Tagesüberblick Wirtschaft

Zürich (awp/sda) - Dienstag, 13. Dezember 2016
13.12.2016 18:04

GÜNSTIGERE LANDGEMEINDEN: Wer abseits der grossen Städte lebt, kann gemäss einer Studie der Credit Suisse über einen grösseren Teil seines Einkommens verfügen als Städterinnen und Städter. So ist das Leben in den Kantonen Uri und Glarus finanziell am attraktivsten. Am wenigsten Geld nach Abzug der fixen Kosten wie zum Beispiel der Mieten und Steuern dagegen bleibt den Bewohnern in den Kantonen Genf und Basel-Stadt. Bei den Gemeinden sind es vor allem die Städte und touristische Orte wie St. Moritz, Gstaad oder Zermatt, die finanziell wenig attraktive Wohnorte sind. Die grossen Unterschiede sind dabei vor allem das Resultat der Kombination von hohen Wohnkosten und hohen Steuern. Genf schneidet darum zum Beispiel deutlich schlechter als das ebenfalls sehr teure Zug ab.

UMBAU DER COOP-LÄDEN: Nach 16 Jahren verpasst Coop seinen Läden ein neues Erscheinungsbild. So wird die Präsentation von Brot, Käse, Fleisch, Gemüse und Früchten neu gestaltet. Zudem sind die Kühlschränke weniger hoch, was für kleine Menschen wichtig ist. Die Beschriftung erfolgt im lokalen Dialekt, in der Westschweiz auf Französisch. Insgesamt enthält ein Coop auch im neuen Ladenkleid gleich viele Produkte wie ein alter. Die Preisschilder an den Regalen sind neu elektronisch. Damit können die Preise in der ganzen Schweiz von der Coop-Zentrale in Basel per Knopfdruck geändert werden. Die Umetikettierung durch die Mitarbeiter im Laden entfällt. Weniger Personal braucht es trotz dieser Entlastung aber nicht. Im nächsten Jahr sollen bis zu 45 Läden renoviert werden. Insgesamt hat das Coop-Filialnetz 856 Läden.

ARBEITSMARKT: Die grosse Mehrheit der Schweizer Arbeitgeber rechnet weiterhin mit gleichbleibender Beschäftigung im kommenden Quartal. Aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der Unternehmenssteuerreform zeigten sich jedoch besonders Kleinunternehmer pessimistischer. Von den 750 befragten Schweizer Personalverantwortlichen erwarten 91 Prozent keine Veränderung ihrer Personalbestände für das 1. Quartal 2017. Dies geht aus dem Arbeitsmarktbarometer des Arbeitsvermittlers Manpower hervor. Die saisonbereinigte Netto-Arbeitsmarktprognose für das 1. Quartal 2017 hat sich gegenüber dem Vorquartal sowie gegenüber dem Vorjahresquartal jedoch um 3 Prozentpunkte verschlechtert. Von den restlichen knapp 10 Prozent rechnen nämlich erstmals seit zwei Jahren mehr Unternehmen mit Personalkürzungen als mit einer Aufstockung der Beschäftigten. Dies gilt vor allem für Kleinunternehmer.

STELLENVERMITTLUNG: Der Stellenvermittler Adecco und das Private Equity-Unternehmen GTCR legen ihre beiden Anbieter von Systemen für Beschaffungsmanagement Beeline und IQNavigator zusammen. Es entsteht so ein Unternehmen mit über 500 Beschäftigten in den USA, Grossbritannien, Singapur und den Philippinen. GTCR wird Mehrheitsaktionär der neuen Gesellschaft. Adecco wird einen Minderheitsanteil halten und erhält eine Entschädigung von 100 Millionen US-Dollar in bar sowie einen Wechsel über 30 Millionen Dollar. Zu weiteren finanziellen Einzelheiten würden keine Angaben gemacht, heisst es in der Adecco-Medienmitteilung. Mit dem Zusammenschluss der Adecco-Tochter Beeline und IQNavigator werde der grösste unabhängige Technologie-Anbieter für Lösungen für das Arbeitskräftemanagement geschaffen, heisst es in der Mitteilung weiter.

JAWORT VON MONSANTO: Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer hat bei der Rekordübernahme des umstrittenen US-Saatgutspezialisten Monsanto eine wichtige Hürde genommen. Die Monsanto-Aktionäre stimmten dem 66 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmegebot der Deutschen an einer ausserordentlichen Generalversammlung zu. Für den Abschluss des Mega-Deals fehlen aber noch die Genehmigungen durch die Behörden rund um den Globus. Mit einem Abschluss der Transaktion wird weiter Ende 2017 gerechnet. Es wäre die grösste Übernahme eines deutschen Konzerns im Ausland.

WEITERER STELLENABBAU: Die kriselnde italienische Grossbank Unicredit versucht mit Stellenstreichungen im grossen Stil und einer Kapitalerhöhung ein Rettungsmanöver. Bis 2019 sollen neben der bereits bekannten Streichung von tausenden von Arbeitsplätzen weitere 6500 Stellen wegfallen. Insgesamt sollen bis Ende 2019 rund 14'000 Stellen abgebaut werden, wie Unicredit am Dienstag mitteilte. Als wichtigster erster Schritt zur Sanierung soll die Ausgabe neuer Aktien 13 Milliarden Euro frisches Kapital bringen. Die Bank will zudem faule Kredite im Wert von fast 18 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkaufen. Ein Teil der Stellenstreichungen geht auf bereits bekannte Sparprogramme aus der Zeit vor dem Antritt des neuen Vorstandschefs Jean-Pierre Mustier im Sommer zurück. Ende September hatte die Unicredit rund 123'000 Vollzeitarbeitsplätze.

GESTIEGENE GEFAHR: Der Zahlungsdienstleister Swift warnt vor einer zunehmenden Gefahr von Hackerangriffen auf Banken. Nach dem spektakulären Cyber-Bankraub in Bangladesch, bei dem im Februar 81 Millionen Dollar erbeutet wurden, sei es Kriminellen gelungen, weiteres Geld zu stehlen, heisst es in einem Brief, den Swift an Kunden weltweit verschickte und der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Details, welche Banken betroffen sind und um wie viel Geld es geht, wurden nicht genannt. Etwa jeder fünfte Angriff sei erfolgreich gewesen, sagte Swift-Experte Stephen Gilderdale gegenüber Reuters.

DEUTSCHE TEUERUNG: Die Inflation in Deutschland legt weiter zu. Waren und Dienstleistungen kosteten im November durchschnittlich 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt nach endgültigen Berechnungen mitteilte. "Die Teuerung verweilt somit wie im Vormonat auf einem Zwei-Jahres-Hoch." Sie liegt aber weiter deutlich unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass die Teuerung im Zuge steigender Ölpreise bald weiter anzieht.

KEIN STREIK BEI DB: Die Kunden der Deutschen Bahn müssen keine Streiks über die Weihnachtstage befürchten: Der Konzern einigte sich am späten Montagabend mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf eine Lohnerhöhung von insgesamt 5,1 Prozent und eine Einmalzahlung. Die meisten Beschäftigten der Deutschen Bahn bekommen demnach bald mehr Geld. Für einen Teil der Erhöhung können die Beschäftigten zwischen mehr Geld und mehr Freizeit wählen. Arbeitsniederlegungen der EVG sind damit abgewendet, auch die Konkurrenzgewerkschaft GDL will an den Weihnachtstagen nicht streiken.

ASAHI KAUFT ZU: Der japanische Braukonzern Asahi kauft die osteuropäischen Biermarken des britischen Wettbewerbers SABMiller wie etwa Pilsner Urquell (Tschechien) und Tyskie (Polen). Die Japaner zahlen dafür 7,3 Milliarden Euro, wie der Weltmarktführer AB Inbev, der gerade SABMiller übernimmt, mitteilte. Mit dem Verkauf erfüllen AB Inbev und SABMiller eine Auflage der EU-Kommission. Im Gegenzug für die Genehmigung der 79 Milliarden britische Pfund (aktuell 101 Milliarden Franken) schweren Fusion der beiden Biergiganten hatten die Wettbewerbshüter gefordert, dass SABMiller nahezu sein gesamtes europäisches Biergeschäft abgibt. Auch Marken in der Slowakei, Ungarn und Rumänien gehören zu dem Paket.

GOOGLE-AUTO AUF EIS: Die Google-Mutter Alphabet will laut einem Medienbericht die Entwicklung des eigenen selbstfahrenden Autos ohne Lenkrad und Pedale vorerst nicht weiter vorantreiben. Stattdessen solle es verstärkt um Kooperationen mit Autoherstellern bei traditionelleren Fahrzeugen gehen, schrieb der Silicon-Valley-Branchendienst "The Information". Dadurch mache man sich Hoffnungen, bereits Ende 2017 einen kommerziellen Fahrdienst mit selbstfahrenden Autos an den Start zu bringen, hiess es unter Berufung auf informierte Personen.

VOR VERTRAGSABSCHLUSS: Die iranische Fluggesellschaft Iran Air wird einem Medienbericht zufolge in den kommenden zwei Wochen den Kauf von Airbus-Flugzeugen unter Dach und Fach bringen. Airbus habe die Finanzierung für 17 Flieger zugesagt, berichtete die Nachrichtenagentur Tansim. Nach dem Ende des Atomstreits und der damit verbundenen Sanktionen drückt der Iran bei der Modernisierung seiner veralteten Flugzeugflotte aufs Tempo. Airbus hatte im Januar den Grossauftrag über mehr als 100 Flugzeuge an Land gezogen. Iran Air orderte vor wenigen Tagen auch beim US-Konkurrenten Boeing 80 Verkehrsflugzeuge zum Listenpreis von rund 16,6 Milliarden Dollar.

SAS MUSS MEHR SPAREN: Die skandinavische Fluggesellschaft SAS rechnet wegen steigender Kerosinkosten mit einem geringeren Gewinn im ersten Quartal. Er werde von November bis Januar deutlich unter dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums zurückbleiben, erklärte das Unternehmen. Angesichts der schwierigen Umfelds will das Unternehmen nun seine Sparanstrengungen erhöhen. Zwischen 2017 und 2019 sollen statt der bislang geplanten 800 Millionen nun 1,5 Milliarden Schwedische Kronen (rund 166 Millionen Franken) eingespart werden.

MEHR ZEIT FÜR BANKEN: Die US-Notenbank Fed gewährt den Banken weitere fünf Jahre Zeit zur Umsetzung von Finanzmarktreformen. Die Fed gab die Bedingungen bekannt, zu denen die US-Banken einen entsprechenden Aufschub beantragen können. Dazu müssen sie unter anderem nachweisen, dass sie Fortschritte beim Ausstieg aus illiquiden Anlagen machen. Dies sei aber die letzte Verlängerung der Frist, erklärte die Fed. Sie hatte den Banken bereits drei Verlängerungen von jeweils einem Jahr eingeräumt.

CHINA LEGT ZU: Aus China kommen erneut unerwartet starke Konjunkturdaten: Die Industrieproduktion und die Detailhandelsumsätze legten im November deutlicher als erwartet zu. Die Fabriken produzierten 6,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie das Statistikamt mitteilte. Analysten hatten mit 6,1 Prozent gerechnet. Die Detailhandelsumsätze kletterten um 10,8 Prozent und damit so stark wie seit Ende 2015 nicht mehr. Analysten hatten hier mit 10,1 Prozent gerechnet. Die Zahlen unterstreichen den Trend, wonach sich die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt stabilisiert.

WENIGER SPAREN: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich gegen weitere Sparprogramme in Griechenland ausgesprochen. Er plädiert stattdessen für die Schaffung eines modernen Sozialsystems, das finanziert wird durch eine Neugestaltung des Steuer- und Rentensystems. Der Chef der Europa-Abteilung des IWF, Poul Thomsen, und Chefökonom Maury Obstfeld haben in einem jetzt veröffentlichten Artikel ausserdem den von der Eurozone geforderten Primärüberschuss in Griechenland von 3,5 Prozent im Jahr 2018 als falsch bezeichnet und erklärt, 1,5 Prozent wären ausreichend. Andernfalls würde die aufkeimende Erholung der Wirtschaft wieder abgebremst. Einige Staaten wie Deutschland fordern die 3,5 Prozent Primärüberschuss nicht nur für den Haushalt 2018, sondern auch für die folgenden zehn Jahre.

(AWP)