Am Dienstagmorgen hatten Unbekannte versucht, nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde Kurzschlüsse zu erzeugen. «In zwei Fällen ist es gelungen, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung einzubringen», so der Minister. «In einigen weiteren Fällen ist das glücklicherweise nicht gelungen.»
Klar sei: Es habe sich um ein systematisches Vorgehen gehandelt. Zunächst blieb unklar, ob es sich um selbst gebastelte Flugkörper oder hergestellte Raketen handelte.
Bauanleitungen im Internet?
Im Fokus der Ermittler steht nun unter anderem, wie spezialisiert das Wissen der Täter gewesen ist. «Ob es beispielsweise Bauanleitungen für solche Geräte auch im Internet gibt», sagte Redmann. Das sei «kein Kinderstreich» gewesen.
Wer hinter den Angriff steckte, sei noch unklar. «Gegenwärtig laufen die Ermittlungen in alle Richtungen», sagte der Minister. «Wir wissen natürlich, dass es in der Vergangenheit in der Region insbesondere aus dem linksextremen Spektrum Anschläge auf das Stromnetz gab.» Genauso wenig könne man ausschliessen, «dass fremde Mächte hinter diesem Anschlag stecken oder Dritte, die wir heute noch gar nicht kennen».
Polizei startet Hilfeaufruf für die Aufklärung
Laut Netzbetreiber 50Hertz ist der Angriff glimpflich ausgegangen. So gab es durch die Sabotage keinen Stromausfall. «Wir nehmen den Vorfall sehr, sehr ernst, weil die Art und Weise der Tatbegehung natürlich geeignet gewesen wäre, grössere Schäden zu verursachen», so Redmann.
Die Polizei ruft mögliche Zeuginnen und Zeugen nun dazu auf, sich an der Aufklärung der Sabotage zu beteiligen. Sie fragt:
* Wer hat die Tat am Morgen des 1. September bemerkt?
* Wer kann Angaben zu möglichen Tatverdächtigen machen und/oder sie beschreiben?
* Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben?
In dem Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neisse unweit der Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben des Energieunternehmens Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet. Ende 2028 sollen alle Kraftwerksblöcke endgültig stillgelegt werden.
Mehrere Anschläge im Grossraum Berlin in der Vergangenheit
In den vergangenen Monaten gab es mehrere Vorfälle im Zusammenhang mit der Stromversorgung. Im Januar zündeten mutmasslich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Zu dem Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten «Vulkangruppen», die als Ziel den Kampf gegen Kapitalismus angaben.
Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen grossen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt./ane/DP/zb
(AWP)
