Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 8. Dezember 2016
08.12.2016 17:32

EXPANSIVE GELDPOLITIK: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erwartungsgemäss die Leitzinsen nicht angetastet. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Währungshüter in Frankfurt mit. Auch die Strafzinsen für Banken, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei der Notenbank horten, belässt die EZB auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Die Notenbank verlängert den milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren bis Ende Dezember 2017. Sie will allerdings ab April monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen.

STEIGENDE ZUVERSICHT: Der Dachverband Economiesuisse geht von einem positiveren Konjunkturverlauf für die Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr aus. Aufgrund der stärkeren Dynamik der Weltwirtschaft erwarten die Experten steigende Exporte, was gut für den hiesigen Wirtschaftsstandort ist. So soll sich die Lage in der Uhren- und Textilindustrie nach zwei schwierigen Jahren wieder bessern. Auch Branchen wie die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie dürften 2017 auf den Wachstumspfad zurückfinden. Obendrein erwartet Economiesuisse, dass es beim chemisch-pharmazeutischen Sektor und in der Hotellerie ebenfalls weiter aufwärts geht. Trotzdem belässt der Wirtschaftsdachverband seine Prognose für das reale Wachstum des Bruttoinlandprodukts BIP bei 1,7 Prozent, da es zahlreiche Abwärtsrisiken gebe.

MILLIARDENDEAL: Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore und das Emirat Katar machen Russlands Präsident Wladimir Putin ein milliardenschweres Weihnachtsgeschenk. Glencore und der katarische Staatsfonds wollen sich mit 19,5 Prozent am staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft beteiligen. Dies spült 10,2 Milliarden Euro in die klamme russische Staatskasse. Glencore will sich mit einem Kapitalanteil von 300 Millionen Euro an dem Deal beteiligen. Damit hält der Zuger Rohstoffkonzern indirekt 0,54 Prozent an Rosneft. Hinzu kommen noch Bankkredite. Wie viel Glencore total investiert, war nicht in Erfahrung zu bringen. Laut russischen Medien halten Glencore und Katar je die Hälfte des Rosneft-Pakets. Der Deal verstösst nicht gegen die Sanktionen, welche die USA und der EU gegen Russland nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahre 2014 verhängt hatten.

VIELE RÜCKSENDUNGEN: Kleider und Schuhe im Internet bestellen - das ist bequem und erfreut sich zunehmender Beliebtheit, auch weil die Ware meist kostenlos wieder zurückgeschickt werden kann. Eine Auswertung der Zollverwaltung gibt nun Aufschluss über das Volumen der Rücksendungen. Bei den Kleidern machten diese Retouren von Januar bis Oktober mehr als die Hälfte der Exportsumme aus, bei den Schuhen mehr als ein Drittel. Die meisten der retournierten Waren gehen gemäss der Zollverwaltung nach Deutschland. Dies dürfte vor allem an der grossen Beliebtheit des deutschen Onlinehändlers Zalando liegen. Die Schweiz gehört zu einem der am stärksten entwickelten Märkte des Unternehmens.

STELLENABBAU: Die Vermögensverwalterin EFG International baut nach der Übernahme der Tessiner Privatbank BSI bis zu 450 Stellen ab. Der Abbau erfolgt 2017 bis 2019 in jährlichen Schritten von 100 bis 150 Jobs. Zwei Drittel der Stellen werden in der Schweiz abgebaut. Damit hat EFG zum ersten Mal beziffert, welchen Effekt die BSI-Übernahme auf die Anzahl Arbeitsstellen haben wird. Dabei nicht mit eingerechnet sind Stellen, die durch den Verkauf einzelner BSI-Geschäfte wegfallen. Der Abbau in der Schweiz betrifft alle drei Standorte. EFG wird jedoch auch nach dem Abbau in Zürich, Lugano und Genf präsent bleiben. Mit der Bezifferung des Stellenabbaus erhöht die Vermögensverwalterin auch die Synergieeffekte der Übernahme von 185 auf 240 Millionen Franken, die bis 2019 erreicht sein sollen.

SCHLIESSUNG: Die Genfer Privatbank Edmond de Rothschild will ihr Geschäft in Hongkong schliessen. Stattdessen will das Institut auf Partnerschaften mit regionalen Marktführern setzen. Der Entscheid reflektiere auch die Strategie, den internationalen Kunden Asset Management- und Privatbanken-Dienstleistungen vom europäischen Markt aus anzubieten, teilte die Bank mit. Edmond de Rothschild bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Diese begründet den geplanten Rückzug der Genfer Privatbank aus Hongkong unter Berufung auf informierte Personen mit dem steigenden Kostendruck.

MOBILE ZAHLUNGSLÖSUNG: Aus Herbst wird der nächste Frühling. Dann kommt die von den grössten Schweizer Banken und dem Finanzdienstleister SIX entwickelte mobile Zahllösung Twint-App auf den Markt. Damit können Kunden künftig bei Coop, Migros oder bei der Swisscom mit dem Handy bezahlen. Twint sei vom hohen Interesse der Banken und der Händler überrascht gewesen und musste die Einführung aufgrund des höheren Integrationsaufwandes nochmals verschieben. Dies sagte das Unternehmen im Rahmen eines Werkstattgesprächs. Damit sich die neue mobile Zahllösung neben den internationalen Bezahl-Apps wie Apple Pay als Schweizer Standard durchsetzt, setzt Twint besonders auf Mehrwerte. So sollen neben den Zahlungsfunktionen zum Beispiel Rabatte automatisch abgerechnet oder Kunden-, Stempel- oder Studentenkarten in der App hinterlegt werden.

REKORDGEWINN: Die internationale Luftfahrtindustrie fliegt 2016 einen Rekordgewinn ein. Unter dem Strich bleiben den Airlines 35,6 Milliarden Dollar, wie der internationale Branchenverband IATA meldete. Damit ist der Gewinn 2016 leicht tiefer ausgefallen als prognostiziert, jedoch höher als die 35,3 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Unterschied zur Prognose ist im geringeren Wachstum der Weltwirtschaft und im 2 Prozent höheren Treibstoffpreis begründet. 2017 dürfte der Gewinn allerdings auf 29,8 Milliarden Dollar zurückgehen.

VERFAHREN ERÖFFNET: Wegen mutmasslicher Versäumnisse im Abgas-Skandal geht die EU-Kommission gegen Deutschland, Tschechien, Litauen, Griechenland, Luxemburg, Spanien und Grossbritannien vor. Die Kommission leitete gegen die genannten Länder ein Verfahren wegen vermuteter Verletzung europäischen Rechts ein, wie sie mitteilte Die Brüsseler Behörde wirft den Regierungen unter anderem vor, Volkswagen nicht für die Manipulation von Schadstoffwerten bei Dieselautos bestraft zu haben. Im Fall Deutschlands und Grossbritanniens sieht die EU-Kommission noch einen weiteren Gesetzesverstoss: Beide Länder hätten der Behörde auch in ihren nationalen Untersuchungsberichten nicht sämtliche bekannten Informationen zur Verfügung gestellt.

ABGAS-MANIPULATIONEN: Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) untersucht nun auch bei der VW -Tochter Porsche mögliche Manipulationen von Verbrauchsangaben. "Das KBA prüft gegenüber Porsche den Sachverhalt bezüglich der sogenannten Lenkradkennung", erklärte ein Sprecher der Flensburger Zulassungsbehörde. Porsche sagte lediglich, dass die Fahrzeuge die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Verbrauchsangaben und Abgasemissionen erfüllten. Als erste hatte die "Wirtschaftswoche" über die Untersuchungen berichtet.

HACKER-ANGRIFF: Hacker haben gezielt den deutschen Industriekonzern Thyssenkrupp angegriffen. Der bereits im Frühjahr entdeckte Angriff konnte nach einer mehrmonatigen Abwehrschlacht beendet werden. Nach Einschätzung des Unternehmens waren Spezialisten aus Südostasien am Werk. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Wirtschaftswoche". Über das Ausmass der Schäden war zunächst nichts Näheres bekannt. Mit "einigen Datensätzen" sei es den Hackern allerdings gelungen, Informationen aus dem Konzern abzugreifen. In der auf den Bau von Grossanlagen spezialisierten Thyssenkrupp-Sparte Industrial Solutions waren demnach mehrere Standorte in Europa, Indien, Argentinien und den USA betroffen.

GEWINN TROTZ FLAUTE: Der lukrative Verkauf seiner Tochter Hotelbeds hat dem weltgrössten Reisekonzern Tui im Jahr der Türkei-Krise einen kräftigen Gewinnsprung verschafft. Unter dem Strich schlug im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Gewinn von 1,04 Milliarden Euro und damit gut dreimal so viel wie ein Jahr zuvor zu Buche, wie Tui mitteilte. Aber auch das Tagesgeschäft warf trotz des Buchungseinbruchs bei Türkei-Reisen und des Wirbels nach dem Brexit-Votum mehr ab. Zwar musste Tui im fortgeführten Geschäft infolge des Einbruchs des britischen Pfunds einen Umsatzrückgang um zwei Prozent auf 17,2 Milliarden Euro hinnehmen. Der bereinigte operative Gewinn stieg dennoch um fünf Prozent auf eine Milliarde Euro. Ohne Wechselkursschwankungen hätte das operative Gewinnplus 14,5 Prozent betragen.

BITTE UM AUFSCHUB: Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi hat die Europäische Zentralbank (EZB) um einen Aufschub für ihren Rettungsplan gebeten. Das Geldhaus strebe nun als Frist den 20. Januar an, teilte die Traditionsbank mit. Hintergrund sei die Unsicherheit darüber, wie es nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum und der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Renzi mit der neuen Regierung weitergeht, verlautete aus Kreisen. Das Institut, das zuletzt regelmässig durch die europaweiten Banken-Stresstests fiel, ächzt unter einem Berg fauler Kredite und braucht dringend frisches Eigenkapital. Der ursprüngliche Plan sah vor, bis Monatsende über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Euro am Markt einzusammeln. Doch die Suche nach neuen Ankerinvestoren gestaltet sich schwieriger als gedacht.

STEUERTRICKS: Inditex, der Mutterkonzern des Modelabels Zara, soll mit Tricks zwischen 2011 und 2014 mindestens 585 Millionen Euro an Steuern gespart haben. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die die Grünen im Europaparlament vorstellten. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass das Unternehmen Schlupflöcher ausgenutzt und aus Ungleichheiten in nationalen Steuersystemen Kapital geschlagen habe. Inditex habe grosse Gewinne in Ländern mit niedrigen Steuern wie Irland, der Schweiz und den Niederlanden versteuert und nicht dort, wo sie in den Modegeschäften erzielt wurden.

GESUNKENE ARBEITSLOSIGKEIT: Die Arbeitslosigkeit in Griechenland ist im September auf den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren gefallen. 1,11 Millionen Frauen und Männer hatten keinen Job, wie das Statistikamt in Athen mitteilte. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 23,1 Prozent, nachdem es im Vormonat 23,3 Prozent waren. Sie ist seit dem Höchststand im September 2013 von 27,9 Prozent merklich gefallen, bleibt allerdings die mit Abstand höchste Quote in der Euro-Zone. Dort liegt die Arbeitslosenquote bei durchschnittlich rund zehn Prozent. Die griechische Wirtschaft wuchs im Sommerquartal um 0,8 Prozent.

MEHR AUTOS GEKAUFT: Erstmals seit fast zwei Jahren hat der kriselnde russische Automarkt wieder leicht zugelegt. Der Absatz sei im November um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte die Vereinigung Europäischer Unternehmer (AEB) mit. Demnach wurden mehr als 132'000 Fahrzeuge verkauft. Zuletzt hatte es im Dezember 2014 ein Plus gegeben. Für den Zeitraum Januar bis November stehen die Zeichen in Russland aber noch immer auf Krise.

ÜBERRASCHENDES PLUS: Der chinesische Aussenhandel hat sich im November überraschend gut entwickelt. Die Exporte legten nach US-Dollar berechnet erstmals seit neun Monaten wieder leicht zu. Das Plus im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug zwar nur 0,1 Prozent. Ökonomen hatten dagegen mit einem Rückgang von 5,0 Prozent gerechnet, nachdem es schon im Oktober einen Einbruch von 7,3 Prozent gegeben hatte. Auch die Importe wuchsen im November überraschend. Sie stiegen um 6,7 Prozent, während die Fachleute einen Rückgang von 1,3 Prozent erwartet hatten. Die Entwicklung deutet nach Einschätzung von Beobachtern auf eine Erholung der globalen und heimischen Nachfrage hin.

OFFENERES CHINA: Die Führung in Peking erwägt, die Beschränkungen für ausländische Investitionen in China zumindest in einigen Branchen zu lockern. Denkbar sei dies unter anderem in den Bereichen Autoelektronik und Eisenbahnausrüstung sowie bei Vergnügungsparks und Golfplätzen, hiess es in einem Rundschreiben der Wirtschaftsplanungsbehörde NDRC. Auf solche Schreiben folgt für gewöhnliche eine Änderung der politischen Leitlinien. Als weitere Branchen, für die Auflagen gelockert werden könnten, nannte die NDRC die Agrar- und Chemieproduktion, den Bergbau und die Herstellung von Motorrädern.

(AWP)