Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 6. Juni 2017
06.06.2017 17:28

STELLENABBAU: (Zürich) Die Swisscom-Tochter Localsearch (vormals Swisscom Directories) baut rund 5 Prozent ihrer Stellen vor allem im angestammten Geschäft als Verzeichnisanbieter ab. Stellen sollen hingegen in neuen Geschäftsfeldern geschaffen werden. Localsearch wolle sich von einem Verzeichnisanbieter zum führenden Marketingpartner für Schweizer KMU transferieren, teilte die Swisscom-Tochter mit. Rund 5 Prozent oder gut 40 Stellen sollen dabei abgebaut werden. Aktuell beschäftigt Localsearch rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie der Sprecher weiter erklärte, sind bisher im Bereich New Business rund 80 Stellen geschaffen worden. Weitere Stellen seien geplant insbesondere im Präsenz-Management und in einer neu gegründeten Tochtergesellschaft.

GEWINNEINBRUCH: (Winterthur) Der Winterthurer Kompressorenhersteller Burckhardt Compression hat im vergangenen Geschäftsjahr 2016 voll im Gegenwind gestanden. Der Betriebsgewinn (EBIT) sackte um 16 Prozent auf 61,1 Mio. Fr. ab. Unter dem Strich brach der Reingewinn um beinahe ein Drittel auf 37,9 Mio. Franken ein, weil zusätzlich höhere Steuerquoten und Zinslasten aufs Ergebnis drückten. Gelitten hat das Industrieunternehmen unter dem aggressiven Wettbewerb. Teilweise holt sich Burckhardt Compression Aufträge herein, die keinen Gewinn abwerfen, nur um an Folgeaufträge zu kommen. Insbesondere der Absatz von Kompressoren, die beim Transport und der Lagerung von Gas per Schiff eingesetzt werden, lief schlecht. Der Bestellungseingang der Gruppe ist trotz Firmenkäufen um rund 9 Prozent gesunken. Ohne Akquisitionen wären die Neubestellungen gar um über ein Viertel gefallen. Die Aktie stürzte ab.

MEHR HOTELÜBERNACHTUNGEN: Die Übernachtungszahlen in der Schweizer Hotellerie sind in der Wintersaison 2016/17 deutlich angestiegen. Sie erhöhten sich von November 2016 bis April 2017 um 2 Prozent auf 15,7 Millionen Logiernächte, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Im vergangenen Winter hat sich damit das Blatt zugunsten der Hoteliers gewendet. Mit insgesamt 8,2 Millionen Logiernächten verzeichneten die ausländischen Gäste ein deutliches Plus von 2,1 Prozent. Häufiger übernachteten auch wieder Schweizer Gäste in Hotels. Hier stieg die Nachfrage um 1,9 Prozent auf insgesamt 7,5 Millionen Logiernächte. Der starke Anstieg im vergangenen Winter relativiert sich allerdings dadurch, dass das BFS bei den aktuellen Zahlen auch vierzehn Betriebe der Schweizer Jugendherbergen neu eingerechnet hat.

WACHSTUM: (Freiburg) Die Privatklinikgruppe Aevis Victoira hat ihren Umsatz im ersten Quartal um 17 Prozent gesteigert. Dieser Sprung kam in erster Linie aufgrund der Übernahme und Integration der Genfer Privatklinik Générale Beaulieu zustande. Im ersten Quartal erwirtschaftete die Privatklinikgruppe 169,7 Millionen Franken Umsatz, im Vergleich zu 145,0 Millionen Franken in der Vorjahresperiode, wie Aevis Victoria mitteilte. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet Aevis Victoria gemäss Mitteilung einen Umsatz von mehr als 700 Millionen Franken. Darüber hinaus soll die Beteiligung von 11,9 Prozent an Lifewatch verkauft werden. Aevis Victoria rechnet deshalb mit einem ausserordentlichen Erfolg von über acht Millionen Franken.

KEINE PUBLIZITÄTSPFLICHT: (Pfäffikon SZ/Zürich) Der vom italienische Modekonzern OVS übernommene Bekleidungskonzern Charles Vögele bleibt weiter von Publizitätspflichten befreit. Die SIX Exchange Regulation verlängerte die Frist bis zum 30. September 2017, also für die Zeit nach Ablauf der Gültigkeitsdauer der Best Price Rule, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. So muss Vögele weder einen Halbjahresbericht vorlegen oder Ad hoc-Mitteilungen machen. Ausnahme ist die Veröffentlichung einer Ad hoc-Mitteilung, mit der der Zeitpunkt der Dekotierung der Inhaberaktien der Emittentin bekannt gegeben wird, sobald dieser bestimmt ist, heisst es im Entscheid der SIX. Zudem müssen keine Management-Transaktionen offengelegt werden und es muss auch kein Unternehmenskalender geführt werden.

WERTVOLLE MARKEN: (Zürich) Die globalen Marken mit dem höchsten Wert heissen Google, Apple und Microsoft. Die Top drei der Schweiz bleiben Rolex, Nescafé und UBS, wie aus der Markenwertstudie der US-Firma Kantar Millward Brown hervorgeht. Google steigerte seinen Markenwert um 7 Prozent auf 246 Milliarden Dollar. An zweiter Stelle liegt Apple mit 235 Milliarden Dollar (plus 3 Prozent). Deutlich tiefer liegt der Wert von Microsoft mit 143 Milliarden Dollar (plus 18 Prozent). Die wertvollste Schweizer Marke Rolex schaffte es unter die zehn besten der Branche, nicht aber unter die Top 100. Gegenüber der Befragung vor einem Jahr sank der Wert der Luxusuhrenmarke Rolex um 1 Prozent auf 8 Milliarden Dollar. An zweiter Stelle lag Nescafé mit 6,3 Milliarden Dollar (plus 3 Prozent), gefolgt von der UBS - der Markenwert gab allerdings 12 Prozent nach auf 6,1 Milliarden Dollar.

EINGESTELLT: (Doha) Katar ergreift Gegenmassnahmen: Die nationale Fluggesellschaft des Emirats Katar, Qatar Airways, hat vor dem Hintergrund der diplomatischen Zerwürfnisse auf der arabischen Halbinsel den Flugverkehr zu wichtigen Nachbarländern eingestellt, wie das Unternehmen mitteilte. Betroffen sind Verbindungen mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten. Kunden von Qatar Airways, die von der Aussetzung der Flugverbindungen betroffen sind, können nach Unternehmensangaben ihre Tickets gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben oder zu anderen Flugzielen umbuchen. In der saudiarabischen Hauptstadt Riad bildete sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP vor den Büros von Qatar Airways eine Schlange von Fluggästen, die dort wegen der Unterbrechung der Flugverbindungen festsassen.

32 INTERESSENTEN: (Rom) Bei der zum Verkauf stehenden Fluggesellschaft Alitalia haben sich einem Sonderbeauftragten zufolge Dutzende Interessenten gemeldet. "Wir arbeiten daran, 32 Interessensbekundungen zu bewerten", sagte Stefano Paleari, einer von insgesamt drei Sonderbeauftragten. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Die Frist, um ein erstes Interesse an Alitalia anzumelden, war am Montag abgelaufen. Formelle Gebote gibt es noch nicht. Die Regierung in Rom hatte Mitte Mai den Startschuss für den Verkaufsprozess der unter Sonderverwaltung stehenden Traditions-Airline gegeben.

IM AUFWIND: (Frankfurt) Die Digitalwährung Bitcoin hat ihren Höhenflug auch zu Beginn der neuen Woche fortgesetzt. Der Wert eines Bitcoins stieg laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg auf einen Rekordstand von mehr als 2871 Dollar. Händler verwiesen auf ein jüngst bekannt gegebenes Ende des Abhebungsstopps an drei grossen chinesischen Bitcoin-Börsen. Im Februar hatten die Handelsplätze Abhebungen ausgesetzt, nachdem chinesische Behörden sich mit Blick auf Kapitalabflüsse aus dem Land sowie Geldwäsche besorgt geäussert hatten. Vor allem der stark wachsende Bitcoin-Handel in China gilt seit einiger Zeit als Kurstreiber. Ende 2016 kostete die seit 2009 im Umlauf befindliche Währung noch weniger als 1000 Dollar. Ende 2010 waren es 0,30 Dollar.

WEINGER FÜHRUNGSJOBS: (Cancún) Die Lufthansa streicht mehr Stellen im Management als bisher anvisiert. Statt der geplanten 15 Prozent dürften nun eher an die 19 Prozent der Führungspositionen wegfallen, sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Generalversammlung des Weltluftfahrtverbands IATA. Der Manager zeigte sich zudem vom laufenden Fluggeschäft positiv überrascht. Die Nachfrage in den USA und China sei besser als gedacht. Die Terroranschläge in Grossbritannien wirkten sich bisher nicht auf die Buchungen aus. Einer Übernahme der vor dem Aus stehenden italienischen Fluggesellschaft Alitalia erteilte Spohr erneut eine Absage. Er denke aber darüber nach, bei einer Insolvenz von Alitalia Start- und Landerechte sowie Flugzeuge der einstigen Staatsfluglinie zu übernehmen.

FEHLENDE AUFTRÄGE: (Cancún) Der Flugzeugbauer Airbus denkt wegen ausbleibender Neubestellungen für den weltgrössten Passagierjet A380 über eine weitere Kürzung der Produktion nach. Das Unternehmen prüfe, wie es die Zahl der Auslieferungen am besten unter die Marke von zwölf Jets pro Jahr senken könne, sagte Airbus-Programmchef Didier Evrard am Rande der Generalversammlung des Weltluftfahrtverbands IATA. Airbus hatte bereits 2016 bekanntgegeben, die Jahresproduktion des Fliegers auf zwölf Maschinen pro Jahr mehr als zu halbieren. Diese Marke soll 2018 erreicht sein. Über eine neue Kürzung will Airbus laut Evrard noch in diesem Jahr entscheiden, sofern weitere Neubestellungen ausbleiben.

UMSATZPLUS: (Brüssel) Die Detailhändler im Euro-Raum haben ihren Umsatz im April leicht gesteigert. Die Erlöse kletterten um 0,1 Prozent zum Vormonat, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Experten hatten mit einem doppelt so starken Anstieg gerechnet. Das Geschäft mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren entwickelte sich mit einem Plus von 0,6 Prozent überdurchschnittlich gut, während der Kraftstoffumsatz an Tankstellen um 0,8 Prozent zurückging. Hier dürfte die schwankende Entwicklung der Ölpreise eine Rolle gespielt haben.

MEHR ZEIT: (Düsseldorf) In dem vor allem mit Deutschland geführten Streit um Schuldenerleichterungen für Griechenland ist der Internationale Währungsfonds (IWF) zu einem weiteren Spiel auf Zeit bereit. IWF-Chefin Christine Lagarde bekräftigte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" zwar, dass der Fonds weiter auf Schuldenerleichterungen für das südeuropäische Land pocht. Der IWF sei aber bereit, gemeinsam mit den europäischen Gläubigern an einer Lösung für die bald anstehende und dringend notwendige Auszahlung von Geld aus dem europäischen Rettungsfonds ESM zu arbeiten. Griechenland braucht bis Anfang Juli eine weitere Auszahlung aus dem für das Land aufgelegten Hilfsprogramm.

WEGGEFÄHRTEN: (Washington) US-Präsident Donald Trump will einen Weggefährten von Finanzminister Steve Mnuchin zum Chef der US-Bankenaufsicht OCC ernennen. Trump werde den früheren Banker Joseph Otting nominieren, teilte das US-Präsidialamt mit. Die OCC ist eine von mehreren Aufsichten für die Wall Street und befasst sich unter anderem mit Geldwäscherei und Bankstatuten. Otting muss vom Senat bestätigt werden und wird sich dort wohl Fragen zum Immobilienmarkt und zu Zwangsversteigerungen stellen müssen. Otting hat mehr als 30 Jahre als Banker gearbeitet. Zu seinen letzten Stationen gehörte der Chefposten bei der kalifornischen Bank OneWest. Mnuchin hatte diese 2008 aus den Überbleibseln von IndyMac aufgebaut, die mit günstigen Krediten den Kollaps des US-Häusermarktes mit vorangetrieben hat.

UNTERSUCHUNG GEGEN GUESS: (Brüssel) Das Modeunternehmen Guess hat möglicherweise gegen EU-Wettbewerbsrecht verstossen. Die EU-Kommission leitet deswegen eine förmliche Untersuchung ein. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Detailhändlern den Onlinehandel an Konsumenten oder andere Verkäufer im EU-Ausland verboten zu haben. Möglicherweise seien auch Grosshändler von entsprechenden Vertragsklauseln betroffen, teilte die Behörde in Brüssel mit. Zwar dürfen Unternehmen ihre Vertriebsabläufe selbst bestimmen, diese müssen aber im Einklang mit den Konsumentenrechten stehen. Konsumenten haben grundsätzlich das Recht, Waren bei Händlern zu bestellen, auch wenn diese in einem anderen Mitgliedstaat ihren Geschäftssitz haben.

(AWP)