Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 21. Dezember 2016
21.12.2016 17:55

MANIPULATIONSSKANDALE: Wegen ihrer Betrügereien in der Finanzkrise werden mehrere Grossbanken auch in der Schweiz bestraft. Die Eidg. Wettbewerbskommission (Weko) hat eine beispiellose Serie von Bussen gegen die Geldhäuser verteilt. Darunter befindet sich auch die Credit Suisse. Dagegen kam die UBS ohne Strafe davon, weil sie in einem von mehreren Fällen das Kartell verpfiffen hatte. Insgesamt verteilten die Wettbewerbshüter Bussen in Höhe von 99,1 Millionen Franken, da sich die Grossbanken bei der Festlegung von Referenzzinssätzen und Zinsderivaten abgesprochen hatten. Durch die Tricksereien wurden andere Marktteilnehmer betrogen. Dies ist die höchste Busse, die die Weko je gegen Banken verhängt hat. Im internationalen Vergleich kommen die Schweizer Grossbanken aber glimpflich davon. Die CS muss lediglich eine Busse von 2 Millionen Franken bezahlen. Alleine die UBS war im Dezember 2012 von ausländischen Behörden wegen ihrer Rolle bei Libor-Manipulationen zu einer Busse von 1,5 Milliarden Dollar verdonnert worden.

NEUER WIND: Nach einem weiteren Milliardenverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr bricht die Axpo mit der Vergangenheit. Künftig sollen beim Energiekonzern nicht mehr die Politiker das Sagen haben, sondern Fachleute. Bereits in seinem ersten Amtsjahr als Verwaltungsratspräsident kündigte Thomas Sieber an einer Medienkonferenz in Zürich eine Umgestaltung des Konzerns an. Der Verwaltungsrat wird nicht nur von 13 auf 9 Mitglieder verkleinert sondern vor allem auch entpolitisiert. Ab der Generalversammlung 2018 sollen in diese Gremium keine Regierungsräte und auch keine Vertreter der kantonalen Elektrizitätswerke mehr sitzen, sondern nur noch Fachleute. Mit der Entpolitisierung des Strategiegremiums geht auch eine Umgestaltung des Konzerns einher. Er wird in zwei Unternehmenseinheiten aufgespalten. In einem werden die zukunftsfähigen und attraktiven Geschäfte zusammengefasst, im anderen die Problemfälle. Dazu gehören vor allem die Atomkraftwerke, die Energiebezugsverträge mit Frankreich und die weniger attraktiven Wasserkraftwerke.

MEHR GELD IM AUSLAND: Die Nettovermögen der Schweiz im Ausland haben sich im dritten Quartal um 3,1 Prozent auf rund 800 Milliarden Franken erhöht. Die Auslandsvermögen stiegen im dritten Quartal laut der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 40 Milliarden Franken beziehungsweise rund 1 Prozent auf die hohe Summe von 4381 Milliarden Franken. Zu diesem Anstieg trugen neben vermehrten Investitionen jenseits der Landesgrenzen auch Börsenkursgewinne bei Dividendenpapieren von 23 Milliarden Franken sowie der Anstieg der SNB-Währungsreserven bei. Der Bestand an Auslandspassiva erhöhte sich dagegen nur um 15 Milliarden Franken beziehungsweise 0,4 Prozent auf 3582 Milliarden Franken. Demnach nahmen von Juli bis September die Auslandsvermögen stärker zu als die Auslandsverbindlichkeiten, was unter dem Strich für die Schweiz eine Zunahme der Nettovermögen im Ausland um 25 Milliarden Franken bedeutet.

ANGESCHLAGENES VORSORGESYSTEM: Das Schweizer Vorsorgesystem bleibt angeschlagen. Sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal sei der UBS-Vorsorgeindex im negativen Bereich verharrt, was eine weitere Verschlechterung der Gesundheit des Vorsorgesystems anzeige, schreibt die Grossbank UBS Die negative Entwicklung im zweiten und dritten Quartal des laufenden Jahres hat gemäss der UBS hauptsächlich zwei Treiber: zum einen die sich beschleunigende Alterung der Gesellschaft und zum andern der abflauende Immobilienmarkt. Der demografische Wandel habe sich akzentuiert, heisst es dazu. Im Vergleich zum Vorjahr rechnet die Bank im dritten Quartal mit einer tieferen Nettoeinwanderung. Gleichzeitig hätten in der Schweiz mehr Erwerbstätige das Rentenalter erreicht, als junge Personen erstmals eine Arbeit aufnahmen. Den Immobilien, eine wichtige Anlagekategorie im Vorsorgegeschäft, mache das gedämpfte Preiswachstum zu schaffen.

SCHRITT VORWÄRTS: Der Schliesstechnikkonzern Dormakaba tätigt eine weitere Übernahme in Nordamerika und wird damit zum grossen Player in der Region. Stanley Black & Decker kauft Dormakaba Teile des Mechanical-Security-Geschäfts mit einem Umsatz von insgesamt knapp 280 Millionen Dollar ab. Der deutsch-schweizerische Konzern bezahlt dafür 725 Millionen Dollar. Finanziert wird die Transaktion vollständig durch Fremdkapital. "Das ist für uns ein wichtiger Meilenstein", sagte Konzernchef Riet Cadonau an einer Telefonkonferenz am Mittwoch. "Damit steigen wir zur Nummer Drei im nordamerikanischen Markt auf." Der Deal passt zur Unternehmensstrategie, mit der eine Geschäftsausweitung in Nordamerika angepeilt wird.

KAUF VON KRAFTWERKEN: Der Stadtwerkverbund Swisspower investiert in erneuerbare Energie. So kauft ihre Tochtergesellschaft Swisspower Renewables in Italien 27 Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke. Der Energiepark der Beteiligungsgesellschaft wächst damit um über einen Drittel. Die von Swisspower Renewables übernommenen 21 Wasserkraftwerke befinden sich alle in Norditalien, die drei Windfarmen und zwei der drei kleineren Photovoltaikanlagen in Süditalien, wie die Beteiligungsgesellschaft mitteilte. Die Übernahmen werden in diesen Tagen vollzogen. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagt Swisspower-Sprecher Eric Nussbaumer auf Anfrage. Die Verkäufer sind vier kleinere italienische Energieunternehmen.

270 FRANKEN FÜR SPIELWAREN-GESCHENKE: Für die diesjährige Weihnachtsbescherung wollen Schweizer im Schnitt 270 Franken für Spielwaren springen lassen. Dabei kaufen sie die Ware vorzugsweise im Laden und nicht online. Grund dafür ist nicht zuletzt der Trend hin zu immer kurzfristigeren Einkäufen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK kaufte mehr als die Hälfte der Haushalte die Spielwaren weiterhin im Laden und nicht im Online-Handel, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heisst. Der Anteil von Online am Jahresumsatz beträgt noch immer weniger als 10 Prozent. Die Einkäufe werden zudem immer kurzfristiger getätigt. Rund zwei Drittel der Befragten hat die Waren zwei Wochen vor Weihnachten noch nicht gekauft. Dieser Trend begünstigt die stationären Läden gegenüber dem Online-Handel. Konsumenten wollen nicht riskieren, dass Geschenke zu spät eintreffen. Allerdings informieren sie sich zunehmend online bevor sie in den Laden gehen.

NEUE AUFTRÄGE: Der Baukonzern Implenia hat in Norwegen zwei Aufträge im Gesamtwert von 546 Millionen NOK (rund 65 Millionen Franken) gewonnen. Bei den akquirierten Projekten handle es sich um komplexe Infrastrukturprojekte für die Norwegische Strassenbaubehörde (NPRA), teilte Implenia mit. In der Umgebung der Stadt Skien in der Provinz Telemark entstünden neue Strassen, Fuss- und Velowege sowie Betonbauwerke. Das Projekt umfasse eine 3,5 km lange dreispurige Strasse durch Waldgebiete und landwirtschaftliche Nutzflächen sowie die Sanierung von 1,6 km der bestehenden Strassen. Einen weiteren Auftrag hat Implenia bei Bjarkøy ausserhalb von Harstad gewonnen. Das Projekt umfasse den Bau von vier Brücken, welche die Inseln Grytøy und Sandsøy verbinden werden.

NEUER DIREKTOR: Gastrosuisse hat Daniel Borner zum neuen Direktor ernannt. Er tritt sein Amt per 9. Januar 2017 an, wie der Branchenverband am Mittwoch mitteilte. Borner folgt auf Remo Fehlmann, der Ende September in den privaten Sektor gewechselt war. Der 52-jährige Borner war in den vergangenen acht Jahren Direktor des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten. Gastrosuisse ist nach eigenen Angaben der grösste gastgewerbliche Arbeitgeberverband der Schweiz mit gegen 20'000 Mitgliederbetrieben.

BANKER VERURTEILT: In Singapur ist ein weiterer früherer BSI-Banker im Zusammenhang mit dem Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verurteilt worden. Ein Gericht befand den ehemaligen Kundenberater der Justizbehinderung bei einer Untersuchung von Geldwäscherei für schuldig. Dies berichteten verschiedene lokale Medien sowie Nachrichtenagenturen. Im laufenden Jahr sind bereits zwei ehemalige BSI-Angestellte im Zusammenhang mit dem 1MDB-Skandal von Singapurer Gerichten für schuldig befunden worden. Eine Bankerin war vergangene Woche zu einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen und einer Busse von 10'000 SGD (rund 7100 Franken) verurteilt worden. Ihr Vorgesetzter wurde im November zu einer Gefängnisstrafe von 18 Wochen verurteilt.

RETTUNGSRING FÜR BANKEN: Das italienische Parlament hat die Regierungspläne für neue Schulden angesichts der sich verschärfenden Bankenkrise gebilligt. Die Mehrheit der Senatoren und Abgeordneten nickte am Mittwoch den Vorschlag des Ministerrats ab, die Staatsverschuldung im Notfall um bis zu 20 Milliarden Euro zu erhöhen, um im Notfall angeschlagene Banken retten zu können. Ministerpräsident Paolo Gentiloni hatte am Montag nach Bekanntwerden der Pläne betont, dass es sich dabei um eine Vorsichtsmassnahme handle. Die Lage bei der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena spitzt sich allerdings derweil zu. Die flüssigen Mittel könnten weniger lange als erwartet und nur noch für vier Monate reichen, teilte das Institut mit.

STRAFE FÜR BANKEN: Spanische Banken müssen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) wegen unrechtmässiger Zins-Klauseln in Verträgen zu Hypothekendarlehen Milliarden an Kreditnehmer zurückzahlen. Die von den Instituten jahrelang zu viel kassierten Beträge müssten auch rückwirkend erstattet werden, entschied der EuGHin Luxemburg. Es gehe dabei um einen Gesamtbetrag von gut vier Milliarden Euro, teilte die Madrider Notenbank auf Anfrage mit. Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte bereits 2013 die strittigen Klauseln als unwirksam eingestuft, auch wegen ungenügender Aufklärung der Kunden. Anders als das Madrider Tribunal Supremo entschied der EuGH nun zudem, dass die betroffenen Banken auch das vor Mai 2013 zu viel kassierte Geld zurückerstatten müssen.

MANGELNDE SCHUBKRAFT: Nach fast zwei Jahren massiver Konjunkturhilfen macht sich in der EZB-Führung Enttäuschung über die mangelnde Durchschlagskraft der ultralockeren Geldpolitik breit. Das lettische EZB-Ratsmitglied Ilmars Rimsevics sagte, die Wertpapierkäufe hätten dem Wachstum bislang "keinen wesentlichen Schub" verliehen. Auf sein eigenes Land bezogen bedeute dies, dass die durch das EZB-Anleihenprogramm in die Wirtschaft gepumpten Gelder "auf Bankkonten ruhen und auf bessere Zeiten warten", stellte Rimsevics fest. Die Europäische Zentralbank hat ihr billionenschweres Programm erst kürzlich bis Ende 2017 verlängert.

LUXUSGÜTERUMSÄTZE: Der weltweite Luxusgütermarkt ist gemäss den Berechnungen des Beratungsunternehmens Bain&Company 2016 um 4 Prozent auf 1,08 Billionen Euro gewachsen. Hauptverantwortlich dafür war das Umsatzplus von 8 Prozent beim Verkauf von Luxusautos gewesen. Zudem gehe der Trend immer stärker hin zu Luxuserlebnissen wie Reisen und Kreuzfahrten, hochwertigen Lebensmitteln, Wein und Spirituosen, wie die Experten von Bain und des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma mitteilten. Dagegen stagniere der weltweite Umsatz mit Luxusprodukten für den persönlichen Gebrauch wie Lederwaren, Mode, Schmuck, Uhren, Parfüm und Kosmetik im laufenden Jahr bei 249 Milliarden Euro. Zwar ziehen die Ausgaben der chinesischen Kunden nach einer dreijährigen Pause wieder an, die Kaufzurückhaltung der US-Amerikaner konnte damit aber nicht kompensiert werden.

WEITERE UMRÜSTUNGEN: Mehr als ein Jahr nach Bekanntwerden des Dieselskandals hat Volkswagen die letzten noch ausstehenden Freigaben des Kraftfahrtbundesamts (KBA) für den Rückruf der betroffenen Autos erhalten. Die Besitzer würden "in den kommenden Wochen" benachrichtigt, teilte der Konzern mit. Damit steht die Umrüstung der Fahrzeuge in Deutschland, Europa und einigen weiteren Ländern vor dem Abschluss. Anderswo, etwa in Südkorea, haben die Rückrufe laut Volkswagen noch gar nicht begonnen. Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck von US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeugen unterschiedlicher Marken eine mutmasslich illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm sorgt bei standardisierten Tests für einen niedrigeren Ausstoss von schädlichen Stickoxiden.

MANAGEREXODUS GEHT WEITER: Twitter verliert den nächsten Spitzen-Manager. Technologiechef Adam Messinger teilte am Dienstagabend über die Kurznachrichten-Plattform mit, das Unternehmen zu verlassen. Messinger war seit März 2013 im Amt und seit fünf Jahren bei dem Unternehmen aus San Francisco. Davor arbeitete er für den Software-Konzern Oracle. Zuletzt hatte unter anderem schon der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Adam Bain Twitter verlassen. Der Kurznachrichtendienst ist zwar beliebt, wächst aber immer langsamer, und kann nicht mit Konkurrenten wie Facebook mithalten.

(AWP)