Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 12. Dezember 2016
12.12.2016 17:22

KAUFGELÜSTE BEI LONZA: Der Basler Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza wirbt um das US-Unternehmen Capsugel. Lonza bestätigte Medienberichte, wonach Lonza an dem Arzneikapselhersteller interessiert sei. Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist ein Kaufpreis von über 5 Milliarden Dollar im Gespräch - damit könnte dies der grösste Zukauf in der Unternehmensgeschichte werden. Lonza habe eine starkes Interesse an diesem erfolgreichen Unternehmen bekundet, schreibt der Basler Pharmazulieferer in einer Mitteilung. Das Unternehmen betonte aber, das Ergebnis der Diskussionen sei offen.

KAUFLAUNE VOR WEIHNACHTEN: Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft zeigen sich die Konsumenten in der Schweiz wieder ausgabefreudiger. Das Marktforschungsinstitut Nielsen meldet einen starken Anstieg der Konsumentenstimmung nach mehr als einem Jahr Durststrecke. Der entsprechende Index zum Konsumentenvertrauen für die kommenden zwölf Monate legte im dritten Quartal um sechs Punkte zu, wie Nielsen mitteilte. Die Höhe des Anstiegs sei auffallend: Üblicherweise bewege sich der Index nur um drei Punkte. Es seien gute Aussichten für ein starkes Weihnachtsgeschäft, liess sich Nielsen-Schweiz-Chefin Judith Kuiper in der Mitteilung zitieren.

MEHR WOHNUNGEN INSERIERT: Im Sommerhalbjahr sind in der Schweiz deutlich mehr Wohnungen online ausgeschrieben worden. Zwischen April und Ende September wurden rund 190'000 Wohnungen auf Internetplattformen angeboten - 12 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine Wohnung war durchschnittlich 33 Tage lang ausgeschrieben, nach 28 Tagen in der Vorperiode, wie der Schweizerische Verband der Immobilienwirtschaft SVIT mitteilte. SVIT erhebt gemeinsam mit der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich halbjährlich den Online-Wohnungsindex OWI, der auf allen Mietwohnungen beruht, die auf Schweizer Internetplattformen angeboten werden. Länger ausgeschrieben waren allerdings vor allem teurere Wohnungen.

SNB-GELDPOLITIK: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird am Donnerstag den Reigen der geldpolitischen Entscheide der Zentralbanken schliessen. Die SNB blickt dabei vor allem nach Frankfurt und weniger nach Washington. Sie dürfte zuwarten und die Zinsen in der Schweiz im negativen Bereich behalten. Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed am Mittwoch mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung beschliessen wird. Eine restriktivere Geldpolitik des Fed hat aber nur einen beschränkten Einfluss auf die SNB. Für die SNB von grösserer Bedeutung ist die negative Zinsdifferenz zum Euroraum. Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen unverändert belassen. Die EZB setzt aber ihre expansive Politik fort. Analysten gehen davon aus, dass es für die SNB einen Freiraum für regelmässige Zinserhöhungen erst geben wird, wenn die EZB ihre Leitzinsen erhöht.

ZURICH KAUFT ZU: Der Versicherer Zurich Insurance baut das Reiseversicherungsgeschäft in Australien aus. Für umgerechnet 561 Millionen Franken will der Konzern den grössten australischen Reiseversicherungsanbieter Cover-More kaufen. Zurich bietet den Australiern je Aktie 1,95 australische Dollar (1,47 Franken). Das entspricht einem Aufschlag von 48 Prozent auf den Schlusskurs des Papiers vom Freitag. Die Übernahme von Cover-More ist allerdings noch nicht unter Dach und Fach. Die Aktionäre müssen dem Vorhaben zustimmen. Laut Mitteilung hat der Verwaltungsrat von Cover-More den Aktionären empfohlen, das Angebot anzunehmen. Es ist jedoch für die Australier nicht ausgeschlossen, dass noch weitere, rivalisierende Angebote unterbreitet werden könnten. Ausserdem steht noch die Zustimmung der zuständigen Behörden aus. Die geplante Übernahme ist für Zurich nach eigenen Angaben ein wichtiger Schritt um das bestehende Portfolio im Reiseversicherungsbereich auszubauen und weltweit dort in die Top-3 aufzusteigen.

VÖGELE VOR ÜBERNAHME: Die Tage von Charles Vögele an der Börse sind gezählt. Sempione Retail hält nach Ablauf der Nachfrist gemäss definitivem Ergebnis 95,2 Prozent der Charles-Vögele-Aktien. Am Freitag soll das Angebot vollzogen werden. Danach will Sempione den Bekleidungskonzern von der Börse nehmen. Auch die Marke Charles Vögele wird nach der Übernahme verschwinden. Sempione, die zu 35 Prozent im Besitz des italienischen Modekonzerns OVS ist, hatte das Übernahmeangebot im September vorgelegt. Die Italiener boten 6,38 Franken pro Wertpapier - das entspricht einem Unternehmenswert von rund 56 Millionen Franken.

KAUF VON PLANUNGSBÜRO: Die schwedische AF Gruppe übernimmt ab 2017 das Schweizer Ingenieurs- und Planungsunternehmen Edy Toscano. Mit der Übernahme will AF in der Schweiz in die Top Drei dieser Branche vorstossen und einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Franken erzielen. Die 60 Aktionäre von Edy Toscano aus der Gründerfamilie und dem Mitarbeiterkreis hätten eine Kaufofferte der AF Gruppe angenommen, teilte das Unternehmen mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die schwedische Käuferin übernimmt alle Standorte und Mitarbeitende. Edy Toscano beschäftigt heute 370 Mitarbeitende an 20 Standorten in der Schweiz und drei Standorten in Deutschland.

KONKURRENZ FÜR TAMIFLU: In den USA ist erstmals eine Nachahmerversion des Roche-Grippemittels Tamiflu auf den Markt gekommen. Der Hersteller Alvogen schätzt, dass das US-Gesundheitssystem dank des günstigeren Generikums in der bevorstehenden Grippesaison bis zu 500 Millionen Dollar sparen kann. Die Tamiflu-Verkäufe schwanken abhängig vom Verlauf einer Grippesaison stark: Im Vorjahr erzielte Roche mit dem Medikament 705 Millionen Franken Umsatz. Breite Bekanntheit erlangt Tamiflu im Zusammenhang mit der Vogel- und Schweinegrippe vor einigen Jahren. Weltweit deckten sich damals Regierungen massenhaft mit der Arznei ein.

AKTIENRÜCKKAUF: Die Baloise stockt das im Oktober angekündigte Aktienrückkaufprogramm auf. Damit wirke man einer Verwässerung der Erträge pro Aktie entgegen, die aufgrund einer im November 2016 fällig gewordenen Wandelanleihe entstehe, teilte der Versicherer mit. Die Wandelanleihe mit Fälligkeit vom 17. November 2016 sei mit einer Quote von rund einem Drittel gewandelt und im Übrigen zurückbezahlt worden. Die Rückzahlung habe man durch die Veräusserung von für die Wandelanleihe reservierten und frei gewordenen Aktien im Markt finanziert. Im Zusammenhang mit der Wandelanleihe würden dem Markt rund 1,8 Millionen Aktien zugeführt. Dies führe zu einer Erhöhung der sich im Umlauf befindenden Aktien und verwässert die Erträge je Aktie. Diese Verwässerung kaufe die Baloise nun wieder zurück.

ERNENNUNGEN: Der Versicherungskonzern Helvetia gibt personelle Konsequenzen der ab Januar 2017 geltenden neuen Führungsstruktur bekannt: Zur Konzernleitung stossen neu dazu Adrian Kollegger als Leiter Nicht-Leben Schweiz und Achim Baumstark als Chief Technology Officer. Ausserdem soll Ivo Furrer an der Generalversammlung vom 28. April zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen werden, wie Helvetia am Montag mitteilte. Der 42-jährige Kollegger war seit seinem Berufseinstieg im Jahr 2001 für die Zurich Insurance Group tätig. Von 2010 bis 2017 war er Geschäftsleitungsmitglied der Zurich Schweiz. Achim Baumstark ist 52-jährig. Er wechselt von der Helsana, wo er seit 2013 Chief Information Officer und Mitglied der Geschäftsleitung war, zur Helvetia. Der künftige Helvetia-Verwaltungsrat Furrer war die letzten acht Jahre CEO Schweiz und Mitglied der Konzernleitung von Swiss Life..

NEUER GROUPE-MUTUEL-CFO: Der Krankenversicherer Groupe Mutuel hat den 45-jährigen Florian Raemy zum neuen Finanzchef ernannt. Raemy tritt die Nachfolge von Samuel Marchetti an, der im vergangenen Frühling plötzlich verstorben ist. Raemy sei Finanzspezialist und habe mehrere Führungspositionen in verschiedenen Bereichen innegehabt, teilte Groupe Mutuel mit. Unter anderem arbeitete er für die UBS, IBM und für die Vermögensverwaltung der Bank Pictet, wo er zuletzt als Finanzchef tätig war. Raemy soll die Stelle am 1. Juni 2017 antreten.

LAGARDE VOR GERICHT: IWF-Chefin Christine Lagarde sitzt wegen einer umstrittenen Millionenzahlung aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin auf der Anklagebank. "Ich habe nicht die Absicht, zu schweigen", sagte Lagarde zum Auftakt des Prozesses. Der 60-Jährigen wird Fahrlässigkeit im Amt vorgeworfen, sie soll durch nachlässiges Handeln die Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht haben. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu ein Jahr Haft und 15'000 Euro Strafe. Sie würde auch die Frage aufwerfen, ob sie an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) bleiben kann. Lagardes Anwalt Patrick Maisonneuve beantragte allerdings, den Prozess auszusetzen.

VERKAUFT: Die italienische Grossbank UniCredit verkauft ihren Vermögensverwalter Pioneer Investment für 3,5 Milliarden Euro an Amundi aus Frankreich. Der Verkauf solle in der ersten Jahreshälfte 2017 abgeschlossen werden, teilte UniCredit mit. Vor einer Woche hatte Unicredit mitgeteilt, exklusiv mit Europas grösstem Vermögensverwalter Amundi zu verhandeln. Italiens führende Bank versucht seit längerem, ihre Kapitaldecke durch den Verkauf von Beteiligungen zu stärken. Zudem wird erwartet, dass das Geldhaus am Dienstag eine Kapitalerhöhung von bis zu 13 Milliarden Euro ankündigen wird. Pioneer ist mit einem verwalteten Vermögen von 225 Milliarden Euro die Nummer sechs in Europa und die Nummer drei in Italien.

HÖHERE VERKÄUFE: BMW hat den Absatz im November gesteigert. Im vergangenen Monat rollten 177'740 Autos der Marke BMW zu den Kunden, plus 5,9 Prozent, wie die Münchner. Seit Jahresbeginn schlug BMW weltweit 1,82 Millionen Fahrzeuge los. Doch Konkurrent Daimler hat weiter die Nase vorn. Die Marke Mercedes-Benz verkaufte in den ersten elf Monaten 1,89 Millionen Fahrzeuge, plus 11,8 Prozent. Bezieht man allerdings die Kleinwagenmarken ein, lag BMW vorne. Bis November lieferte die BMW Group einschliesslich Mini weltweit 2,15 Millionen Autos aus, Mercedes kam zusammen mit Smart auf 2,02 Millionen Fahrzeuge.

NACHFRAGE VERLANGSAMT: Der weltweite Bedarf an Kohle wächst wohl auch in den kommenden fünf Jahren weiter, allerdings nicht mehr so stark wie bisher. Die Nachfrage werde bis 2021 auf rund 5,6 Milliarden Tonnen steigen, schätzte die Internationale Energieagentur (IEA). Das entspreche einem jährlichen Zuwachs von 0,6 Prozent nach durchschnittlich plus 2,5 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Grund für das gebremste Wachstum sei neben einer stärkeren Verbreitung erneuerbarer Energien vor allem ein rückläufiger Verbrauch in China. Am stärksten wachse die Nachfrage noch in Indien mit einem jährlichen Plus bis 2021 von fünf Prozent.

GESTIEGENER PREIS: Die Einigung der Opec- und Nicht-Opec-Länder auf eine Drosselung der Ölförderung hat den Ölpreis am Montag kräftig in die Höhe getrieben. Das Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostete am Morgen mit 57,89 Dollar knapp fünf Prozent mehr als am Freitag. Damit war Öl so teuer wie seit Juli 2015 nicht mehr. Die Nicht-Opec-Länder hatten bei einem Treffen am Samstag in Wien Zusagen zur Drosselung ihrer Produktion gegeben. Das soll gemeinsam mit der schon beschlossenen Kürzung bei der Opec zum Rückgang der weltweiten Ölförderung von rund zwei Prozent führen. Es ist die erste Absprache zwischen Opec und Nicht-Opec seit 2001.

CHINA RUFT WTO AN: China ruft im Streit über die Anti-Dumping-Politik der Europäischen Union (EU) und der USA die Welthandelsorganisation WTO an. Die Pekinger Regierung warf der Ländergemeinschaft und den Vereinigten Staaten vor, China entgegen früherer Abmachungen noch nicht wie vereinbart als Marktwirtschaft anerkannt zu haben. Damit reagierte die Volksrepublik prompt auf eine am Sonntag abgelaufene Frist, die bei Chinas WTO-Beitritt vor 15 Jahren gesetzt wurde. Bis zu diesem Termin hatte China eine Art Sonderstatus akzeptiert, der anderen Länder bestimmte Vorteile bei der Festlegung von Anti-Dumping-Zöllen einräumte.

TÜRKEI SCHRUMPFT: Die türkische Wirtschaft ist erstmals seit 2009 geschrumpft. Im dritten Quartal dieses Jahres fiel das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 1,8 Prozent niedriger aus als im Vorjahresquartal, wie die nationale Statistikbehörde mitteilte. Es war das erste Mal seit 27 Quartalen, dass ein Minus verzeichnet wurde. Zuletzt war die Wirtschaft vor sieben Jahren geschrumpft, als das Land in die Rezession rutschte. Die BIP-Entwicklung im dritten Quartal ist das bislang deutlichste Zeichen, dass die schwierige politische Lage im Land sich auf die Konsumentenstimmung niederschlägt.

FED-GELDPOLITIK: Fed-Direktorin Janet Yellen hat sich bisher vom Wahlsieg Donald Trumps offenbar nicht beirren lassen - und auch beim am Mittwoch anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed wird sie sich wohl kaum vom Gepolter des künftigen Präsidenten beeindrucken lassen. Allgemein erwartet wird zwar, dass die Fed am Mittwoch ihre erste Leitzinserhöhung seit einem Jahr bekanntgibt. Doch Yellen und ihre Kollegen fassen diesen Schritt schon seit längerem im Auge. Sie hatten ihn nach eigenen Angaben zuletzt nur deshalb hinausgezögert, weil sie weitere Indikatoren für ein solides Wachstum der US-Wirtschaft abwarten wollten. Die Zinserhöhung dürfte auch überaus vorsichtig ausfallen. Analysten erwarten eine Anhebung um 0,25 Punkte auf 0,5 bis 0,75 Prozent.

(AWP)