Tagesüberblick Wirtschaft

Donnerstag, 18. Mai 2017
18.05.2017 17:30

NOVARTIS KIPPT 500 JOBS: (Basel) Der Pharmakonzern Novartis will in den nächsten anderthalb Jahren am Hauptsitz in Basel rund 500 Stellen streichen. Gleichzeitig sollen 350 neue Arbeitsplätze aufgebaut werden. Ein Teil der 500 Stellen falle ganze weg, andere würden verlagert, beispielsweise nach Indien, gab Novartis bekannt. Den vom Abbau in Basel betroffenen Angestellten verspricht Novartis eine respektvolle und faire Behandlung. Novartis sieht unter anderem vor, auf dem Campus in Basel sowie in Schweizerhalle zwei alte Produktionsstätten zu schliessen. Landesweit beschäftigt Novartis rund 13'000 Angestellte. Weltweit sind es 123'000.

FAIRER HANDEL IM TREND: (Zürich) Max Havelaar hat den Umsatz mit Fair-Trade-Produkten im vergangenen Jahr um 21 Prozent gesteigert. Erstmals verkauften sich nicht Bananen, sondern Molkereiprodukte und Backwaren am besten. Konsumenten in der Schweiz gaben 2016 628 Millionen Franken für fair gehandelte Produkte mit dem Label Max Havelaar aus, wie die Stiftung mitteilte. Der Pro-Kopf-Konsum stieg damit von 62 Franken auf 75 pro Jahr. Das Erreichen der 100 Franken-pro-Kopf-Schwelle sei keine Utopie mehr, sondern sei in greifbare Nähe gerückt, heisst es in der Mitteilung.

JA ZUR KAPITALERHÖHUNG: (Zürich) Die Aktionäre der Grossbank Credit Suisse haben einer weiteren Kapitalerhöhung der Grossbank zugestimmt. Das einzige Traktandum an der ausserordentlichen Generalversammlung war nicht umstritten. Der Ja-Stimmanteil betrug über 99 Prozent. Damit kann die Grossbank 405 Millionen neue Aktien ausgeben, deren Verkauf rund 4 Milliarden Franken einbringen soll. Das Management der Bank hatte die Aktienkapitalerhöhung erst vor rund drei Wochen vorgeschlagen. Zuvor wollte die Bank mit den Einnahmen aus einem teilweisen Börsengang des Schweizer Geschäfts das Eigenkapital erhöhen.

KONKURRENT FÜR WHATSAPP: (Zürich) Verkehrte Welt: Während die Swisscom ihre Messenger-App iO wegen der harten Konkurrenz durch Whatsapp beerdigt, sagt eine schweizerisch-ukrainische Messenger-App namens Drotr Whatsapp den Kampf an. Punkten will Drotr mit einer Simultanübersetzung. Diese Übersetzungsfunktion biete noch kein anderer Messenger an. So kann man einen Text beispielsweise auf Russisch schreiben und der Empfänger bekommt ihn übersetzt auf Deutsch. Das funktioniert derzeit für geschriebene Texte in 104 Sprachen. In 44 Sprachen übersetzt Drotr sogar Gespräche von Videokonferenzen simultan. Laufend sollen weitere Sprachen hinzukommen. In der Praxis hapert es allerdings mit der Qualität der Übersetzungen. Hinter der App stehen der Ukrainer Alexander Konovalov und der Investor Eugen von Rubinberg, Entwickelt wird die App von Programmierern in Kiew.

AEVIS VICTORIA WILL WACHSEN: (Biel/Bienne) Die Privatklinikgruppe Aevis Victoria will weiter an Spitalbetten zulegen. Sie hat der Bieler Privatklinik Linde ein Übernahmeangebot unterbreitet. Dies teilten die Privatklinik Linde und die Spitalgruppe Swiss Medical Network in einem gemeinsamen Communiqué mit. Mit der geplanten Übernahme setzt die Privatspitalgruppe Aevis Victoria ihre Expansionsstrategie fort. Derzeit zählen 16 Spitäler zur Gruppe. Ziel der neusten Übernahmepläne ist gemäss dem Communiqué, die Position der Bieler Klinik in der Region Mittelland zu stärken. Linde würde gemäss Mitteilung im Regionalnetzwerk Neuenburg, Bern und Solothurn eine führende Rolle übernehmen. Für die Namensaktien bietet Swiss Medical Network respektive die Aevis Victoria AG entweder 2500 Franken pro Linde-Aktie in bar oder einen Tausch mit 49,73 Namensaktien von Aevis Victoria pro Linde-Aktie an. Dies entspricht gemäss Communiqué einem Gegenwert von 2890 Franken. Die Aktionäre von Linde haben bis am 22. Juni 2017 Zeit, sich zu entscheiden.

ONLINE-WERBUNG WÄCHST: (Zürich) 2016 hat sich die Verlagerung von Werbung ins Internet und weg von der gedruckten Presse beschleunigt. Online-Werbung steigerte die Umsätze um 12,3 Prozent auf 1,09 Milliarden Franken. Damit könnte sie der gedruckten Presse bald den Rang ablaufen: Dort sanken die Umsätze um 12 Prozent. Weiterhin fliessen allerdings mit 23 Prozent immer noch am meisten Werbegelder in Zeitungen und Zeitschriften. Online-Werbung hält einen Anteil von 20 Prozent. Unter dem Strich lagen die Werbeumsätze mit 5,56 Milliarden Franken um 1,1 Prozent unter dem Vorjahreswert.

WIEDER GEWINN: (Zürich) Bei der Immobiliengesellschaft Züblin, bei der der Russe Viktor Vekselberg Grossaktionär ist, hat sich bereits mit dem Halbjahresergebnis abgezeichnet, was sich nun für das Gesamtjahr 2016/17 bestätigt: Das Zürcher Unternehmen ist zurück in der Gewinnzone. Unter dem Strich schloss Züblin das Geschäftsjahr 2016/17 mit einem Gewinn von 29,9 Millionen Franken, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 18,9 Millionen Franken resultiert hatte. Neben höheren Mieterträgen in der Schweiz oder einem guten Marktumfeld, sind die Gründe dafür: Züblin hat im letzten Geschäftsjahr Rückstellungen aufgelöst, restrukturiert und Kosten gespart. Darüber hinaus will Züblin das deutsche Portfolio verkaufen. Bereits zum abgelaufenen Geschäftsjahr hat dieser Verkauf mit 13 Millionen Franken zum Geschäftsergebnis beigetragen.

RICOLA STEIGERT UMSATZ: (Laufen BL) Die Bonbon- und Kräutertee-Herstellerin Ricola hat letztes Jahr von der starken Nachfrage in Nordamerika und Schwellenmärkten profitiert. Der Umsatz stieg um 4,2 Prozent auf 307 Millionen Franken, wie Ricola bekannt gab. Das Schweizer Familienunternehmen Ricola aus Laufen BL trieb seine Auslandexpansion letztes Jahr voran. Insbesondere in Kanada und Asien, aber auch in Deutschland und Frankreich seien die Teams vor Ort gestärkt worden, teilte Geschäftsleiter und Verwaltungsratspräsident Felix Richterich mit. Ricola erwirtschaftet über 90 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Im Vorjahr sind die Verkäufe wegen der Frankenaufwertung geschrumpft.

160 NEUE STELLEN: (Wollerau SZ) Der amerikanische Kosmetikkonzern Estée Lauder baut seine Büros in der Schweiz aus und schafft in Wollerau SZ bis zu 160 neue Stellen. Diese werden aus dem Ausland in den Tiefsteuerkanton Schwyz verlegt. Dort ist die Firma seit 40 Jahren ansässig. Ein Sprecher von Estée Lauder in der Schweiz bestätigte auf Anfrage Informationen des "March-Anzeiger". Das internationale Unternehmen werde das Management für seine regionale Versorgungskette (Supply chain) in der Schweiz zentralisieren, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Die Stellen würden teils mit zuziehenden Ausländern besetzt, teils aber auch neu vergeben. Estée Lauder besitzt in der Schweiz Filialen in Zürich und Lachen. Die Firma beschäftigt in der Schweiz dem Sprecher zufolge rund 1000 Personen.

ZUGESTÄNDNISSE FÜR KAUF: (Brüssel) Der US-Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson will die Bedenken der EU-Wettbewerbshüter gegen die 30 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Schweizer Biotechfirma Actelion ausräumen. Im Zuge dessen habe J&J Zugeständnisse angeboten, erklärte die EU-Kommission. Die Wettbewerbsbehörde hat ihre Frist für die Prüfung des Deals bis 12. Juni von zuvor 24. Mai verlängert, wie sie ohne weitere Details auf ihrer Homepage erklärte. J&J will die Übernahme bis Mitte Jahr über die Bühne bringen. Die Actelion-Aktionäre haben der Übernahme bereits ihren Segen geben.

NEUE PARTNERSCHAFT: (Baar ZG) Der Bergbau- und Rohstoffkonzern Glencore geht eine neue Partnerschaft in Mexiko ein. Mit der Tankstellen-Gruppe G500 sei eine Vereinbarung für eine gemeinsame Franchise-Plattform getroffen worden, teilte das Unternehmen mit Sitz im Kanton Zug mit. G500 betreibt etwa 12 Prozent der mexikanischen Tankstellen und verkaufe etwa 160'000 Barrel Benzin und Diesel pro Tag. Die neue Ära in Mexikos Ölgeschäft sei eine Gelegenheit für Glencore, um ein Standbein als Anbieter von Benzinprodukten aufzubauen. Zudem solle die heimische Logistik aufgebaut werden um Mexikos Energiereform zu unterstützen.

MILLIONENBUSSE: (Brüssel) Die EU-Kommission hat gegen Facebook eine Busse von 110 Millionen Euro verhängt, weil das US-Unternehmen bei der Übernahme von WhatsApp irreführende Angaben gemacht haben soll. Dies teilte die Brüsseler Behörde mit. Die Höhe der Geldbusse begründete Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit der abschreckenden Wirkung für falsche Angaben bei Verfahren zur Fusionskontrolle. Facebook hatte nach Angaben der Kommission bei der Anmeldung der Übernahme des Messenger-Dienstes 2014 erklärt, dass es nicht zuverlässig möglich sein werde, einen automatischen Datenabgleich zwischen den Benutzerkonten beider Dienste einzurichten. Im August 2016 hatte Facebook jedoch angekündigt, künftig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern mit Facebook-Profilen zu verknüpfen.

GM TRITT AUF BREMSE: (Detroit) Der US-Autobauer General Motors zieht sich aus weiteren ausländischen Märkten zurück. So will der US-Konzern seine Produktion von leichten Nutzfahrzeugen in Südafrika an den japanischen Fahrzeughersteller und Partner Isuzu verkaufen. In Indien werde sich GM künftig ausschliesslich auf die Produktion von Fahrzeugen für den Export konzentrieren. Die Marke Chevrolet soll ab Ende des Jahres in beiden Märkten nicht mehr vertrieben werden. Insgesamt erhofft sich GM durch diese Massnahmen jährliche Einsparungen von bis zu 100 Millionen US-Dollar. Die Kosten bezifferte GM auf 500 Millionen Dollar. Diese sollen im zweiten Quartal verbucht werden.

KONJUNKTUR: (Tokio) Japans Wirtschaft erlebt die längste Wachstumsphase seit rund elf Jahren. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg zwischen Januar und März im Vergleich zum Vorquartal um 0,5 Prozent, wie die Regierung bekanntgab. Das entspricht einer Zunahme um eine hochgerechnete Jahresrate von real 2,2 Prozent. Zu dem unerwartet starken Wachstum trug vor allem der Export bei, der durch den relativ schwachen Yen angeschoben wird. Aber auch der Privatkonsum, der zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, zog um 0,4 Prozent an.

ZUM VERKAUF: (Mailand) Die angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia steht nun offiziell zum Verkauf. Die Regierung in Rom gab den Startschuss für den Bieterprozess. Wie aus einem Dokument der damit beauftragten Bevollmächtigten hervorgeht, können bis zum 5. Juni Offerten vorgelegt werden. Interessenten können das gesamte Unternehmen oder Teile davon erwerben und Restrukturierungsvorschläge machen. In der Branche zeichnete sich bisher kein grosses Interesse an einer Übernahme ab: Konkurrenten wie Lufthansa, Norwegian Air, Air France-KLM haben bereits abgewunken. Alitalia steht erneut unter Sonderverwaltung und ist nahe an der Pleite, nachdem die Mitarbeiter einen Restrukturierungsplan blockiert haben.

WENIGER ARBEITSLOSE: (Paris) In Frankreich hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zum Jahresauftakt überraschend entspannt. Im ersten Quartal sei die Erwerbslosenquote auf 9,6 Prozent gefallen, teilte das Statistikamt Insee in Paris mit. Damit erreichte sie den niedrigsten Stand seit dem ersten Jahresviertel 2012. Im Schlussquartal 2016 hatte Frankreichs Arbeitslosenquote noch bei 10,0 Prozent gelegen, 2015 war sie zeitweise bis auf 10,5 Prozent gestiegen. Ökonomen zeigten sich von der positiven Entwicklung auf dem französischen Arbeitsmarkt überrascht. Sie hatten für den Zeitraum von Januar bis März mit einer unveränderten Quote von 10,0 Prozent gerechnet.

DEUTSCHE UBER-APP AN EUGH: (Karlsruhe) Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber löst Unruhe bei Taxifahrern aus. Sie sehen ihr Geschäft bedroht. In Deutschland geniesst das Gewerbe besonderen Schutz - der Europäische Gerichtshof (EuGH) soll nun klären, ob zu Recht. Der Bundesgerichtshof (BGH) setzte am Donnerstag ein Verfahren aus, um zentrale Fragen zunächst in Luxemburg klären zu lassen. Die obersten Zivilrichter in Karlsruhe haben zu entscheiden, ob Uber Mietwagen mit Fahrer per Smartphone-App direkt an Kunden vermitteln darf. Nach deutschem Recht wäre das verboten. Dieses legt Mietwagenfirmen Beschränkungen auf, weil sie anders als Taxis zum Beispiel nicht an feste Tarife gebunden sind. Der EuGH soll nun klären, ob die deutschen Vorschriften womöglich gegen die Dienstleistungsfreiheit in der EU verstossen.

WENIGER GEWINN FÜR MERCK: (Darmstadt) Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im ersten Quartal bei steigenden Umsätzen unterm Strich weniger Gewinn gemacht. Das Ergebnis fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,8 Prozent auf 521 Millionen Euro. Gleichzeitig legten die Erlöse aber um 5,3 Prozent auf 3,86 Milliarden Euro zu. Den Gewinnrückgang begründete das Unternehmen aus Darmstadt mit einem besonderen Effekt aus dem Vergleichzeitraum zu Beginn des Jahres 2016. Damals hatte der Konzern seine Rechte an einem wichtigen Medikament verkauft und dafür einen Sondergewinn von 324 Millionen Euro verbucht.

(AWP)