Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 11. Januar 2017
11.01.2017 17:13

URTEIL: Im Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB ist erstmals ein Ausländer verurteilt worden. Der ehemalige Chef der Singapur-Tochter der Schweizer Privatbank Falcon hat eine Haftstrafe von 28 Wochen aufgebrummt bekommen. Zudem muss der Bankier eine Geldbusse von umgerechnet rund 90'000 Franken entrichten, geht aus dem Urteil des Gerichts in Singapur hervor. Der Bankmanager hatte sich zuvor in sechs von insgesamt 16 Anklagepunkten schuldig bekannt. Das Gericht warf dem ehemaligen Chef der Tochtergesellschaft mangelnde Sorgfaltsabklärungen im Zusammenhang mit Zahlungen aus dem 1MDB-Staatsfonds vor.

EINKOMMENSKLUFT ALS RISIKO: Wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Wohlstand sowie gesellschaftliche Polarisierung sind die grössten Risiken für die Weltwirtschaft. Zu diesem Schluss kommt das Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF) in einer Studie. Die Einkommenskluft und die soziale Zerrüttung hätten 2016 zu politischen Umbrüchen geführt und könnten 2017 globale Risiken weiter verschärfen, heisst es im "Global Risks Report 2017". Der Klimawandel und damit zunehmende Umweltgefahren gehört auch wie in den Vorjahren zu den grössten Risiken für die globale Wirtschaft. Mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens habe die Welt im vergangenen Jahr einen Fortschritt in diesem Bereich erzielt. Politische Umwälzungen in Europa und den USA gefährdeten diesen jedoch. Eine weitere Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft geht von der Digitalisierung aus. Laut den Autoren besteht die Gefahr, dass die Gesellschaft nicht mit dem technologischen Fortschritt der vierten industriellen Revolution mithalten kann.

ANHALTENDER STELLENABBAU: Die drei grossen Schweizer Reiseunternehmen Kuoni Schweiz, Hotelplan und TUI Suisse sind 2016 auf die Bremse gestanden. Sie haben insgesamt 171 Stellen abgebaut und zehn Filialen geschlossen. Insgesamt betreiben sie damit noch 266 Fillialen und beschäftigen 2616 Angestellte in der Schweiz. Für das deutliche Minus ist vor allem Kuoni Schweiz verantwortlich. Das Unternehmen, dass im September 2015 an die deutsche Rewe-Gruppe verkauft wurde, hat im vergangen Jahr den Personalbestand um 8 Prozent auf 1216 und die Anzahl Filialen um vier auf 80 abgebaut. Aber auch TUI Suisse und Hotelplan haben Stellen und Filialen gestrichen.

STABILE PREISE: Die Preise für Wohneigentum in der Schweiz bewegen sich zurzeit kaum. So hat Wohneigentum in der Schweiz im vierten Quartal 2016 nur gerade 0,1 Prozent weniger gekostet als im Vorquartal. Diese Seitwärtsbewegung ist das Resultat von leicht unterschiedlichen Preisentwicklungen bei den Einfamilienhäusern und den Eigentumswohnungen. Während die Eigentumswohnungen innerhalb von drei Monaten um 1,8 Prozent günstiger wurden, haben sich die Preise für die Einfamilienhäuser um 1,1 Prozent erhöht.

STABILES WACHSTUM: Zwei Jahre nach dem Frankenschock zeigt sich Raiffeisen vorsichtig optimistisch für die Schweizer Wirtschaft. Der Wechselkursschock vom 15. Januar 2015, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1,20 Fr. aufhob, sei noch nicht ausgestanden. Die Schweizer Wirtschaft dürfte 2017 ein Wachstum von 1,3 Prozent erreichen. Damit hält Raiffeisen an den bisherigen Prognosen fest. Die hiesige Konjunktur dürfte also an die Leistung des Vorjahres anknüpfen, in dem das Bruttoinlandprodukt (BIP) laut ersten Schätzungen um 1,4 Prozent wuchs. Die auf den ersten Blick positiven Konjunkturindikatoren entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als sehr einseitige Angelegenheit. Von einer breiten Erholung ist die Schweiz noch weit entfernt. Das starke Wachstum der Exporte ist einzig der boomenden Pharmabranche zu verdanken. In der Industrie werden weiter Stellen gestrichen.

NACHFRAGE: Die Nachfrage nach Flugreisen steigt weiter kräftig. Im November habe der Passagierverkehr um 7,6 Prozent zugelegt und damit so stark wie seit neun Monaten nicht mehr, teilte der internationale Branchenverband Iata mit, ohne konkretere Zahlen zu nennen. Nach der Flaute im Sommer wegen der Furcht vor Anschlägen hatte sich der Flugreisebetrieb rund um den Globus zuletzt wieder erholt. Wegen der Anschläge in Europa wie dem Attentat auf den Brüsseler Flughafen und im südfranzösischen Nizza hatten Touristen aus Übersee ihre Pläne geändert. Zudem mieden Ferienreisende aus Europa wegen Sicherheitsbedenken Reiseziele wie die Türkei, Nordafrika und die Golfsstaaten.

REKORDTIEF: Anderthalb Wochen vor der Amtsübernahme des künftigen US-Präsidenten Barack Obama ist die mexikanische Währung auf den tiefsten Stand in ihrer Geschichte gefallen. Für einen Dollar mussten am Dienstag 22 Peso gezahlt werden. Die mexikanische Währung verlor demnach im Tagesverlauf 1,59 Prozent an Wert und stürzte damit auf ein Rekordtief. Der Peso hatte bereits vergangene Woche drei Prozent eingebüsst.

KEINE KLAGE: Die FIFA und andere Fussballverbände haben die Rechte an Fussball-Sammelbildern für Welt- und Europameisterschaften nicht wettbewerbswidrig an das Unternehmen Panini vergeben. Das EU-Gericht in Luxemburg wies eine Klage des englischen Konkurrenten Topps Europe gegen einen entsprechenden Beschluss der EU-Kommission ab. Topps hatte 2011 eine Beschwerde bei der Kommission gegen Panini sowie mehrere Verbände - unter ihnen der Weltfussballverband FIFA und der Deutschen Fussball-Bund (DFB) - eingereicht. Topps behauptete damals, bei der Vergabe und Nutzung von Lizenzen für die grossen Turniere sei unter anderem gegen das Kartellverbot und das Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung verstossen worden. Nachdem die Kommission die Beschwerde 2014 zurückgewiesen hatte, reichte Topps Klage ein.

REKORD: An Europas grösstem Flughafen London-Heathrow sind im vergangenen Jahr erstmals 76 Millionen Passagiere abgefertigt worden. Der vor 70 Jahren eröffnete britische Airport übertrifft das Vorjahresergebnis damit um 1 Prozent, wie Flughafenchef John Holland-Kaye sagte. Zuwächse verzeichnete im abgelaufenen Jahr auch der Flughafen München: Die Zahl der Passagiere habe binnen Jahresfrist um gut drei Prozent auf 42,3 Millionen zugelegt. Zum Vergleich: Am Frankfurter Flughafen starteten und landeten von Januar bis November vergangenen Jahres knapp 57 Millionen Passagiere. Im Vorjahr hatte Deutschlands grösster Airport mit mehr als 60 Millionen Fluggästen einen neuen Wachstumsrekord aufgestellt. Mehr Fluggäste hat europaweit nach London-Heathrow nur noch der Airport Charles-de-Gaulle in Paris.

(AWP)