SNB-Maechler: Digitaler Franken müsste effizienter als elektronisches Geld sein

Am Finance Forum Liechtenstein hat sich SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler zur Zukunft des Zahlungsverkehrs geäussert. Keine eindeutige Antwort gab Maechler auf die Frage, ob es dereinst Blockchain-Geld der SNB geben wird.
01.09.2020 18:08

Vielleicht werde es einmal einen digitalen Franken geben, sagte Maechler am Dienstag. Und nannte gleich die Bedingungen, die ein solcher Blockchain-Franken erfüllen müsste: Er müsste sicher sein. Und er müsste effizienter als das elektronische Geld sein, welchem heute vertraut wird.

Dass das heutige Zahlungssystem aufgrund einer Tokenisierung des Zahlungsverkehrs einmal obsolet wird, glaubt Maechler indes ausdrücklich nicht. Allerdings führte sie aus, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) sich den aktuellen Veränderungen durch die Digitalisierung und den neuen technischen Möglichkeiten stellt.

Die Entwicklung des Zahlungsverkehrs habe in Vergangenheit immer in einer Wechselwirkung zwischen Innovation und Sicherheit stattgefunden. Das sei auch aktuell nicht anders. So sei man derzeit dabei, eine moderne Infrastruktur aufzubauen, um über das aktuelle Zahlungssystem auch Instant-Zahlungen zu ermöglichen.

Man denke bei der SNB in einem Innovationslabor aber auch darüber nach, wie sich Zentralbankgeld, dem die Menschen vertrauen, in ein tokenisiertes Geldsystem einfügen könnte.

Relokalisierung nach Coronakrise

Einen starken Fokus auf die Coronakrise hatten am Finance Forum Liechtenstein die Reden von Liechtensteins Regierungschef Adrian Hasler und des einstigen deutschen Aussenministers Joschka Fischer. Hasler bezeichnete die durch die Pandemie verursachte Krise als eine "Disruption von unerwarteter Seite".

Das Wirtschaftssystem habe sich als fragiler herausgestellt, als man gedacht habe. Für den Bankenplatz Liechtenstein sieht Hasler deshalb allerdings nicht schwarz. "Liechtenstein ist bereit für die Future of Finance" , sagte Hasler und begründete dies damit, dass sich der Bankenplatz von den Herausforderungen nicht erschaudern lasse.

Auch Joschka Fischer sprach den am Dienstag in Vaduz anwesenden Bankern Mut zu: "Angesichts der grossen Herausforderungen dürfte der Bedarf nach rechtssicheren und stabilen Anlagemöglichkeiten zunehmen", sagte er. Gleichzeitig warnte er aber auch davor, die Konsequenzen dieser Krise zu unterschätzen.

"In gewisser Weise wird eine Relokalisierung stattfinden", prophezeite der deutsche Politiker mit Blick auf die globalisierten Wertschöpfungsketten, die wegen Corona nun vermehrt hinterfragt werden. Zwar sei punkto Globalisierung kein Schubumkehr zu erwarten, aber doch Veränderungen. "Und diese Veränderungen haben auch Auswirkungen auf die Finanzbranche aus", so Fischer.

jr/pre

(AWP)