Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 29. Dezember 2016:
29.12.2016 17:33

NEUER WELTMARKTFÜHRER: Der chinesische Beteiligungsriese HNA bündelt das Geschäft mit Airline-Catering bei seiner Schweizer Tochter Gategroup. Mit der Übernahme des Bordverpflegungsgeschäfts von Air France wird Gategroup zum Weltmarktführer. Gategroup übernimmt 50 Prozent minus 1 Aktie an Servair, wie das Unternehmen mitteilt. Der Unternehmenswert wird auf 237,5 Millionen Euro beziffert; der Kaufpreis ist jedoch nicht bekannt. Den Angaben zufolge wird der Deal direkt von Gategroup finanziert. Durch die Akquisition, die per 1. Januar erfolgt, wächst der erwartete Jahresumsatz von Gategroup von 3 auf 4,4 Milliarden Franken. Gategroup gehört seit dem 22. Dezember formell zur chinesischen HNA-Gruppe.

UMSTRITTENE KREDITE: Die Credit Suisse kommt wegen umstrittener Kredit an das südostafrikanische Land Mosambik unter Druck. Die US-Wertpapieraufsicht SEC hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Untersuchung eingeleitet. Die SEC untersucht den Verkauf von Anleihen von Mosambik im Volumen von 850 Millionen Dollar, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Die SEC und die CS wollten sich zu dem Bericht nicht äussern. Die Anleihen waren 2013 platziert worden, offiziell um die Entwicklung des Thunfischfangs in dem armen Staat zu finanzieren. Die Regierung erklärte später, dass sie mit den Mitteln auch militärische Ausrüstung gekauft habe. Im Oktober bezeichnete Mosambik seine Schulden als untragbar und musste Zahlungsunfähigkeit erklären.

NEUE PARTNERSCHAFT: Der Handels- und Dienstleistungskonzern DKSH geht eine neue Partnerschaft in Asien ein. DKSH übernimmt ab dem 1. Januar Vertrieb, Distribution und Marketing der Produkte von Scotch Industrial in Thailand. Der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln aus Bangkok ist spezialisiert auf Tonika auf Basis essbarer Vogelnester ("Scotch Bird's Nest). Das Unternehmen wurde 1983 in Bangkok gegründet. Mit 1000 Mitarbeitenden produziert es rund 700 Millionen Flaschen Nahrungsergänzungsmittel pro Jahr. Die Zusammenarbeit umfasst auch eine Absichtserklärung zur Vermarktung von Scotch-Produkten in weiteren asiatischen Märkten. Finanzielle Details werden nicht genannt.

RETTUNG FÜR SEILBAHNEN: Die Torrent-Bahnen in Leukerbad VS hat kurz vor Ablauf der Zeichnungsfrist insgesamt 4,5 Millionen Franken neues Aktienkapital beisammen. Damit wird eine wesentliche Bedingung der Hauptgläubiger für die Sanierung erfüllt. Die Vorgabe war klar: Bis spätestens 31. Dezember 2016 müsste neues Aktienkapital in der Höhe von 4,53 Millionen Franken gezeichnet werden. Nur in diesem Fall wollten die Hauptgläubiger einem Schuldenschnitt zustimmen und unter anderem direkt auf 8,5 Millionen der 16,4 Millionen Franken Schulden verzichten. Damit könnten nun die Bedingungen des Sanierungsvertrages eingehalten werden, heisst es in der Mitteilung der Torrent-Bahnen.

APPLE WEITERHIN NUMMER 1: Die Marktkapitalisierung des iphone-Herstellers Apple hat im Vergleich mit dem Vorjahresende um 7 Prozent auf rund 625 Milliarden Dollar zugelegt. Auf Platz zwei rangiert Alphabet, die Holding von Google. Dessen Marktkapitalisierung ist um rund 4 Prozent auf 552 Milliarden Dollar gestiegen. Rang 3 belegt gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens EY wie im Vorjahr Microsoft, dessen Börsenwert sich im Vorjahresvergleich aber um 11 Prozent auf 492 Milliarden Dollar erhöhte. Nestlé ist zwar mit einer Marktkapitalisierung von rund 214 Milliarden Dollar weiterhin das wertvollste Schweizer Unternehmen. Die Bewertung ging allerdings auf Dollarbasis um rund 10 Prozent zurück. Nestlé belegt derzeit Platz 21 in der Welt und rutschte im Vorjahresvergleich aber von Rang 13 ab.

KRITIK AN VORGEHEN DER EZB: Die Mitteilung der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mehr Geld als gedacht brauche, hat Ministerpräsident Paolo Gentiloni überrascht. "Es hat mich ein bisschen überrumpelt, Neuigkeiten so "ex abrupto" zu bekommen", sagte der Regierungschef an einer Pressekonferenz zum Jahresabschluss in Rom. Am Montag war bekanntgeworden, dass die EZB bei dem schwer angeschlagenen Institut eine Kapitallücke von 8,8 Milliarden Euro sieht - zuvor war stets von 5 Milliarden Euro die Rede gewesen. Weil die Bank ihren Kapitalpuffer mit Hilfe von privaten Geldgebern zuletzt nicht wie geplant erhöhen konnte, wird derzeit ausgelotet, wie der Staat im Einklang mit den europäischen Regeln bei Monte dei Paschi einspringen kann. Die Regierung in Rom hat dafür bereits ein Rettungspaket verabschiedet, das die Bildung eines Fonds mit Mitteln von 20 Milliarden Euro für den angeschlagenen Bankensektor vorsieht.

MILLIARDEN FÜR SCHIENENNETZ: China will sein Netz für Hochgeschwindigkeitszüge mit einer gewaltigen Milliarden-Investition weiter ausbauen. Bis 2020 soll das Schienennetz für Schnellzüge auf 30'000 Kilometer vergrössert werden, heisst es in einem Weissbuch des Transportministeriums. Damit würde das schon heute längste Schnellzugnetz der Welt noch einmal um rund 11'000 Kilometer wachsen. 80 Prozent aller Grossstädte seien in vier Jahren per Schnellzug erreichbar. Laut Vize-Verkehrsminister Yang Yudong sollen für den Ausbau des gesamten Zugnetzes, der schon zuvor in Aussicht gestellt worden war, rund 3,5 Billionen Yuan (517 Milliarden Franken) investiert werden.

BESCHÄFTIGUNGSAUFSCHWUNG ERWARTET: Arbeitsmarktexperten rechnen auch im kommenden Jahr mit mehr Arbeitsplätzen. "Der Beschäftigungsaufschwung läuft 2017 weiter", erklärte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Das Tempo sei dabei zwar vorerst gedrosselt. Die anziehende Konjunktur biete jedoch gute Voraussetzungen dafür, dass der seit dem Sommer ins Stocken geratene Beschäftigungsaufbau wieder in Schwung komme. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer, das auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen Arbeitsagenturen basiert, fiel gegenüber November um 0,1 Punkte. Es stehe nun bei 103,1 Punkten und zeige damit weiterhin einen positiven Ausblick auf das kommende Jahr, erklärte das IAB.

MASSENKLAGE GEGEN VW: Im Abgasskandal bei Volkswagen hat der Rechtsdienstleister MyRight Massenklage im Namen Betroffener gegen den Autohersteller angekündigt. Die Klage werde am 3. Januar beim Landgericht Braunschweig eingereicht, kündigte MyRight an. Es sei die erste Klage dieser Art in Deutschland; Ziel sei die Anerkennung "grundlegender deutscher und europäischer Konsumentenrechte" im Abgasskandal. Auf der Webseite myRight.de können betroffene deutsche VW-Kunden seit Monaten ihre möglichen Ansprüche wegen Wertverlusts ihres Fahrzeugs geltend machen und an den Rechtsdienstleister abtreten. Dieser formuliert eine Klage, reicht sie beim zuständigen Landgericht ein und übernimmt zunächst die Prozesskosten.

MEHR KREDITE: Die Europäischen Zentralbank (EZB) erreicht mit ihrer Geldflut allmählich die Unternehmen in der Währungsgemeinschaft. Geldhäuser im Euro-Raum vergaben im November 2,2 Prozent mehr Darlehen an Firmen als ein Jahr zuvor, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Im Oktober war der Zuwachs noch etwas niedriger ausgefallen. Privathaushalte erhielten von den Instituten im November 1,9 Prozent mehr Kredite als vor Jahresfrist. Die Währungshüter halten ihre Leitzinsen bereits seit längerem auf dem Rekordtief von null Prozent. Anfang Dezember verlängerten sie zudem ihr billionenschweres Staatsanleihen-Kaufprogramm um neun Monate bis Ende 2017. Mit dem Programm wollen sie die Kreditvergabe und damit die Konjunktur ankurbeln.

GROSSAUFTRAG FÜR BOMBARDIER: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben beim Bahntechnik-Hersteller Bombardier bis zu 300 Züge für den Nah- und Regionalverkehr bestellt. Ein entsprechender Rahmenvertrag sei nun unterzeichnet worden, teilte Bombardier mit. Der Auftrag hat einen Wert von rund 1,8 Milliarden Euro.

PROGNOSEN GESENKT: Die südkoreanische Regierung erwartet für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent, so ein Bericht des das Finanzministeriums des ostasiatischen Landes. Es senkte damit seine Prognose vom Juni um 0,4 Prozentpunkte. Als ein Grund für die Korrektur nach unten wurde die schwache Binnennachfrage genannt. Zudem gehe das Schaffen neuer Arbeitsplätze nur stockend voran, was auch an der kriselnden Schiffsbaubranche liege. Konsumenten müssten ausserdem aufgrund steigender Ölpreise mit einer schnelleren Inflation rechnen. In den Jahren 2014 und 2015 wuchs die viertgrösste Volkswirtschaft Asiens um jeweils 2,6 Prozent.

(AWP)