Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 15. März 2017:
15.03.2017 17:29

ZURÜCK IN GEWINNZONE: (Basel/Zürich) Für den Reisedetailhändler Dufry beginnt sich der Kauf von World Duty Free (WDF) auszuzahlen. Nachdem im vergangenen Jahr Sonderkosten durch die Übernahme noch zu einem Verlust geführt hatten, schreibt das Unternehmen mit Sitz in Basel wieder schwarze Zahlen. Unter dem Strich resultierte im Geschäftsjahr 2016 ein Reingewinn von 45,8 Millionen Franken nach einem Verlust von 36,9 Millionen Franken im Vorjahr. Die per Ende 2016 abgeschlossene Integration von WDF führte zu einem weiteren kräftigen Wachstum. Die Gruppe steigerte ihren Umsatz um 27,5 Prozent auf 7,83 Milliarden Franken. Organisch resultierte ein Wachstum von 1,0 Prozent nach einem Rückgang von 5,3 Prozent im Vorjahr.

GEWINNSPRUNG: Die Privatbank EFG hat 2016 einen Gewinn von 339,3 Millionen Franken geschrieben. Das Rekordresultat ist auf Sondereffekte zurückzuführen. So hat die Übernahme der Tessiner Bank BSI zu einem Buchgewinn von über einer halben Milliarde Franken geführt. Ohne Sondereffekte hat EFG mit 82,3 Millionen Franken einen um 9,6 Prozent tieferen Gewinn als im Vorjahr erreicht. Der Rückgang stammt dabei von der Bank BSI, deren Ergebnisse im November und Dezember in die Erfolgsrechnung einflossen. EFG ohne BSI hat dabei einen exakt gleich hohes Ergebnis wie im Vorjahr erzielt. Beim Neugeld konnte sich die Bank jedoch nicht halten. So flossen der EFG insgesamt 5,4 Milliarden Franken ab, weil BSI-Kundenberater abgesprungen sind und Kunden Kredite zurückgezahlt haben.

GEWINNPLUS: (Bellinzona) Die Tessiner Kantonalbank (BancaStato) hat im Geschäftsjahr 2016 trotz rückläufigen Erträgen einen höheren Gewinn erwirtschaftet. Auch dank rückläufiger Kosten stieg der Reingewinn um 7,6 Prozent auf 47,2 Millionen Franken, wie einer Mitteilung des Instituts zu entnehmen ist. Insgesamt gingen die Erträge im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf 178,1 Millionen Franken zurück. Sowohl mit Kommissionen- und Dienstleistungen als auch mit dem Handelsgeschäft nahm die Bank weniger ein. Dafür stiegen die Zinserträge. Über den Geschäftsgang freuen kann sich auch der Kanton Tessin als Eigentümer der Bank. So steigt die Ausschüttung um 6,6 Prozent auf 35,4 Millionen Franken.

MEHR ERTRAG UND GEWINN: (Brig) Das Walliser Bahn- und Touristikunternehmen BVZ mit den Marken Matterhorn Gotthard Bahn, Gornergrat Bahn und Glacier Express hat im Geschäftsjahr 2016 entgegen dem Trend mehr verdient. Der Ertrag stieg dabei um 2,3 Prozent auf 143 Millionen Franken. Das operative Ergebnis (EBITDA) legte um 7,0 Prozent auf 34,5 Millionen Franken zu. Der Gewinn wuchs sogar um 12 Prozent auf 8,7 Millionen Franken, wie die BVZ mitteilte. Zum Wachstum der Erträge hätten alle Geschäftsfelder einen Beitrag geleistet. Besonders positiv entwickelte sich die Gornergrat Bahn: Hier stieg der Ertrag um 4,8 Prozent auf 26,2 Millionen Franken. Auch mit der Matterhorn Gotthard Bahn (+2,1 Prozent) und dem mit der Rhätischen Bahn gemeinsam betriebenen Glacier Express (+1,2 Prozent) konnte die BVZ mehr Ertrag generieren.

AUF WACHSTUMSKURS: (Männedorf ZH) Der Laborausrüster Tecan ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Wegen Kosten für die Integration einer Übernahme fiel der Reingewinn unter dem Vorjahresniveau aus. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 506,2 Millionen Franken. Der Auftragseingang wuchs um 8,2 Prozent auf 503,2 Millionen. Der Betriebsgewinn (EBITDA) kletterte um 6,7 Prozent auf 89,0 Millionen Franken. Die entsprechende Marge verschlechterte sich somit von 18,9 Prozent auf 17,6 Prozent. Unter dem Strich erzielte der Anbieter von Laborinstrumenten einen um 4,6 Prozent auf 54,5 Millionen gesunkenen Reingewinn.

HÖHERER VERLUST: (Reinach BL) Die Biotechfirma Evolva hat ihren Verlust 2016 von 31,8 Millionen Franken im Vorjahr auf 36 Millionen Franken ausgeweitet. Das zeigen ungeprüfte Zahlen, die das baselbieter Unternehmen veröffentlichte. Der Umsatz wird auf 9,6 Millionen Franken veranschlagt. Im Januar hatte Evolva einen Umsatz von 9 bis 10 Millionen Franken geschätzt. Den vollständigen, geprüften Rechnungsabschluss wird Evolva am 30. März veröffentlichen. Das Unternehmen, das Stevia-Süssstoffe und andere Ingredienzen wie Aromen entwickelt, hat sich weiter eine Finanzierungslinie von bis zu 30 Millionen Franken gesichert.

REKORDJAHR: (Flamatt FR) Die Investitionen der Vorjahre haben beim Freiburger Röntgensystemhersteller Comet positive Wirkung gezeigt. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2016 das beste Ergebnis der Firmengeschichte. Der konsolidierte Nettoumsatz stieg auf 332,4 Millionen Franken und übertraf damit jenen des Vorjahres um 18 Prozent, wie Comet mitteilte. Das Betriebsergebnis verbesserte sich trotz hoher Investitionen um 43 Prozent auf 36,5 Millionen Franken. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 27,3 Millionen Franken - knapp 10 Millionen mehr als im Vorjahr.

REKORDGEWINN: (Frauenfeld) Die Ostschweizer Immobiliengesellschaft BFW Liegenschaften hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Der Reingewinn schoss von 10,2 Millionen auf 18,2 Millionen Franken nach oben. Dabei half die Neubewertung der Liegenschaften, die einen Erfolg von 13,2 Millionen Franken beisteuerte, wie die Gesellschaft in einem Communiqué bekannt gab. Der Neubewertungserfolg fiel damit doppelt so hoch aus wie im Vorjahr (6,4 Millionen Franken). Auch operativ hat BFW Liegenschaften zugelegt. Der Mietertrag stieg um 6,4 Prozent auf 20,4 Millionen Franken.

KEINE PERSONELLE ÄNDERUNG: (Baar ZG) Beim Zuger Baustoffhersteller Sika zeichnen sich bei der bevorstehenden Generalversammlung keine personellen Änderungen ab. Alle Verwaltungsräte stellten sich am 11. April zur Wiederwahl, teilte Sika mit. Um das Unternehmen tobt seit Dezember 2014 ein Übernahmekampf, der mit juristischen Mitteln ausgefochten wird. Der französische Konzern Saint-Gobain will die privilegierten Familienaktien kaufen. Dagegen wehren sich die Sika-Führung und Minderheitsaktionäre. Mit einer Beschränkung der Stimmrechte - der sogenannten Vinkulierung - hat der Verwaltungsrat die Übernahme bislang blockiert.

BLICK NACH VORNE: (Dietlikon ZH) Das Zürcher Familienunternehmen Chicorée hat im vergangenen Jahr 13 Standorte geschlossen und einen Umsatz von 131 Millionen Franken erzielt. Im Jahr davor setzte Chicorée noch 142 Millionen Franken um. Aktuell betreibt der Modehändler 152 Standorte und beschäftigt über 700 Mitarbeitende, wie das Unternehmen mitteilte. Das Geschäftsjahr sei von einem weiterhin schwierigen Marktumfeld im Detailhandel mit Einkaufstourismus, Frankenstärke und zunehmendem Onlinehandel geprägt gewesen. Chicorée habe dennoch den Umsatz auf den bestehenden Flächen auf Vorjahresniveau halten können. Die Konsolidierungsphase sei abgeschlossen, schreibt Chicorée. Für 2017 seien wieder fünf bis zehn Neueröffnungen geplant.

NEGATIVZINSEN FÜR REICHE: (Zürich) Die Migros Bank gibt ab dem 1. Juli die Negativzinsen verstärkt an ihre Kundschaft weiter. Privatkunden mit einem Guthaben von über 1 Million Franken müssen ab dann 0,75 Prozent Zinsen bezahlen, wie ein Sprecher auf Anfrage der Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP sagte. Firmenkunden müssen laut den Angaben ab einem Guthaben von 5 Millionen Franken diesen Negativzins berappen. Bislang galten Freibeträge von 10 Millionen Franken für Privat- und Firmenkunden. Die Verschärfung kommt nicht überraschend. Im laufenden Jahr werde man eine Ausweitung der Negativzinsen prüfen, hatte Bank-Chef Harald Nedwed im Januar an der Bilanzmedienkonferenz angekündigt.

SINKENDE PREISE: (Neuenburg) Der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise (PPI) in der Schweiz ist im Februar im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent auf 100,2 Punkte gesunken. Der Rückgang geht vor allem auf sinkende Preise für Schrott, Mineralöl- und Pharmaprodukte sowie Elektrizität zurück. Während der Produzentenpreisindex um 0,4 Prozent sank, legte der Importpreisindex um 0,1 Prozent zu, wie die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen. Bei den Importpreisen stiegen im Februar insbesondere die Kosten für organische Produkte der chemischen Industrie. Teurer wurden laut BFS auch Nichteisen-Metalle und daraus hergestellte Produkte. Preisrückgänge gab es dagegen für Treibstoff, Heizöl sowie Gummi- und Kunststoffprodukte.

WEKO-UNTERSUCHUNG: (Bern/Niederweningen) Die Wettbewerbskommission untersucht bei der Bucher Landtechnik den Vertrieb von Ersatzteilen für Traktoren der Marken New-Holland, Case IH und Steyr. Im Rahmen der Untersuchung fand am Dienstag eine Hausdurchsuchung in Niederweningen ZH statt. Die Weko klärt möglicherweise unzulässige Wettbewerbsabreden ab. Es gebe Anhaltspunkte, dass Bucher-Landtechnik Parallelimporte verhindere, indem sie den Bezug von Traktor-Ersatzteilen an den Verkauf von Traktoren der entsprechenden Marken binde. Ausserdem gibt es laut Weko Hinweise dafür, dass Bucher-Landtechnik ihren Wiederverkäufern Beschränkungen des geografischen Absatzgebietes für den Wiederverkauf auferlegt. Mutterkonzern Bucher Industries will mit der Weko kooperieren, wie der Zürcher Industriekonzern mitteilte.

60 ENTLASSUNGEN: (St. Gallen) Bei der AFP-Küchen - dem Zusammenschluss von Forster und Piatti-Küchen - stehen grössere Veränderungen an. Geplant ist der Verkauf von Forster und die Umstrukturierung von Piatti Küchen. 60 Mitarbeitende sollen entlassen werden. 2012 wurden von der Arbonia Forster Holding die beiden Unternehmensteile Forster- und Piatti-Küchen zur AFP-Küchen zusammengeschlossen. Seit 2014 gehört die Firma zur deutschen Alno. Am Morgen seien die Mitarbeitenden der AFP-Küchen über Entscheide des Verwaltungsrates informiert worden, teilte die Gewerkschaft Unia mit. Anton Zöchbauer, Konzernchef der AFP-Küchen, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda die Pläne. Von den Massnahmen seien rund 60 der aktuell 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Forster sei seit Jahren defizitär gewesen, begründet er.

RECHTLICHE NIEDERLAGE: (Delsberg JU) Im Rechtsstreit um Eurolöhne für Grenzgänger hat das Technologieunternehmen vonRoll infratec eine weitere Niederlage einstecken müssen. Das jurassische Kantonsgericht hat das erstinstanzliche Verbot solcher Eurolöhne bestätigt. vonRoll werde das Urteil weiterziehen und die Löhne von Mitarbeitern, die im Euro-Raum leben, weiterhin "kaufkraftbereinigt" zahlen, teilte das Unternehmen mit. Ob das zulässig ist, muss nun das Bundesgericht entscheiden. von Roll zahlt Grenzgängern ihren Lohn bereits seit 2012 in Euro. Das jurassische Kantonsgericht beurteilte diese Praxis nun jedoch als diskriminierend. Sie sei durch das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU verboten. Die zweite Instanz stützte damit den Entscheid eines Schiedsgerichts von 2016, den vonRoll angefochten hatte.

NEUER FIRMENNAME: (Allschwil BL) Im Zug der Übernahme durch Johnson & Johnson soll von Actelion eine Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft abgespalten und an die Börse gebracht werden. Die neue Firma des Actelion-Gründers Jean-Paul Clozel trägt den Namen Idorsia - eine Wortschöpfung, sagte ein Actelion-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es gebe keine etymologische Herleitung des Wortes. Der Name war gleichentags in der Einladung zur Generalversammlung von Actelion bekannt gegeben worden. Mit der neuen Forschungsfirma will sich das Actelion-Gründerehepaar Jean-Paul und Martine Clozel ein neues Standbein aufbauen. Die 650 Mitarbeitenden von Idorsia werden neue Wirkstoffe entwickeln und vermarkten. Der Fokus der Forschung liegt auf Störungen des zentralen Nervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Immunkrankheiten sowie seltenen Krankheiten.

WENIG STREIKS: (Düsseldorf) Der Schweizer Arbeitsmarkt bleibt ein Hort des Friedens. So selten wie hierzulande wird nur gerade in Österreich gestreikt, wie der internationale Vergleich eines deutschen Forschungsinstituts zeigt. Zwischen 2006 und 2015 fielen demnach in den beiden Alpenländern im Jahresschnitt zwei Arbeitstage pro 1000 Beschäftigte durch Streiks aus. Ein tiefes Streikvolumen weisen nach den Angaben des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) auch Schweden (5 Tage), Polen (6) und die USA (7) auf. Zu den streikfreudigeren Ländern gehören Dänemark (122), Kanada (79) und Belgien (71).

DIESEL-UMRÜSTUNGEN: (Bern/Wolfsburg) Der Volkswagen-Konzern hat in der Schweiz im Nachgang an den Abgas-Skandal bisher rund 100'000 der insgesamt 175'000 Diesel-Autos umgerüstet. Wöchentlich kämen derzeit schweizweit rund 6000 bis 7000 Kunden in die Werkstätten, teilte der Schweizer VW-Importeur Amag mit. Die bisherigen Rückmeldungen zeigten, dass die Servicemassnahmen reibungslos verlaufen würden und die überwiegende Mehrzahl der Kunden mit der technischen Lösung zufrieden seien, heisst es in der Medienmitteilung weiter. In den USA erhalten Fahrer betroffener Autos mehr als 5000 Dollar Entschädigung. Für Kunden in Europa plant VW sehr zum Ärger der Betroffenen und der Konsumentenschützer keine solche Entschädigung.

NEUER REKORD: (Genf) Weltweit und in der Schweiz sind 2016 so viele Patente angemeldet worden wie noch nie. Die Zahl der internationalen Patentanmeldungen stieg um 7,3 Prozent auf 233'000. Den Spitzenplatz belegen weiter die USA: fast ein Viertel der Patentanmeldungen kommt aus den Vereinigten Staaten. Allerdings gingen die Patentgesuche 2016 um 0,9 Prozent auf 56'595 zurück, wie aus einem Bericht der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) in Genf hervorgeht. China, mit einem Anteil von 18,5 Prozent aller Patentanmeldungen (43'000) an dritter Stelle, könnte die Vereinigten Staaten bis in zwei Jahren überholen. Vorausgesetzt, die Zahl der Gesuche wächst weiterhin mit einer Rate von über 10 Prozent. Aktuell liegt China aber noch knapp hinter Japan mit fast 20 Prozent der weltweiten Gesuche. Die Schweiz kam 2016 auf knapp 4370 Patentanmeldungen, was einer Zunahme von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit belegt sie Rang Neun.

RAZZIA: (Ingolstadt) Der Abgas-Skandal trifft nun auch die VW-Tochter Audi mit voller Wucht: Wenige Stunden vor der Präsentation der Jahreszahlen des Autobauers rückten Ermittler zu Razzien an den Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm sowie an sieben weiteren Orten an. Mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte waren im Einsatz. Gegenstand der Ermittlungen sei der Verkauf von rund 80'000 Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren in den USA im Zeitraum von 2009 bis 2015, hiess es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Mit den Durchsuchungen solle insbesondere geklärt werden, wer an der Verwendung der Technik beteiligt gewesen sei und wer gegebenenfalls falsche Angaben gemacht habe.

MEHR ARBEITSPLÄTZE: (Berlin) Wer in Deutschland Arbeit sucht, kann sich aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) über gute Aussichten freuen. Die Ökonomen erwarten, dass in diesem Jahr 600'000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, im kommenden weitere 440'000. Die Arbeitslosenquote werde bis Ende 2018 auf 5,1 Prozent sinken, das wären 0,7 Prozentpunkte weniger als Ende 2016. Ein Grund sei, dass Arbeitgeber nicht mehr so viel Auswahl hätten, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Zudem seien die Lohnkosten im Verhältnis zur Produktivität nicht besonders stark gestiegen. Trotz Risiken blicken Ökonomen mit mehr Optimismus auf die deutsche Konjunktur. Das DIW hob seine Schätzung für das Wachstum des Bruttoinlandproduktes in diesem Jahr von 1,2 auf 1,4 Prozent an, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) von 1,2 auf 1,3 Prozent.

STREIT BEIGELEGT: (Frankfurt) Die Passagiere der Lufthansa können aufatmen. Nach einer grundsätzlichen Einigung des Unternehmens mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sind Streiks der Flugzeugführer vom Tisch. Die Parteien haben sämtliche tarifpolitischen Streitpunkte in dem Konflikt beigelegt, der bislang zu 14 Pilotenstreiks geführt hatte. Die Vereinbarungen unter anderem zu Gehältern und Betriebsrenten sollen bis Juni 2022 gelten, teilte Lufthansa in Frankfurt mit. Dabei akzeptieren die Piloten unter anderem die Umstellung der Betriebsrenten auf Festbeiträge. Lufthansa garantiert den rund 5400 Konzernpiloten, dass zu diesen Bedingungen bis Mitte 2022 mindestens 325 Jets betrieben werden.

BANKENFUSION: (Madrid) Spanien will die krisengeplagten Geldhäuser Bankia und Banco Mare Nostrum (BMN) fusionieren, um so möglichst viel des eingesetzten Steuergeldes zurückzubekommen. Der Rettungsfonds des Landes für die Finanzbranche wies die beiden Institute an, einen Zusammenschluss anzugehen. Dies sei für den Steuerzahler die beste Option, hiess es unter Berufung auf externe Analysen. Eine Fusion werde der öffentlichen Hand gut 400 Millionen Euro mehr bringen als ein getrennter Verkauf der Banken. Die Regierung in Madrid hält jeweils knapp zwei Drittel der Anteile an Bankia und BMN.

BOOMENDE EXPORTE: (Wien) Die österreichischen Winzer verkaufen immer teurere Flaschen ins Ausland. Die Exporterlöse zeigen trotz einiger schwacher Weinernten nun seit Jahren nach oben. Österreichs Weinexporte erhöhten sich 2016 im Vergleich zum Jahr davor um 3 Prozent auf 148 Millionen Euro. Die geringeren Erlöse mit Fasswein wurden durch ein kräftiges Plus bei Flaschenweinen überkompensiert. Hauptverantwortlich für das Exportplus waren Märkte ausserhalb der Europäischen Union: Die Schweiz inklusive Liechtenstein, die USA, Norwegen, Kanada, Hongkong und Australien verzeichneten das grösste Absatzplus, wie die Österreich Wein Marketing (ÖWM) mitteilte.

WEITERER STREIT BEIGELEGT: (New York) Die Deutsche Bank hat einen weiteren Rechtsstreit in den USA beigelegt. Das Institut stimmte gemeinsam mit der US-Bank Wells Fargo und der Royal Bank of Scotland einem 165 Millionen Dollar schweren Vergleich um US-Hypothekenpapiere zu, wie bekannt wurde. Investoren hatten den Banken vorgeworfen, sie getäuscht zu haben in dem Glauben, dass die Hypothekenkredite, die den Verbriefungen (MBS) zugrunde lagen, von ihnen ordentlich geprüft und garantiert und damit sicher seien. Die Papiere im Volumen von rund 7,55 Milliarden Dollar waren von der inzwischen bankrotten US-Hypothekenbank NovaStar Mortgage vor der Finanzkrise ausgegeben worden. Diese "Subprime-Kredite" waren ein Auslöser der Finanzkrise, weil Tausende Immobilienbesitzer sie nicht mehr bedienen und tilgen konnten.

HÖCHSTSTAND: (Istanbul) Die Arbeitslosenquote in der Türkei ist auf den höchsten Stand seit fast sieben Jahren geklettert. Wie aus den vorgelegten Zahlen hervorging, stieg die Rate von November bis Januar auf 12,7 Prozent, nach 10,5 Prozent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Unter den Jugendlichen war der Prozentsatz fast doppelt so hoch. Etwa jeder vierte im Alter von 15 bis 24 Jahren hatte keinen Arbeitsplatz. Abhilfe soll eine im Februar von Präsident Recep Tayyip Erdogan gestartete Initiative für mehr Beschäftigung im Privatsektor bringen.

STEIGENDE PREISE: (Washington) Vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung in den USA zieht die Inflation weiter an. Die Konsumentenpreise kletterten im Februar zum Vorjahr durchschnittlich um 2,7 Prozent, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Dies ist der höchste Anstieg seit März 2012. Experten hatten exakt damit gerechnet. Im Januar lag die Rate noch bei 2,5 Prozent. Notenbank-Chefin Janet Yellen hat bereits eine Zinserhöhung signalisiert. Als Bedingung dafür nannte sie neben Fortschritten auf dem Arbeitsmarkt auch eine anziehende Inflation. Die Notenbank Fed strebt eine Jahresteuerung von zwei Prozent an. Die Währungshüter achten bei der Inflation besonders auf die Preisveränderungen bei persönlichen Ausgaben der Konsumenten (PCE): Dabei werden Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert. Dieser Wert lag zuletzt mit 1,7 Prozent noch unter der Fed-Zielmarke.

GESUNKENES UMSATZPLUS: (Washington) Die US-Detailhändler haben im Februar das geringste Umsatzwachstum seit August wegstecken müssen. Die Einnahmen stiegen um 0,1 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Ökonomen hatten mit genau diesem Wert gerechnet. Die Konsumenten hielten sich vor allem beim Kauf von Autos und anderen Fahrzeugen zurück. Hier verbuchte der Handel 0,1 Prozent weniger Erlöse. Im Januar waren die gesamten Umsätze noch um revidiert 0,6 Prozent gestiegen. Die Konsumenten sind mit ihren Käufen der Eckpfeiler der Wirtschaft, wobei der Detailhandel etwa 30 Prozent des privaten Konsums ausmacht.

WENIGER UMWELTAUFLAGEN: (Washington) US-Präsident Donald Trump will Auflagen für Benzinverbrauch und Emissionen neuer Fahrzeuge ausser Kraft setzen. Die unter Vorgänger Barack Obama von der Umweltbehörde EPA festgesetzten Standards für Modelle der Jahre 2022 bis 2025 sollten suspendiert und überprüft werden, sagte ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter in Washington. Trump wollte die Aufhebung der Regularien den Angaben zufolge noch im Verlauf des Tages bei einem Besuch in Detroit, dem Zentrum der US-Automobilindustrie, bekanntgeben. Die Automobilbranche hatte sich im Februar in Briefen an den neuen EPA-Chef Scott Pruitt massiv über die Auflagen beschwert und ins Feld geführt, diese würden zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Die Auflagen waren als Massnahme im Kampf gegen den Klimawandel festgesetzt worden.

(AWP)