Tagesüberblick Wirtschaft

Montag, 30. Januar 2017
30.01.2017 17:31

SCHWEIZER KONJUNKTUR: Schleierwolken ziehen über der Schweizer Wirtschaft auf: Das KOF-Konjunkturbarometer ist im Januar leicht um 0,4 auf 101,7 Punkte gesunken. Trotz der leichten Eintrübung liegt das Barometer weiterhin über dem langfristigen Mittelwert und deutet auch für die nähere Zukunft auf stabile Aussichten für die Schweizer Wirtschaft hin, erklärte die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Positive Beiträge zum Barometer kamen aus dem Bau- und dem Exportsektor. Negativ seien die Indikatoren aus der Finanzbranche, dem inländischen Konsum und insbesondere aus der Gastwirtschaft, hiess es.

GEWINNPLUS: Die Industriegruppe Metall Zug hat im Geschäftsjahr 2016 operativ mehr verdient. Sie erwartet ein Betriebsergebnis (EBIT) von über 90 Millionen Franken, nach 81 Millionen Franken im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von 11 Prozent. 5 Millionen Franken zur Gewinnsteigerung trägt dabei der Verkauf des Areals in Ballwil bei, wie Metall Zug mitteilte. Weiter hätten alle drei Geschäftsbereiche ein höheres Betriebsergebnis erzielt, insbesondere das Geschäft mit Haushaltsapparaten, zu dem unter anderem die Marke V-ZUG gehört. Der Konzernumsatz stieg um 2,4 Prozent auf leicht über 950 Millionen Franken. Das vollständige Geschäftsergebnis veröffentlicht Metall Zug am 23. März.

NEUER BÖRSENINDEX: Die Anlagestiftung Ethos plant zu ihrem 20-Jahre Jubiläum, gemeinsam mit der Schweizer Börse SIX einen neuen Schweizer Börsenindex zu lancieren. Der Index bezieht Kriterien ein zur guten Unternehmensführung (Good Governance). Der "Ethos Swiss Corporate Governance Index (ESCGI)" bevorzugt Unternehmen, die sich an die Best Practice Grundsätze der guten Unternehmensführung halten und wenig CO2 produzieren, wie Ethos mitteilte. Weiter will Ethos ihre Anlagefonds auch Privatinvestoren zugänglich machen, wie die Stiftung auf Anfrage der sda mitteilte. Die Anlagestiftung hat die entsprechenden Schritte in die Wege geleitet.

BETEILIGUNGS-VERKAUF: Die schwer angeschlagene Industriegruppe Accu Holding hat sich von ihrer letzten Beteiligung getrennt. Die Nexis-Gruppe in der Slowakei geht für noch 300'000 Franken an die Gesellschaft Fibers Investment. Damit hat Accu alle wesentlichen operativen Aktiven verkauft. Die in Emmenbrücke LU ansässige Accu Holding befindet sich derzeit in provisorischer Nachlassstundung. Die Gruppe war durch verschuldete Tochtergesellschaften und die Verhaftung ihres ehemaligen Chefs in die Schlagzeilen geraten.

NEUER FINANZCHEF: Das Bankensoftware-Unternehmen Crealogix erhält einen neuen Finanzchef. Per 1. Mai übernimmt Philippe Wirth das Amt. Er folgt auf Rolf Lichtin, der zum IT-Dienstleister Abraxas wechselt, wo er ebenfalls Finanzchef wird. Der neue Leiter der Finanzabteilung bei Crealogix Philippe Wirth war zuvor bei der Mettler-Toledo-Gruppe tätig, wo er verschiedene Funktionen im Konzernrechungswesen innehatte. Crealogix schaffte im Geschäftsjahr 2015/2016 nach zwei Verlustjahren den Turnaround und schrieb einen Betriebsgewinn vor Amortisationen und Abschreibungen (EBITDA) von 3,6 Millionen Franken.

ZUSAMMENSCHLUSS: Die Schweizer Softwarefirma Netcetera übernimmt per sofort den österreichischen Anbieter von digitalem Portemonnaies Nexperts, mit dem Nutzer unterwegs vom Handy aus zahlen können. Bereits heute nutzten mehr als 12 Millionen Karteninhaber die Systeme von Netcetera beim Einkaufen im Internet, heisst es in einer Mitteilung. Durch die Übernahme von Nexperts könne Netcetera eine integrierte Gesamtlösung anbieten, die auch das Bezahlen mit dem Smartphone an Bezahlterminals umfasst. Der Mitteilung zufolge übernimmt Netcetera 100 Prozent der Aktien von Nexperts. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

EINHEITSAKTIE: Die Genfer Kantonalbank (BCGE) vollzieht den Umtausch von Inhaberaktien in Namenaktien und ersetzt damit die drei Aktienkategorien mit einer einzigen Einheitsaktie. Die neuen Statuten der Kantonalbank sind nach der Ratifizierung durch den Grossen Rat am 28. Januar 2017 in Kraft getreten. Die Aktionäre hatten den Schritt an der Generalversammlung vom 26. April 2016 beschlossen. Tag der Umwandlung der Aktien sowie erster Börsenhandelstag der Einheitsaktien ist voraussichtlich der 2. Februar, wie die Kantonalbank mitteilte.

IN GELDNÖTEN: Die deutsche Einrichtungskette Butlers ist in Schwierigkeiten. Das Unternehmen, das auch in der Schweiz präsent ist, stellte beim Kölner Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Ziel des Schrittes sei die Erhaltung und nachhaltige Sanierung der 1999 gegründeten Filialkette, betonte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Jörg Bornheimer. Alle Filialen und der Onlineshop der Einrichtungskette sollen normal geöffnet bleiben, wie Butlers-Gründer Wilhelm Josten betonte. Butlers beschäftigt nach eigenen Angaben zurzeit rund 1000 Mitarbeiter.

VW ÜBERHOLT: Volkswagen hat seinem Dauerrivalen Toyota im vergangenen Jahr nun auch nach offiziellen Zahlen den Titel des weltgrössten Autoherstellers abgejagt. Der japanische Konzern, zu dem auch der Kleinwagenspezialist Daihatsu Moto und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehört, meldete den Absatz von 10,18 Millionen Fahrzeugen. Damit bleibt Toyota hinter den Verkäufen von VW von 10,3 Millionen Autos zurück. Volkswagen hatte 2016 trotz des Dieselskandals einen Absatzrekord aufgestellt.

BESORGTE US-KONZERNE: Protest gegen Donald Trump mit Jobs und kostenlosen Unterkünften: Starbucks und Airbnb haben konkrete Schritte angekündigt, um die Folgen des US-Einreiseverbots für Flüchtlinge und Menschen aus muslimischen Staaten zu mildern. Die Kaffeehauskette Starbucks will 10'000 Flüchtlinge einstellen, der Zimmervermittler Airbnb will Menschen, die wegen des Einreisestopps festsitzen, kostenlose Unterkünfte anbieten. Auch weitere US-Firmen positionieren sich gegen das Dekret des US-Präsidenten. Trump hatte am Freitag per Dekret angeordnet, dass Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern 90 Tage lang keine Visa erhalten dürfen. Sämtlichen Flüchtlingen wurde die Einreise für 120 Tage untersagt.

GEWINNEINBRUCH: Beim spanischen Geldhaus Bankia ist der Gewinn 2016 um 23 Prozent auf 804 Millionen Euro eingebrochen. Die staatlich kontrollierte Bank erklärte, Grund für den Rückgang seien neben den anhaltend niedrigen Zinsen Sonderbelastungen im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften. Bankia trifft wie die gesamte spanische Branche ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember, nach dem die Finanzhäuser ihren Kunden im Streit um Hypothekenkonditionen insgesamt mehr als vier Milliarden Euro zurückzahlen müssen. Um für Schadenersatzforderungen aufkommen zu können, erhöhte Bankia seine Risikovorsorge zum Jahresende um 65 Millionen Euro. Das trug mit dazu bei, dass der Nettogewinn im Schlussquartal sogar um 71 Prozent auf 73 Millionen Euro zusammenschmolz.

ZUSTIMMUNG: Die Lufthansa darf nach einer Überprüfung durch die Kartellwächter Flugzeuge von Airberlin übernehmen. Die Fluggesellschaft habe mit den neuen Maschinen die Möglichkeit, "zu expandieren", dieser Zuwachs sei jedoch "nicht ausreichend", um das Vorhaben zu untersagen, teilte das Bundeskartellamt in Bonn mit. Die Lufthansa will 38 Passagierflugzeuge inklusive Besatzung von Airberlin leasen. Die beiden deutschen Fluggesellschaften hatten bereits im September vereinbart, dass die Lufthansa 38 Flugzeuge "zu marktüblichen Konditionen" von Airberlin least. 33 Maschinen sollen demnach an die Billigtochter Eurowings gehen, fünf an die Tochter Austrian Airlines.

AUF WACHSTUMSKURS: Die spanische Wirtschaft hat ihren Wachstumskurs im vergangenen Jahr fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei 2016 um 3,2 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikamt (INE) nach einer ersten Schätzung mit. Sollte sich die Zahl bestätigen, dann wäre die Volkswirtschaft in dem Land im dritten Jahr in Folge gewachsen, nachdem Spanien 2012 und 2013 eine Rezession erlebt hatte. Im vierten Quartal sei das BIP um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen, hiess es weiter. Die gleiche Rate war bereits im dritten Quartal verzeichnet worden.

GRÜNES LICHT: Osram ist beim Verkauf seiner Glühbirnensparte nach China einen weiteren Schritt vorangekommen. Das deutsche Wirtschaftsministerium habe die entsprechende Genehmigung erteilt, sagte ein Konzernsprecher in München. Die deutsche Regierung hatte zuvor den Verkauf der Sparte namens Ledvance an ein chinesisches Bieterkonsortium untersucht. Osram rechnet nach wie vor damit, das wenig zukunftsträchtige Lampengeschäft im Laufe des Jahres an den chinesischen LED-Spezialisten MLS und die beiden Finanzinvestoren IDG und Yiwu für mehr als 400 Millionen Euro abzugeben. Damit will sich der Leuchtmittelhersteller nicht nur von seiner grössten Sparte mit zuletzt rund zwei Milliarden Euro Umsatz und 12'500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen, sondern auch vom Geschäft mit Endkunden.

KAPITALEXPORTWELTMEISTER: Deutschland hat China nach Berechnungen des Ifo-Instituts 2016 als Land mit dem weltgrössten Exportüberschuss beim Kapital abgelöst. "Die Leistungsbilanz weist voraussichtlich ein Plus von 297 Milliarden Dollar auf", sagte Ifo-Experte Christian Grimme. Die Volksrepublik kommt demnach auf den zweiten Rang mit einem Überschuss von 245 Milliarden Dollar. 2015 war die Reihenfolge noch umgekehrt. Platz drei belegt Japan. Der deutsche Überschuss geht mit einem Netto-Kapitalexport einher, da nicht nur Maschinen, Fahrzeuge oder Chemikalien ins Ausland geliefert werden, sondern auch Kredite zu deren Finanzierung. Das grösste Defizit weisen dem Münchner Ifo-Institut zufolge die USA auf: Es summiert sich hier auf voraussichtlich 478 Milliarden Dollar. "Das bedeutet, dass die USA deutlich mehr verbrauchen als produzieren und sich im Ausland verschulden", erklärte Grimme.

SONDERDIVIDENDE: Die kriselnde italienische Grossbank UniCredit greift in die Taschen ihrer deutschen Tochter HypoVereinsbank (HVB). Die Italiener ziehen im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro aus Deutschland ab, wie UniCredit mitteilte. Dazu kommt noch der Gewinn aus dem vergangenen Jahr, der im Juni ebenfalls voll an die Mailänder Mutter ausgeschüttet wird, wie diese bestätigte. Die deutschen Aufsichtsbehörden sehen mit Sorge, dass die HVB durch den Mittelabfluss geschwächt wird, wie ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagte. UniCredit versuchte die Sorgen zu zerstreuen: "Die starke Kapital- und Liquiditätsausstattung der HypoVereinsbank wird auch nach dieser Zahlung erhalten bleiben", hiess es.

ÜBERRASCHENDER ABGANG: Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, ist überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Der Verwaltungsrat habe einstimmig der Bitte Grubes entsprochen, seine Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung aufzuheben, teilte das Staatsunternehmen mit. Den Posten werde Finanzchef Richard Lutz ad interim übernehmen. Der Verwaltungsrat werde bald über einen Nachfolger entscheiden. Der 65-jährige Grube hatte die Bahn seit 2009 geführt. Verwaltungsratschef Utz-Hellmuth Felcht würdigte Grubes Verdienste: "Die Digitalisierung der DB ist ebenso mit seinem Namen verbunden wie das Qualitätsprogramm 'Zukunft Bahn."

SCHWINDENDE NACHFRAGE: Sony bekommt die schwindende Nachfrage nach DVD schmerzhaft zu spüren und muss fast 1 Milliarde Euro auf sein Filmgeschäft abschreiben. Der japanische Elektronik- und Unterhaltungskonzern bezifferte die Wertberichtigung im abgelaufenen Quartal auf umgerechnet rund 915 Millionen Euro. Zugleich schraubte das Unternehmen seine Gewinnerwartungen im Geschäft mit DVD und Blu-Ray-Filmen zurück. Hintergrund sei, dass Sony wie der Gesamtmarkt unter dem Druck der Online-Filmdienste leide. Immer mehr Kunden sehen sich Filme an, die per Streaming direkt aus dem Internet auf den Bildschirm kommen, anstatt DVD oder Blu-Ray-Discs zu kaufen.

(AWP)