen und Fälle zum Thema Mehrwertdienste registriert - mehr als zu irgendeinem anderen Thema", sagt Oliver Sidler in der "NZZ am Sonntag". "Es scheint so weiterzugehen wie 2016, das Jahr, in dem wir einen Höchststand erreicht haben." Sidler erstaunt diese Entwicklung, weil die Branche letztes Jahr Massnahmen gegen dieses Phänomen ergriffen hat. So haben die Telekom-Firmen sogenannte Check-out-Seiten eingeführt, wo die Kunden explizit bestätigen, etwas kaufen zu wollen. Offenbar finden zweifelhafte Anbieter und Betrüger aber Mittel und Wege, diese Seiten zu umgehen. Interventionen sind für den Ombudsmann schwierig: "Wenn wir mit Anbietern solcher Dienste Kontakt aufnehmen, reagieren sie oft nicht einmal." (NZZaS p. 1/21)

RUAG: Der bundeseigene Rüstungskonzern hat laut einer Meldung der "NZZ am Sonntag" so heftig gegen Buchprüfungen der Eidgenössischen Finanzkontrolle gewehrt, dass die Finanzdelegation des Parlaments intervenieren musste. Deren Präsident Pirmin Schwander sagte dem Blatt, es habe mehrere Schreiben und Treffen benötigt, um der Finanzkontrolle alle geplanten Prüfungen zu ermöglichen. Der Bund als Eigentümer habe aber das Recht, den Rüstungskonzern zu überprüfen, betonte der Schwyzer SVP-Nationalrat. Das Unternehmen hatte einen Professor mit einem Rechtsgutachten beauftragt, um der Finanzkontrolle die Prüfberechtigung abzusprechen. Das Bundesamt für Justiz erachtete diese Einschätzung aber als nicht massgebend, und auch der Bundesrat bezeichnete die Finanzkontrolle als zuständig, die Ruag zu inspizieren. Dennoch lenkte das Unternehmen erst nach der Intervention der Finanzdelegation ein. Nunmehr habe man sich auf für beide Seiten akzeptable Richtlinien geeinigt, sagte ein Ruag-Sprecher dem Blatt. (NZZaS p. 8)

RENTENREFORM/MIGROS: Der Detailhändler kämpft für ein Ja am 24. September. Mit der Migros hat sich damit der grösste Arbeitgeber den Befürwortern der Rentenreform angeschlossen. Die Meinung hat Gewicht - dank über zwei Millionen Genossenschaftern und 87'000 Beschäftigten in der Schweiz. Treibende Kraft hinter dem Entscheid ist Christoph Ryter, der seit 2010 die Pensionskasse leitet. "Die Rentenreform ist zwar kein grosser Wurf, sondern lediglich ein kleiner Schritt in die richtige Richtung - doch als pragmatischer Kompromiss ist die Vorlage durchaus Migros-like", sagt Ryter in der "NZZ am Sonntag". (NZZaS p. 24)

(AWP)