Die Bestellungen in der deutschen Industrie legten um 4,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten mit einem Plus von 4,8 Prozent gerechnet, nach einem Auftragsschwund von revidiert 10,1 Prozent im August. Ökonomen äusserten sich in ersten Kommentaren zu den aktuellen Zahlen.
JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:
«Das ist mal eine positive Überraschung von den Auftragseingängen. Auch ohne die stark schwankenden Grossaufträge zogen die Orders im September kräftig an. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Aufträge den Seitwärtstrend der zurückliegenden anderthalb Jahre verlassen und wieder steigen. Allerdings sollte man nicht zu optimistisch werden, weil die deutsche Industrie weiter vom China-Schock, von Trumps Zöllen und dem Reform-Stillstand belastet wird.»
ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT BETHMANN HAL BANK:
«Der Auftragseingang holt einen Teil der Verluste aus dem Vormonat wieder auf. Momentan hakt es an Grossaufträgen, die weniger erteilt worden sind. Auch wegen des Fiskalpakets ist die Auftragslage aber weiter komfortabel. Volle Auftragsbücher sorgen jedoch nicht automatisch für Produktion. Hier drückt weiter der Schuh, da Produktion durch Standortnachteile und Energiepreise ausgebremst wird. Der Wert eines hohen Auftragsbestands ist deshalb niedriger als ohne diese Bremseffekte. Er dürfte nicht dafür sorgen, dass Unternehmen wieder mehr Arbeitskräfte einstellen.»
THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM VP BANK:
«Die Auftragseingänge für den September überzeugen auf ganzer Linie. Die Sommerflaute ist vorbei. Nach dem deutlichen Rücksetzer der Auftragseingänge im Vormonat galt ein kräftiger Zuwachs im September beinahe als sicher. Die Einbussen des Vormonats waren vor allem auf den Automobilsektor zurückzuführen. In diesem Bereich hatten die Auftragseingänge und die Produktion unter anderem aufgrund von Produktionsumstellungen und Werksferien auf einem niedrigen Niveau gelegen. Der Automobilbau blickt nun auf ein Auftragsplus von 10,5 Prozent.»
(Reuters)

