Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 22. Februar 2017
22.02.2017 17:44

VERUNTREUUNG BEI ABB: (Zürich/Seoul) Der Technologiekonzern ABB hat kriminelle Aktivitäten eines Managers bei seiner südkoreanischen Niederlassung entdeckt. Laut einer derzeitigen Schätzung werden diese Unterschlagung und Veruntreuung von Geldern die Ergebniszahlen 2016 mit rund 100 Millionen Dollar belasten. Der Treasurer (Kassenwart) der Tochtergesellschaft in Südkorea wird verdächtigt, Unterlagen gefälscht sowie mit Dritten zusammengearbeitet zu haben, um Unternehmensgelder zu veruntreuen, wie es in einer ABB-Mitteilung heisst. Nachdem die verdächtigte Person am 7. Februar verschwunden sei, habe ABB erhebliche finanzielle Unstimmigkeiten in Südkorea aufgedeckt. Der Konzern habe unmittelbar danach eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Zudem bestehe eine Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden.

REKORDSCHADEN DURCH FALL BEHRING: (Zürich) Noch nie sind an Schweizer Gerichten Fälle von Wirtschaftskriminalität mit so hohen Schäden behandelt worden wie 2016. Die Zahl der Fälle ist mit 57 zwar geringer als im Vorjahr. Der Gesamtschaden in Höhe von 1,4 Milliarden Franken ist aber ein neuer Rekord. Im Vorjahr hatte die Schadensumme noch bei 280 Millionen Franken gelegen, wie das Beratungsunternehmen KPMG mitteilte. Grund für das Allzeithoch ist vor allem der Fall Behring, der grösste Betrugsfall in der jüngeren Schweizer Geschichte mit einem Schaden von 800 Millionen Franken. Ausser dem Behring-Prozess gab es drei Fälle mit Schäden von jeweils über 125 Millionen Franken. Führungskräfte stellen aufgrund ihrer internen Stellung und ihres Handlungsspielraums in den Unternehmen bei der Wirtschaftskriminalität die grösste Gefahr dar. So war das Management in 58 Prozent aller Fälle alleine für die Taten verantwortlich und in weiteren 21 Prozent der Fälle zusammen mit Angestellten involviert .

NEUE ABO-STRUKTUR: (Zürich) Sieben Jahre nach der Einführung Kombiabos Vivo für zu Hause krempelt die Swisscom ihre Struktur für Bündelabos um. Neu führt der "Blaue Riese" das Baukastenprinzip ein. Damit können Kunden ihre Bausteine aus Handy, TV, Internet und Festnetztelefonie selber zusammenstellen. Bisher gab es nur vorgefertigte Bündelangebote für kleine, mittlere, grosse und ganz grosse Nutzer. Neu können die Kunden ihre Module für Internet, TV, Telefonie und Mobilfunk selber auswählen, je nachdem welche Leistungsangebote sie bevorzugen. So können die Kunden beispielsweise eine schnelle Internetleitung und eine Festnetztelefonie ohne Pauschaltarif wählen, wenn sie zu Hause telefonisch vor allem erreichbar sein wollen. Experten begrüssten die neuen Abos wegen der Wahlmöglichkeiten, bezeichneten sie aber als teuer im Vergleich zur Konkurrenz.

MERFEN GEHT AN GALENICA: (Bern) Die Gesundheitsgruppe Galenica steigt in den Wundversorgungs-Markt ein. Sie übernimmt die Schweizer Traditionsmarken Merfen und Vita-Merfen von GSK Consumer Healthcare Schweiz. Der Kauf der Rechte am Wunddesinfektionsmittel Merfen begründet Galenica mit dem hohen Bekanntheitsgrad der Marke. Zudem nehme Merfen mit einem Marktanteil von 40 Prozent bei der Desinfektion eine bedeutende Position im Schweizer Markt ein. Bei der Vita-Merfen-Salbe prüft Galenica eine Wiedereinführung. Die Produktion und der Vertrieb der Traditionssalbe wurde Ende 2014 von Novartis mit der Begründung von produktionstechnischen Problemen eingestellt.

BAU MIT GUTEN AUSSICHTEN: (Zürich) Der Boom in der Schweizer Baubranche dürfte auch im laufenden Quartal anhalten. Der von der Credit Suisse und dem Schweizerischen Baumeisterverband ermittelte Bauindex verharrt auf rekordhohen 144 Punkten. Auf diesem Niveau ist der Frühindikator für die Umsatzentwicklung in der Baubranche seit dem dritten Quartal 2016. Träger des Booms ist dabei vor allem der Hochbau, der um 4,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen dürfte. Die Umsätze im Tiefbau dagegen dürften leicht um 3,4 Prozent schrumpfen. Insgesamt rechnen Credit Suisse und SBV für das laufende Jahr mit einer zunehmend vom Hochbau getragenen Fortsetzung des Erfolgskurses.

UMSATZPLUS FÜR LECLANCHÉ: (Yverdon-les-Bains) Der angeschlagene Batterienhersteller Leclanché ist im Geschäftsjahr 2016 um 56 Prozent gewachsen. Der Umsatz erhöhte sich damit auf 28 Millionen Franken. Für das kommende Jahr erwartet das Unternehmen ein "überdurchschnittliches " Umsatzwachstum. Der Auftragsbestand für Energiespeicher im Gesamtumfang von 85 Megawattstunden zur Lieferung 2017 sei solide, schreibt Leclanché in einer Mitteilung. Leclanché rechnet damit, ab einem Produktionsvolumen von über 100 Megawattstunden vor Abschreibungen und Amortisationen wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. 2018 soll es laut Mitteilung soweit sein. 2015 wurde auf Stufe EBITDA noch ein Verlust von 26 Millionen Franken ausgewiesen.

MEHR UMSATZ: (Buchs AG) Die Produktionsbetriebe der Migros (M-Industrie) haben 2016 den Umsatz insgesamt um 2,1 Prozent auf 6,39 Mrd. Franken gesteigert. Das internationale Geschäft legte um 16 Prozent zu, während der Umsatz im Inland mit 0,5 Prozent kaum wuchs. Vor allem das Geschäft mit Kaffeekapseln, Käse und Kosmetik trieb die Umsätze im internationalen Geschäft (Export und Auslandstandorte) auf 790 Mio. Franken, wie M-Industrie Buchs mitteilte. Der Umsatz im Ausland beträgt 12,4 Prozent am Gesamtumsatz des Industriekonglomerats des "orangen Riesens". Die Produkte würden im Ausland eher im Hochpreissegment verkauft, während diese in der Schweiz als Mainstream-Produkte gelten würden, sagte Walter Huber, Mitglied der Generaldirektion.

22 NEUE FIRMEN: (Freiburg) Die Freiburger Wirtschaftsförderung hat vergangenes Jahr insgesamt 22 Firmen bei ihrer Ansiedlung oder bei Erweiterungsprojekten unterstützt. Mittelfristig sollen dadurch 390 neue Arbeitsplätze im Kanton geschaffen werden. Von den elf neu im Kanton Freiburg angesiedelten Unternehmen stammen fünf aus dem Ausland, namentlich aus Frankreich, Russland, Brasilien, Indien und den USA. Die restlichen kommen aus der Schweiz, darunter auch die Basler PharmaFocus.

WTO ERZIELT MEILENSTEIN: (Genf) Das Abkommen über Handelserleichterungen (TFA) der Welthandelsorganisation (WTO) tritt in Kraft. Die nötigen 110 Mitgliedsstaaten haben es ratifiziert. Es ist nach zahlreichen zwischenzeitlichen Rückschlägen das erste multilaterale Handelsabkommen in der 22-jährigen WTO-Geschichte. Zwei Ratifikationen wurden noch seit mehreren Wochen benötigt. Nach Ruanda in den letzten Tagen ratifizierten am Mittwoch Tschad, Jordanien und Oman am Mittwoch das Übereinkommen. WTO-Generaldirektor Roberto Azevedo begrüsste das Abkommen als "die bedeutendste Reform des Welthandels" seit über 15 Jahren. Das Abkommen betrifft die Landwirtschaft, die Entwicklungshilfe und die Handelserleichterungen durch den Abbau von Bürokratie beim Zoll. Es dürfte die globalen Exporte um 1000 Milliarden Dollar jährlich anschieben.

WENIGER GEWINN: (München/Toulouse) Die stetigen Probleme mit dem Militärtransporter A400M haben den Gewinn des Flugzeugkonzerns Airbus 2016 deutlich absacken lassen. Trotz brummender Geschäfte mit Passagierfliegern brach der Gewinn auf knapp eine Milliarde von 2,7 Milliarden im Vorjahr ein. Der Umsatz legte dank eines Rekordabsatzes von Linienmaschinen um drei Milliarden auf 67 Milliarden Euro zu, wie die Franzosen mitteilten. Allein 2,2 Milliarden an Belastungen aus dem Programm A400M verbuchte Airbus im abgelaufenen Jahr. Hinzu kommen Entwicklungskosten für neue Linienflieger. "Der A400M bleibt eine Sorge", erklärte Airbus und kündigte an, angesichts der anhaltenden Probleme mit den Kunden nachzuverhandeln. Die Aktionäre sollen von den Problemen nichts zu spüren bekommen. Airbus-Chef Tom Enders will die Dividende um fünf Cent auf 1,35 Euro je Aktie anheben.

HÖCHSTER GEWINN: (London) Die britische Grossbank Lloyds hat 2016 den höchsten Gewinn seit einem Jahrzehnt eingefahren. Damit erholt sich der führende Hypothekenanbieter auf der Insel langsam von den Nachwehen der weltweiten Finanzkrise, was dem Staat als Aktionär in den nächsten Monaten den endgültigen Rückzug ermöglichen sollte. Vor Steuern wurden im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Pfund (rund 5,3 Milliarden Franken) verdient, wie die Bank mitteilte. 2015 waren es lediglich 1,64 Milliarden Pfund. Es wurden inzwischen deutlich weniger Gelder benötigt, um Kunden für Verfehlungen in der Vergangenheit zu entschädigen. Die britische Regierung hatte Lloyds in der Finanzkrise 2008 mit gut 20 Milliarden Pfund gestützt. Mittlerweile liegen weniger als fünf Prozent der Aktien beim Staat. Experten erwarten, dass bis zum Frühjahr komplett abgebaut wird.

BAYER MIT REKORDERGEBNIS: (Leverkusen) Ein florierendes Pharmageschäft füllt Bayer die Kassen. Im vierten Quartal 2016 kletterte der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um fast 14 Prozent auf 2,179 Milliarden Euro, wie der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern mitteilte. Der Umsatz wuchs um 1,5 Prozent auf 46,769 Milliarden Euro. Bei der geplanten Rekordübernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto sieht sich Bayer auf Kurs. Mit einem Abschluss werde unverändert Ende 2017 gerechnet, sagte Konzernchef Werner Baumann.

IM AUFWIND: (London) Trotz des bevorstehenden EU-Austritts wächst die Wirtschaft in Grossbritannien so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg Ende 2016 um 0,7 Prozent zum Vorquartal und damit einen Tick besser als bisher gedacht, wie das Nationale Statistikamt ONS mitteilte. Eine frühere Schätzung von 0,6 Prozent wurde nach oben revidiert. Für kräftigen Schwung sorgte vor allem die Schlüsselbranche der Dienstleister. Die Industrieproduktion stieg auch, aber weit unterdurchschnittlich. Im Gesamtjahr legte die gesamte Wirtschaft um 1,8 Prozent zu.

ANZIEHENDE INFLATION: (Brüssel) Die Inflation in der Euro-Zone ist auf dem Vormarsch und nähert sich der von der EZB angestrebten Zielmarke. Die Konsumentenpreise zogen im Januar im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 1,8 Prozent an, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Damit wurde eine frühere Schätzung bestätigt. Noch im Dezember lag die Teuerungsrate bei lediglich 1,1 Prozent. Insbesondere der Ölpreisanstieg sorgte für anziehende Inflation: Die Kosten für Energie legten im Januar um 8,1 Prozent zu. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,2 Prozent. Für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak mussten die Konsumenten 1,8 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahresmonat.

BRÜSSEL ERMAHNT BERLIN: (Brüssel) Die EU-Kommission hat Deutschland erneut wegen seiner einseitig auf den Export ausgerichteten Wirtschaft ermahnt. Der hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss erzeuge "bedeutende wirtschaftliche und auch politische Verzerrungen für die gesamte Eurozone", sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici in Brüssel. Auch für Deutschland sei der hohe Überschuss im Aussenhandel "nicht gesund". Die Kommission bescheinigte der deutschen Volkswirtschaft deshalb "wirtschaftliche Ungleichgewichte", bezeichnete diese aber nicht wie bei sechs anderen Ländern als "übermässig".

ROTE ZAHLEN: (Berlin) Sanierungskosten drücken auf die Bilanz der deutschen Modefirma Tom Tailor. Im Geschäftsjahr 2016 verzeichnete das angeschlagene Unternehmen nach vorläufigem Ergebnis ein Verlust von 73 Millionen Euro. Darin enthalten seien Aufwendungen für die Umstrukturierung in Höhe von 80,9 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis Ebitda gab Tom Tailor mit 10,3 Millionen Euro an, den Umsatz mit 968,5 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich das Unternehmen indes optimistisch. "Die Talsohle haben wir durchschritten", sagte Tom-Tailor-Interimschef Heiko Schäfer. "Wir trennen uns Schritt für Schritt von Altlasten." Bereits im vierten Quartal seien erste positive Effekte sichtbar geworden.

WIEDER SCHWARZ: (Hongkong) Die Modekette Esprit ist dank ihres Sparprogramms in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im ersten Geschäftshalbjahr erzielte der Konzern einen Reingewinn von umgerechnet 7,4 Millionen Euro. Vor einem Jahr war noch ein Verlust von 29 Millionen Euro angefallen. Zum positiven Ergebnis habe vor allem die Schliessung unrentabler Filialen beigetragen. Angesichts der Nachfrageschwäche in China seien insbesondere dort Geschäfte dichtgemacht worden. Zugleich wurden die Werbeaktivitäten im asiatischen Raum heruntergefahren. Der Umsatz sank um mehr als zehn Prozent auf rund eine Milliarde Euro.

(AWP)