Gegen 19 Uhr löste die Polizei die Kundgebung nach mehreren Stunden zunehmender Spannungen auf. Im Parc Mon Repos hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch Hunderte friedliche Demonstrierende auf, während die Einsatzkräfte an verschiedenen Orten gegen gewalttätige Gruppen vorgingen. Tränengas kam weiterhin zum Einsatz.

«Wir sind an mehreren Fronten im Einsatz», sagte Laurent Paoliello, Sprecher des Genfer Departements für Institutionen und Digitalisierung, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er sprach von rund 600 Angehörigen des Schwarzen Blocks. Diese errichteten teilweise Barrikaden und seien auf verschiedene Orte verteilt. Verletzte seien zunächst keine gemeldet worden.

Die Lage hatte sich etwas mehr als eine Stunde nach Beginn der Kundgebung zunächst im Bereich der Rue des Alpes und des Bahnhofs zugespitzt. Dort wurde ein Fahrzeug der Marke Tesla in Brand gesetzt. Zudem wurden Schaufenster einer Bank beschädigt.

Pflastersteine, Feuerwerkskörper, Tränengas

Im Nations-Quartier kam es anschliessend zu weiteren Zusammenstössen. Demonstrierende bewarfen die Polizei mit Pflastersteinen und Feuerwerkskörpern. Die Einsatzkräfte reagierten mit Tränengas.

Ziel von Sachbeschädigungen wurden mehrere Banken sowie weitere Gebäude, darunter jenes der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) und des Beratungsunternehmens PwC. Auf der Avenue de France wurden zudem Gegenstände des öffentlichen Mobiliars sowie Feuerwerkskörper auf die Bahngeleise geworfen. Die Polizei hatte im Vorfeld nach eigenen Angaben gefährliche Gegenstände wie Äxte und Schlagstöcke sichergestellt.

Gegen Faschismus, Imperialismus und Kapitalismus

Die Kundgebung hatte um 15.15 Uhr bei grosser Hitze am Quai Wilson begonnen. Angeführt wurde der Demonstrationszug vom feministischen Block, passend zum nationalen Frauenstreiktag vom 14. Juni. Weitere Blöcke vertraten unter anderem pro-palästinensische, revolutionäre, kurdische und gewerkschaftliche Anliegen.

«Genf erhebt sich», skandierten die Demonstrierenden. Transparente und Slogans richteten sich gegen Faschismus, Imperialismus und Kapitalismus. Die No-G7-Koalition fordert die Auflösung der G7, deren Gipfeltreffen von Montag bis Mittwoch im französischen Évian stattfindet. Zu den G7-Staaten gehören die USA, Deutschland, Japan, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien und Kanada.

Trotz der Ausschreitungen zog die Koalition eine positive Bilanz. «Wir haben gewonnen, wir hatten eine grossartige Demonstration», sagte Françoise Nyffeler vor mehreren Hundert Aktivistinnen und Aktivisten. Die Organisatoren hatten monatelang mit den Behörden um eine Bewilligung und die Demonstrationsroute gerungen.

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 20'000 Menschen an der Kundgebung. Die No-G7-Koalition sprach von 60'000 Teilnehmenden. Eine Sicherheitsbilanz wollten die Behörden noch am Abend vorlegen.

Für den Einsatz standen rund 1000 Genfer Polizistinnen und Polizisten sowie Verstärkung aus anderen Kantonen und aus Frankreich bereit. Die Behörden wollten Ausschreitungen wie jene am Rande des G8-Gipfels von 2003 in Évian verhindern. Zahlreiche Geschäfte in der Genfer Innenstadt hatten ihre Schaufenster vorsorglich mit Schutzwänden gesichert.

(AWP)