«Die Inflationsrate erreichte im September mit über drei Prozent einen neuen Jahreshöchststand», sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. «Besonders zeigte sich die Teuerung bei Mineralölprodukten an den Tankstellen und beim Heizöl.»
Im September mussten Verbraucher in Deutschland für Kraftstoffe und Haushaltsenergie 14,9 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Damit verstärkte sich die Teuerung für Energie im September den dritten Monat in Folge und erreichte den höchsten Anstieg seit Februar 2023.
Sprit verteuerte sich im September um gut 37,1 Prozent binnen Jahresfrist und leichtes Heizöl um fast 75 Prozent. Auch Brennholz, Holzpellets und andere feste Brennstoffe (plus 15,6 Prozent) wurden gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich teurer. Dagegen verbilligten sich Strom (-5,5 Prozent), Erdgas ohne Betriebskosten (-2,8 Prozent) und Fernwärme (-1,0 Prozent).
Je höher die Inflation, umso geringer die Kaufkraft der Menschen. Schon im August war die Teuerung mit 2,9 Prozent erhöht. Von August auf September des laufenden Jahres stiegen die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent.
Ölpreise stark gestiegen
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs ist Energie Haupttreiber der Inflation, nicht nur in Deutschland. Weil Tankschiffe die für den Öl- und Gashandel wichtige Strasse von Hormus nicht verlässlich passieren können, sind die Ölpreise stark gestiegen - zuletzt über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Autofahrer bekamen das mit Rekord-Spritpreisen an den Tankstellen zu spüren.
Bei Nahrungsmitteln stiegen die Preise im September dagegen kaum um 0,4 Prozent. Deutlich teurer wurden Eier (plus 15,2 Prozent) und frisches Gemüse (plus 12 Prozent). Billiger wurden vor allem Speisefette und Speiseöle (-15 Prozent), darunter Butter (-29,5 Prozent), und frisches Obst (-4,9 Prozent).
Dienstleistungen verteuerten sich um 2,7 Prozent und damit unterdurchschnittlich. Die Nettokaltmieten legten im September um 1,9 Prozent zu.
«Der Anstieg der Inflation im September ist wie in allen Monaten seit Beginn des Iran-Kriegs fast ausschliesslich auf die höheren Kraftstoff- und Heizölpreise zurückzuführen», sagte Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Inflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie sei wie im August bei 2,4 Prozent geblieben.
Was bringt der Tankrabatt?
Die Bundesregierung hat trotz Kritik vieler Experten erneut einen Tankrabatt auf den Weg gebracht, mit dem die Steuern auf Sprit von 1. Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent je Liter sinken. Das könnte die Inflationsrate nach Schätzung von Volkswirten um etwa 0,2 Prozentpunkte dämpfen.
2026 dürfte Prognosen zufolge für Deutschland dennoch das sechste Jahr in Folge mit einer Inflationsrate über der Zwei-Prozent-Marke werden. Da auch in anderen grossen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien die Preise anziehen, erwarten Ökonomen, dass die EZB im laufenden Jahr die Leitzinsen ein drittes Mal anhebt. Im September stieg die Inflation in der Eurozone auf 3,8 Prozent - das ist der höchste Stand seit drei Jahren und weit über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2,0 Prozent./ben/als/DP/mis
(AWP)
