Das Fest unter dem Motto «Viele Stärken - Ein Land» findet dieses Jahr in Bremen statt, weil das kleinste Bundesland die Präsidentschaft im Bundesrat innehat. Zur Feier kam die politische Spitze Deutschlands in die Hansestadt - neben dem Bundespräsidenten auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), einige Minister, fast alle Regierungschefinnen und Chefs der Länder sowie Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts. Gleichzeitig feierten Hunderttausende Menschen ein Bürgerfest mit buntem Programm.
Bundespräsident: «Habt Mut zur Erneuerung!»
Mit Blick auf die Gegenwart warnte der Bundespräsident vor extremistischen Kräften, die Freiheit, Demokratie und Einheit ins Wanken bringen. Eindringlich forderte er dazu auf, die Demokratie zu verteidigen. «Ich habe gedacht, alle hätten die Lektion aus der Geschichte gelernt,» sagte er. Nun müsse er sehen, wie Rechtsextreme das Andenken an die Opfer des Holocausts ausradieren wollten. Die Politik müsse sich ohne Schonung fragen, was versäumt wurde, dass sich so viele Menschen abwenden und Extremisten eine solche Resonanz finden.
Gleichzeitig versuchte das Staatsoberhaupt, Mut zu machen. Es habe in den vergangenen Jahrzehnten viele Krisen gegeben, die gelöst wurden. Der Schlüssel sei politischer Wille, eingefahrene Routinen zu verlassen. «Habt Mut zur Erneuerung!», sagte er in Richtung Politik. Es sei wichtig, entschlossen zu handeln - auch bei Gegenwind. «Unser Deutschland ist ein gutes Land. Schaffen wir ein noch besseres!», sagte er am Ende seiner eindringlichen Rede, für die er langen Applaus bekam.
Bundesratspräsident: Einheit als «Auftrag für die Zukunft»
Bundesratspräsident und Gastgeber Andreas Bovenschulte (SPD) rückte die Frage in den Mittelpunkt, was Zusammenhalt heute bedeutet. «Einheit braucht Anerkennung. Für unterschiedliche Lebenswege und für das, was Menschen geleistet haben.» Die Einheit sei nicht nur ein historischer Akt, sondern ein Auftrag für die Zukunft.
Auch Bovenschulte warnte vor Kräften, die Rechte infrage stellten und freie Medien, unabhängige Gerichte sowie Wissenschaft verächtlich machten. «Demokratie braucht Streit. Aber der politische Gegner ist kein Feind», sagte der Bundesratspräsident.
Gottesdienst zu einem bekannten Märchen
Die zentralen Feierlichkeiten begannen am Morgen mit einem ökumenischen Gottesdienst zum Thema «Viele Gaben - ein Geist» - und dem berühmten Märchen der Bremer Stadtmusikanten von den Brüdern Grimm. Die vier Tiere - Esel, Hund, Katze und Hahn - seien so verschieden und gerade deshalb aufeinander angewiesen, predigte Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche. «Allein kommen wir nicht weiter. Ich glaube, das geht uns auch so.»
Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier sagte: «Begreifen wir, dass Einheit und Zusammenhalt nur da tragen, wo Menschen sie mit Haltung und Überzeugung leben und sich gegen Spaltung und Polarisierung stellen.»
Fest mit rund 800 Veranstaltungen und bekannten Bands
Der Gottesdienst sowie der Festakt mit einer launigen Moderation von Schauspielerin Katja Riemann, Musik der Bremer Philharmoniker und Tänzen wurden live im Fernsehen übertragen und auf mehreren Leinwänden auf dem Festgelände gezeigt.
Bis Sonntag wird die Einheit mit einem grossen Bürgerfest gefeiert, zu dem mehr als 400.000 Menschen erwartet wurden. In der Innenstadt und am Weser-Ufer sind zahlreiche Stände und Bühnen aufgebaut. Rund 800 Veranstaltungen sind geplant - neben kostenlosen Konzerten auch Diskussionen, Führungen und Ausstellungen. Am Samstagabend treten die Fantastischen Vier, Flo Mega und MiA auf, am Sonntag unter anderem der Sänger Kamrad und die Band Versengold.
Auf dem Festgelände zeigen viele Organisationen und Institutionen ihre Arbeit - darunter die Verfassungsorgane Bundesrat, Bundestag, Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht. Auf der «Ländermeile» auf dem Osterdeich präsentieren sich 15 Bundesländer. Der Zwei-Städte-Staat zeigt sich als Ausrichter der Feierlichkeiten auf mehreren Flächen in der Innenstadt. Dabei geht es um Raumfahrt und Mobilität, um Wissenschaft und Innovationen, um Bremen und Bremerhaven, wie die Veranstalter mitteilten.
Für Sicherheit sollen zahlreiche Polizisten und Polizisten aus verschiedenen Bundesländern sorgen. Auch die Bundespolizei ist im Einsatz - etwa an Bahnhöfen und am Flughafen Bremen. Viele Plätze und Strassen sind mit mobilen Durchfahrtssperren abgesichert, einige Bereiche werden mit Kameras überwacht./miu/DP/zb
(AWP)
