Tagesüberblick Wirtschaft

Montag, 23. Oktober 2017
23.10.2017 17:59

TERMINPLANER: (Zürich) Der Online-Terminplaner Doodle entstand vor zehn Jahren aus einer einfachen, aber bestechenden Idee. Heute steht die Firma für die erfolgreiche Schweizer Start-up-Szene und hat mit dem Medienkonzern Tamedia einen potenten Besitzer. Die Idee für Doodle entstand im Jahr 2007, als der Informatiker Michael Näf ein gemeinsames Nachtessen mit Freunden organisierte und dazu unzählige Telefonanrufe tätigen musste. "Der Prozess für die Terminfindung war sehr zeitaufwändig und umständlich. Das gab mir den Impuls, mir zu überlegen, wie man diesen Prozess effizienter gestalten könnte", erinnert sich Näf im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Zusammen mit seinem Kollegen Paul Sevinç beginnt der damalige Dozent an der ETH-Zürich mit der Entwicklung von Doodle. Nach kurzer Zeit organisieren bereits mehrere Hunderttausend Nutzer ihre Terminfindung über die Plattform. Ende 2008 zählt Doodle bereits 2 Millionen Nutzer. Die Zahl der monatlichen Nutzer auf der Planungsseite ist inzwischen auf 26 Millionen angestiegen.

MEHR UMSATZ: (Root) Im Schweizer Detailhandel sind im vergangenen Jahr 32,6 Milliarden Franken umgesetzt worden, 1 Prozent mehr als 2015. Die Verkäufe steigern konnten jedoch nur zentral gelegene Läden und Discounter. So erreichten Harddiscounter 2016 gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzplus von 4,4 Prozent, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen mitteilte. Auch kleine Supermärkte (+3,6 Prozent) und Minimärkte (+1,6 Prozent) konnten ihre Verkäufe steigern. Rückläufige Umsätze stellt Nielsen jedoch bei Supermärkten (-0,5 Prozent), grossen Supermärkten (-0,4 Prozent) und Hypermärkten (-0,9 Prozent) fest. Im Detailhandel seien vor allem kleine Formate mit zentralen Standorten gefragt, die das steigende Bedürfnis der Bevölkerung nach Take-away-Konsum bedienten, heisst es in der Mitteilung.

AUF FORDERUNG VERZICHTET: (Küsnacht ZH) Der Swissair-Liquidator muss einen Rückschritt vermelden. Er kann eine Forderung von rund 3,4 Millionen Euro gegenüber der belgischen Fluggesellschaft Sabena nicht durchsetzen. Nach einem negativen Gerichtsurteil verzichtet er auf eine Berufung - mangels Erfolgschancen und wegen der hohen Kosten. Allerdings können Gläubiger die Abtretung des Prozessführungsrechts verlangen, wie aus dem neusten Zirkular hervorgeht. Die Forderung geht auf eine Partnerschaft zwischen der Swissair und der Sabena zurück, die im Jahr 2000 nach englischem Recht geschlossen wurde. Der Liquidator wollte den Anteil der Sabena an einem Vergleich mit der SAirGroup Finance (NL) einholen. Doch die Forderungen seien zu spät angemeldet worden, befand das Handelsgericht in Brüssel.

AUFTRAG ERHALTEN: (Thun) Der Solarindustriezulieferer Meyer Burger hat in Italien einen Grossauftrag von rund 45 Millionen Franken an Land gezogen. Das Unternehmen wird für einen Solarmodulhersteller zwei Produktionslinien zur Herstellung für sogenannte bifaziale Heterojunction-Solarzellen montieren und warten. Diese Solarmodule produzieren sowohl über die Vorder- wie auch Rückseite des Moduls Elektrizität. Die Produktionsanlage dafür soll vollständig automatisiert werden. Die Auslieferung startet Mitte des nächsten Jahres, 2019 soll der Betrieb voll aufgenommen werden. Zum Auftrag gehört auch, dass Meyer Burger die Mitarbeiter des italienischen Unternehmens vor Ort schult.

STEIGENDE IMPORTE: (Vaduz) Das Fürstentum Liechtenstein hat im dritten Quartal deutlich mehr Waren importiert als in der Vorjahresperiode. Die Einfuhren stiegen um 9,5 Prozent auf 531 Millionen Franken. Beim Export war das Wachstum hingegen nur minim, wie das Amt für Statistik mitteilte. Die Warenexporte wuchsen um 0,8 Prozent auf 819 Millionen Franken. Der Liechtensteiner Warenhandel wird an den schweizerischen Grenzstellen erfasst. Der Handel mit der Schweiz wird deshalb nicht ausgewiesen.

IN GUTER LAUNE: (Brüssel) Die Kauflaune im Euro-Raum hat sich im Oktober aufgehellt. Sie ist so gut wie seit 16 Jahren nicht mehr, wie aus den von der EU-Kommission vorgelegten Daten hervorgeht. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen legte zum Vormonat um 0,2 auf minus 1,0 Punkte zu. Die Euro-Zone befindet sich derzeit konjunkturell im Aufwind. Der lange Zeit wirtschaftlich hinterher hinkende Währungsraum wird einer OECD-Prognose zufolge in diesem Jahr beim Wirtschaftswachstum die USA einholen. In beiden Regionen werde das Bruttoinlandprodukt um 2,1 Prozent zulegen, sagt die Industriestaaten-Organisation voraus.

REKORD GEKNACKT: (Tokio) Getrieben vom Wahlsieg der Regierungskoalition hat der japanische Leitindex Nikkei 225 die längste Gewinnserie seiner Geschichte hingelegt. Am Montag ging er zum fünfzehnten Mal in Folge mit einem Plus aus dem Handel. Damit hielt die Kurssteigerung länger an als zuletzt Anfang der 1960er Jahre, als der Index 14 Tage hintereinander angestiegen war. Der Nikkei 225 schloss 1,11 Prozent höher bei 21'696,65 Zählern. Das war gleichzeitig der höchste Schlussstand seit 1996. Bei den Parlamentswahlen hatten die regierenden Parteien unter Ministerpräsident Shinzo Abe erneut eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Unterhaus erreicht. Eine Fortsetzung der nach ihm benannten Wirtschaftspolitik ist damit sehr wahrscheinlich. Die "Abenomics" sehen unter anderem eine extrem lockere Geldpolitik vor, die den Yen schwächt.

KARTELLERMITTLUNGEN: (Hamburg) Die EU-Kartelluntersuchungen bei den grossen deutschen Autobauern nehmen an Fahrt auf: Nur wenige Tage nach der Razzia bei BMW rückten die Wettbewerbshüter auch bei Daimler und Volkswagen an. Die Beamten seien derzeit in Stuttgart, sagte eine Daimler-Sprecherin. Die Konzernzentrale sei nicht betroffen. Volkswagen teilte mit, die EU-Kommission habe Unterlagen in Wolfsburg und bei der Tochter Audi in Ingolstadt gesichtet. Ob die EU-Kommission ein formelles Verfahren einleiten werde, sei noch unklar. In Brüssel bestätigte die EU-Kommission Durchsuchungen bei mehreren Autobauern, nannte aber keine Namen. Sie verwies erneut darauf, dass Inspektionen ein erster Schritt in den Ermittlungen seien und nicht bedeuteten, dass sich ein Unternehmen etwas zu Schulden habe kommen lassen.

UNTER DRUCK: (New York) Die Insolvenz der US-Spielzeugkette Toys R Us macht dem Transformers- und Monopoly-Hersteller Hasbro zu schaffen. Der Konzern schlug sich im dritten Quartal zwar noch besser als erwartet, schockte aber mit einem trüben Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft. Wegen der Probleme von Toys R Us und Schwierigkeiten in bestimmten Märkten sei im vierten Quartal nur noch ein Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent im Jahresvergleich zu erwarten, teilte der Mattel-Rivale mit. Im dritten Quartal übertraf Hasbro die Erwartungen. Verglichen mit dem Vorjahreswert kletterte der Gewinn um drei Prozent auf 265,6 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg insbesondere dank starker Nachfrage nach dem Spiele-Klassiker Monopoly sowie Magic-Sammelkarten um sieben Prozent auf 1,79 Milliarden Dollar.

PROZESS GEGEN EX-FINANZMINISTER: (Wien) Der Buwog-Strafprozess unter anderem gegen den ehemaligen österreichischen Finanzminister Karl-Heinz Grasser beginnt am 12. Dezember. Im Verfahren geht es um den Verdacht der Untreue und der Bestechung bzw. Beteiligung daran bei der Privatisierung der Bundeswohnungen sowie der Vermietung des Linzer Terminal Towers. Der damals amtierende Finanzminister Grasser soll mittels der Lobbyisten Walter Meischberger und Peter Hochegger von Firmen Geld für Informationen bzw. Entscheidungen verlangt haben. Der Makler Ernst Karl Plech soll sein Immobilien-Fachwissen beigesteuert haben. Auf der Anklagebank werden neben Gasser auch Hochegger, Meischberger, Plech und weitere Angeklagte sitzen. Alle 15 Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Bis 1. März 2018 sind 25 Prozesstage vorgesehen. Die Ermittlungen für das Verfahren dauerten sieben Jahre.

ZEITPLAN BEKRÄFTIGT: (Riad) Der saudiarabische Ölriese Aramco wird nach Angaben seines Vorstandschefs Amin Nasser wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2018 an die Börse gehen. "Der Börsengang ist im Zeitplan", sagte Nasser dem Fernsehsender CNBC. Er reagierte damit auf Berichte, der Verkauf von knapp fünf Prozent der Anteile an der staatlichen Aramco könnte verschoben werden. Ebenso wies Nasser Berichte zurück, die saudiarabischen Behörden verhandelten bereits mit chinesischen oder anderen Investoren über einen Verkauf von Aramco-Anteilen. Der Börsengang von Aramco soll bis zu 100 Milliarden Dollar in die Kasse des Staates spülen. Saudi-Arabien hat wegen des Verfalls des Ölpreises ein Defizit von 200 Milliarden Dollar in den vergangenen drei Haushaltsjahren angehäuft.

NOCH STILLHALTEN: (Bangalore) Die US-Notenbank Fed wird laut Experten auf der Zinssitzung Ende des Monats still halten und erst im Dezember die Zügel straffen. In einer Umfrage unter 100 Ökonomen rechnet keiner der Fachleute mit einer Erhöhung Mitte nächster Woche. Die meisten erwarten diesen Schritt erst für Dezember. Demnach dürfte die Spanne für den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 1,25 bis 1,50 Prozent steigen. Die Zentralbank hat zudem drei weitere Schritte nach oben für 2018 signalisiert. Die Experten rechnen jedoch damit, dass es nur zu zwei Erhöhungen kommen wird - auch wegen einer voraussichtlich weiter hartnäckig niedrigen Inflation in den USA. Die noch ungeklärte Führungsfrage bei der Notenbank macht die Vorhersage laut Experten besonders schwierig.

WENIG RENTABEL: (Tokio) Angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfelds haben japanische Banken nach Ansicht der Notenbank einen besonders schweren Stand. Die Banken arbeiteten weniger rentabel und seien in dieser Hinsicht im internationalen Vergleich schlecht gestellt, warnte die Bank of Japan (BoJ). Als Grund für die schwindende Profitabilität sieht die BoJ neben dem herrschenden Nullzins einen verschärften Wettbewerb zwischen den Banken, deren Struktur oftmals von einem zu dichten Filialnetz und zu viel Personal geprägt sei. Falls die Defizite nicht angegangen würden, drohe eine Destabilisierung des Bankensystems.

(AWP)