Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 12. September 2017
12.09.2017 17:32

AUF WACHSTUMSKURS: (Rümlang ZH) Dormakaba hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sowohl die Verkäufe wie den Gewinn deutlich steigern können. Der Schliesstechnikkonzern profitierte dabei von Übernahmen und von einer starken Nachfrage in China, Indien und Nordamerika. Der Konzern hat im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 einen Umsatz von 2,52 Milliarden Franken erreicht. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 9,4 Prozent. Der Gewinn stieg um 92 Prozent auf 224,6 Millionen Franken. Dormakaba-Chef Riet Cadonau sprach denn auch an der Bilanzmedienkonferenz von einem "sehr guten Ergebnis", wobei das Unternehmen bei beiden Kennzahlen auch von Sonderfaktoren profitierte. So schnellte der Gewinn auch dank sinkenden Integrationskosten und tieferen Steuern so stark in die Höhe. Der Konzern hat sich im vergangenen Geschäftsjahr jedoch auch betrieblich verbessert. Der Betriebsgewinn (EBIT) erhöhte sich um 17,5 Prozent auf 327,0 Millionen Franken. Die Betriebsgewinnmarge (EBITDA-Marge) stieg von 14,4 auf 15,4 Prozent.

TOP-STANDORTE FÜR UNTERNEHMEN: (Zürich) Die Kantone Zug, Zürich und Aargau sind für Unternehmen die attraktivsten Standorte der Schweiz. Im Mittelfeld überholte Appenzell Ausserrhoden die Kantone Thurgau und Obwalden. Am Ende der Rangliste der Credit Suisse befinden sich die Kantone Wallis und Jura. Mit deutlichem Abstand ist auch in diesem Jahr der Kanton Zug der unangefochtene Spitzenreiter im Standortqualitätsindikator der Credit Suisse. Der grosse Vorsprung des Kantons Zug erkläre sich hauptsächlich durch seine steuerliche Attraktivität, sagte Studienautor Jan Schüpbach von der CS auf Anfrage. Zudem könne Zug mit mit der Verfügbarkeit von Fachkräften und Hochqualifizierten überdurchschnittlich punkten. Auch die Erreichbarkeit mit öffentlichem Verkehr und Strassen sei sehr gut. Der Kanton Zürich sei dank sei der Zentrumslage und dem Flughafen bei der Erreichbarkeit zwar noch attraktiver als der Kanton Zug. Negativ falle aber die Besteuerung von Unternehmen ins Gewicht, bei der Zürich lediglich Platz 22 belege.

KEIN STROM MEHR VON FESSENHEIM: (Bern) Die Schweizer Stromkonzerne Alpiq, Axpo und BKW wollen künftig keinen Strom aus dem umstrittenen französischen Atomkraftwerk Fessenheim mehr importieren. Sie lösen den Vertrag mit der Betreiberin Electricité de France (EDF) per Ende Jahr auf. Den Ausstieg begründen Alpiq, Axpo und BKW mit der politischen Unsicherheit bezüglich des Zeitpunkts der Stilllegung des Kernkraftwerks Fessenheim, wie es auf Anfrage heisst. Ein weiterer Grund sei der aktuelle Stand der Grosshandelspreise auf dem europäischen Strommarkt gewesen. Der Entscheid sei rein unternehmerisch motiviert. Politische Überlegungen hätten kein Rolle gespielt. Das nur 35 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernte AKW Fessenheim ist seit Jahren heftig umstritten. Atomkraftgegner sehen es als unsicher an. Es gab dort wiederholt Pannen und Zwischenfälle. Laut aktueller Planung soll das seit vier Jahrzehnten in Betrieb stehende AKW 2019 stillgelegt werden.

UNGESÄTTIGTE REISELUST (Zürich) Die Reiselust die Schweizer Bevölkerung bleibt ungesättigt. Im Durchschnitt gönnt sich ein Schweizer dieses Jahr wie im Vorjahr knapp drei Mal Ferien (2,76). Die geringere Angst vor Sicherheitsrisiken ist mit ein Grund für mehr Frühbuchungen. Mindestens einmal im Jahr unternehmen 82 Prozent (Vorjahr: 84 Prozent) der Schweizerinnen und Schweizer eine private Reise mit drei oder mehr Übernachtungen, wie eine Umfrage von Allianz Global Assistance ergab. Nur 51 Prozent der Befragten gaben heuer an, sie hätten Angst vor möglichen Unruhen und Terror. Im Jahr 2016 waren es noch 55 Prozent gewesen. Der Anteil der Frühbuchungen über mindestens zwei Monate im Voraus stieg von 46 Prozent im Jahr 2016 auf 50 Prozent.

TRENDWENDE FÜR TOURISMUS: (Bern) Die Schweizer Tourismusbranche hat die Talsohle erreicht. In den nächsten Saisons geht es wieder aufwärts. Das sagte Jürg Schmid, noch bis Ende 2017 Direktor von Schweiz Tourismus, gegenüber der "Südostschweiz". Von Januar bis Juli haben gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) 4,6 Prozent mehr Gäste in Schweizer Hotels übernachtet als noch in der Vorjahresperiode. Allein im Juli nahmen die Logiernächte um 5,3 Prozent zu. "Das ist eine klare Trendwende", sagte Schmid. Es sei aber keine, die es zu euphorisieren gelte, relativierte er. So bleibe die wirtschaftliche und politische Lage herausfordernd und der Markt in Deutschland habe noch nicht voll gedreht. Für die Wintersaison zeigt sich der zukünftige Präsident von Graubünden Ferien zuversichtlich: "Bei einem durchschnittlichen Schnee dürfen wir davon ausgehen, dass wir ein gutes Wachstum sehen werden und dass auch der europäische Markt diesen Winter wieder wachsen wird."

UNTER DRUCK: (Morges) Tiefere Strompreise für die Haushalte und ein markanter Rückgang des Stromverbrauchs haben sich negativ auf das Halbjahresergebnis des Westschweizer Energieunternehmens Romande Energie ausgewirkt. Sowohl Umsatz als auch Gewinn gingen deutlich zurück. Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten 2017 um 5 Prozent auf 277 Millionen Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Der Rückgang sei einerseits auf den ausserordentlich milden Winter zurückzuführen. Andererseits hätten die Kunden mit regulierten Tarifen von einem Preisrückgang um rund 2 Prozent profitiert, heisst es. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT brach um 35 Prozent auf 37,4 Millionen Franken ein. Hier machte sich ein einmaliger Sondereffekt aus dem Vorjahr bemerkbar: Damals hatte die Senkung des Umwandlungssatzes in der Beruflichen Vorsorge eine einmalige Gutschrift von 12 Millionen beim Personalaufwand zur Folge.

GRUNDSTEINLEGUNG: (Kilchberg ZH) Für rund 100 Millionen Franken wird bis 2020 ein Besucher- und Forschungszentrum auf dem Gelände des Schokoladeherstellers Lindt&Sprüngli in Kilchberg ZH entstehen. 350'000 Personen jährlich sollen ab dann Museum, Shop und Café besuchen. "Wir fühlen uns Kilchberg sehr verbunden. Für das Chocolate Competence Center kam kein anderer Standort in Frage als dort, wo unsere Wurzeln sind", sagte Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident von Lindt&Sprüngli sowie Präsident der Stiftung, die das neue Schokoladezentrum realisiert, bei der Grundsteinlegung. Die Bauarbeiten hatten bereits im Januar begonnen. Der Aushub für den rund 90 Meter langen und 54 Meter breiten Baukörper umfasste 4500 Lastwagenladungen Erde.

KONSTANTE PERSONALBESTÄNDE: (Zürich) Arbeitgeber in der Schweiz rechnen bis Ende Jahr mit konstanten Personalbeständen. Experten werten dies als Zeichen der Stabilität. Die Netto-Arbeitsmarktprognose für das vierte Quartal liegt bei null Prozent, wie Experten des Arbeitsvermittlers Manpower errechnet haben. Die Kennziffer ergibt sich aus der Differenz zwischen der Anzahl der Arbeitgeber, die eine Zunahme der Beschäftigtenzahl in ihrem Unternehmen im nächsten Quartal erwarten, und der Anzahl der Arbeitgeber, die mit einer Abnahme rechnen.

MEHR RENDITE: (Zürich) Im Niedrigzinsumfeld ist es auch für reiche Familien nicht einfach, ihr Vermögen gewinnbringend anzulegen. Laut einer Studie ist ihnen dies aber 2016 wieder besser gelungen als noch im Jahr zuvor. Ausserdem wollen gerade Familien mit jüngeren Kindern in Zukunft vermehrt auf nachhaltige Anlagen setzen. Das globale Gesamtportfolio sogenannter Family Offices erzielte 2016 einen Ertrag von 7 Prozent, nach 0,3 Prozent im Jahr 2015. Das zeigt eine Studie der Grossbank UBS und Campden Wealth Research. Für ihre Untersuchung haben die Forscher weltweit Inhaber und Führungskräfte von 262 Family Offices mit verwalteten Vermögen in Höhe von durchschnittlich 921 Millionen Dollar befragt. Reiche Familien übernehmen nämlich die Verwaltung ihres Geldes in der Regel nicht selber. Oft geben sie diese Aufgabe in die Hände von Family Offices, also Privatbüros von Familien mit grossem Vermögen.

MEHR PENDLER: (Vaduz FL) Im Fürstentum Liechtenstein ist die Anzahl der täglich pendelnden ausländischen Arbeitskräfte letztes Jahr weiter gewachsen. Deren Anteil stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 54 Prozent. Von den insgesamt 37'453 Beschäftigten pendelten 20'239 aus dem benachbarten Ausland zur Arbeit ins Fürstentum, wie das liechtensteinische statistische Amt vermeldete. Mit einem Anteil von 54,3 Prozent stellten Schweizerinnen und Schweizer die Mehrheit unter den Pendlern, gefolgt von Österreicherinnen und Österreichern mit 41,6 Prozent. Mit 3,1 Prozent ausgewiesen sind die Arbeitskräfte aus Deutschland. Die Verhältnisse auf dem liechtensteinischen Arbeitsmarkt hatten im Jahr 2007 gedreht. Damals war der Anteil der Pendler von 48,7 auf 50,1 Prozent geklettert.

KRANKHEITSBEDINGTE FLUGAUSFÄLLE: (Berlin) Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat etwa 70 Flüge gestrichen. Grund dafür waren Krankheitsfälle von Piloten. Das Unternehmen rief betroffene Fluggäste auf ihrer Internetseite auf, nicht zum Flughafen zu kommen und sich stattdessen an die Hotline zu wenden. Die "Bild"-Zeitung berichtete in ihrer Online-Ausgabe, Hintergrund sei eine Piloten-Revolte, weil der Zeitung zufolge am Montag die Verhandlungen zum Übergang von 1200 Air-Berlin-Piloten auf den potenziellen neuen Käufer von der Geschäftsführung abgebrochen wurden.

UMSTRITTENE ARZNEIAUTOMATEN: (Frankfurt) Der Arznei-Versandhändler DocMorris - eine Tochter des Schweizer Konzerns Zur Rose will trotz eines Gerichtsverbots im deutschen Bundesland Baden-Württemberg weitere Apothekenautomaten in Deutschland eröffnen. Man werde einen neuen Versuch unternehmen. "Wir wollen auch in strukturschwachen Gegenden Menschen mit Arzneien versorgen, besonders wenn die Dorfapotheke schliesst", teilte Walter Oberhänsli, Chef der Konzernmutter Zur Rose mit Sitz in Steckborn TG der Nachrichtenagentur dpa mit. Im Juni hatte in Deutschland das Landgericht Mosbach vorläufig den Betrieb eines Apothekenautomaten im Ort Hüffenhardt untersagt. Dort verkaufte DocMorris Medikamente, indem Mitarbeiter in den Niederlanden per Video berieten und Arzneien per Knopfdruck freigaben.

STEIGENDER ERDÖLBEDARF (Wien) Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) erwartet für nächstes Jahr einen fast ebenso starken Anstieg des weltweiten Ölbedarfs wie dieses Jahr, nämlich um gut 1,4 Prozent. Das geht aus dem neuen OPEC-Monatsbericht von August hervor, der für 2017 mit 1,5 Prozent Plus rechnet. Das Wachstum werde sich vor allem ausserhalb des OECD-Raums abspielen, etwa in China. Konkret rechnet die OPEC für 2018 mit einem Zuwachs des globalen Ölhungers um 1,35 Millionen Fass pro Tag auf im Schnitt 98,1 Millionen Barrel täglich - und dabei, anders als zuletzt, doch erneut mit einem leichten Anstieg der Nachfrage nach OPEC-Öl.

STEIGENDE TEUERUNG: (London) Die wirtschaftlichen Folgen der Brexit-Entscheidung heizen die Inflation in Grossbritannien immer stärker an. Die Jahresteuerung war im August mit 2,9 Prozent so hoch wie seit April 2012 nicht mehr. Dies teilte das Statistikamt ONS am Dienstag mit. Experten hatten einen Anstieg um 2,8 Prozent erwartet nach einem Plus von 2,6 Prozent im Juli. Damit entfernt sich die Inflationsrate weiter vom Ziel der Notenbank, die eine Jahresteuerung von zwei Prozent anstrebt. Getrieben werden die Preise vor allem durch das schwächere Pfund, das nach dem Anti-EU-Referendum der Briten vom Juni 2016 unter Druck geraten ist.

(AWP)