Besonders betroffen ist die Grossstadt Tais, wo die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen den Belagerungsring um die Stadt mit mehreren Hunderttausend Einwohnern in den vergangenen Wochen immer enger zogen. Es droht eine humanitäre Katastrophe.
Trinkwasserversorgung in Gefahr
«Seit der letzten Eskalation im September sind etwa 120.000 Menschen - mehr als die Hälfte aller neu Vertriebenen im Jemen - nach Tais geflohen», sagte Akhil Iyer, Länderrepräsentant für den Jemen beim UN-Kinderhilfswerk (Unicef). Viele seien bereits mehrmals geflohen und erreichten überfüllte Orte mit wenig Lebensmitteln, sauberem Wasser oder fast nichts, um sich selbst zu ernähren, sagte Iyer. Es fehle ihnen vor allem an Unterkünften, Nahrung und Geld.
Diesel-Engpässe bedrohten den Betrieb von Wasserpumpen, während sich die Preise für geliefertes Trinkwasser nach UN-Angaben seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe in den vergangenen Wochen verdreifacht haben. Die Menschen warteten stundenlang mit Kanistern, sagte Iyer.
Treibstoffvorräte in einigen Krankenhäusern knapp
Im gesamten Land verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Verdreifachung der Cholera-Verdachtsfälle innerhalb von drei Wochen. Durch knappes Trinkwasser und fehlende Sanitäranlagen steige das Risiko für Cholera und Durchfallerkrankungen.
Von der Treibstoffknappheit seien ebenso die Müllabfuhr und zwölf Krankenhäuser in der Stadt betroffen. Deren Treibstoffvorräte reichen nach Angaben der WHO nur noch für etwa vier Tage. Auch lebenswichtige Medikamente würden knapp.
Kommen Hilfslieferungen künftig durch?
Von mehr als 168.000 Kindern, die Unicef in Tais untersucht hat, seien über 52.000 akut mangelernährt. Schon vor der aktuellen Krise hat das UN-Kinderhilfswerk dort besondere Nahrungsmittel für unterernährte Kinder eingelagert. Sie könnten aber nicht verteilt werden, weil Benzin für die Lastwagen fehle und die Sicherheitslage so prekär sei. Nun gibt es laut Unicef für die von den Huthi-Rebellen kontrollierten Gebiete im gesamten Jemen eine neue Vereinbarung, Energienahrung für unterernährte Kinder zu liefern. Sie soll in Kürze von Unicef oder anderen Hilfsorganisationen an die Therapiezentren und Kliniken verteilt werden und würde für die kommenden sechs Monate reichen.
Die WHO und das UNHCR beklagen, dass nur ein Bruchteil der Finanzierung für Hilfsmassnahmen gesichert ist. Für humanitäre Hilfe aller UN-Organisationen fehlen in diesem Jahr hunderte Millionen US-Dollar.
Der Bürgerkrieg im Jemen ist im Zuge des Iran-Kriegs neu entflammt. Die vom Iran unterstützten Huthi nahmen bei einer Offensive weite Teile der Westküste am Roten Meer ein und rückten auch in andere Provinzen vor. Die Regierung versucht, mit Hilfe verbündeter Milizen und Saudi-Arabiens die Rebellen zurückzudrängen./mib/DP/jha
(AWP)
