Wie schon beim Einsatz einer Bohrplattform Ende 2024 bis Anfang 2025 in der Region ist die Anlage wieder von der deutschen Küste Usedoms aus sichtbar. Vertreter der Gemeine Heringsdorf zeigten sich überrascht.
CEP hatte sechs Kilometer von Swinemünde entfernt probeweise bohren lassen und später mitgeteilt, auf ein grosses Ölvorkommen gestossen zu sein. Von einem vielversprechenden Feld war die Rede. Auf deutscher Seite traf das Vorhaben auf Kritik.
Aktuell gehe es um eine zweite Bohrung, die als Teil des weiteren Verfahrens behördlich vorgegeben sei, sagte der Unternehmenssprecher. Demnach sollen die Arbeiten einige Tage in Anspruch nehmen.
Künstliche Insel geplant
Unterlagen, die für ein grenzüberschreitendes Umweltverträglichkeits-Verfahren eingereicht wurden, beschreiben, wie sich CEP die Ölförderung vorstellt. Demnach soll etwa sechs Kilometer entfernt von Swinemündes Hafeneinfahrt auf einer Fläche von etwa 10 Hektar eine künstliche Insel errichtet werden. Ein Wellenbrecher soll diese schützen. Von der Insel aus soll demnach das Öl gefördert werden und auf der Insel auch gleich so weiterverarbeitet werden, dass es als Rohöl per Schiff abtransportiert werden kann. Dafür soll auch eine eigene Zufahrt ausgebaggert werden.
Unter der Insel sollen mehrere Bohrlöcher eingerichtet werden. Die prognostizierte mögliche Förderdauer gibt CEP mit mehr als 30 Jahren an. Die Insel sei gross genug, um künftige Erweiterungen des Projekts und auch Gasförderung zu ermöglichen. Die gesamte Lagerstätte vor der Usedomer Nachbarinsel Wolin beschreibt CEP als grösste Öllagerstätte Polens. Das Ölverkommen umfasst demnach etwa 21 Millionen Tonnen.
Kritik
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte das Vorhaben. «Die Anwohner und Urlauberinnen vor Ort haben wieder überraschend eine Bohrplattform vor die Nase gesetzt bekommen», erklärte Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner und sprach von Intransparenz. «Eine neue Öl- und Gasförderung direkt vor Usedom darf es nicht geben», forderte er.
Erst am Donnerstag war nach Angaben der Europaabgeordneten Hannah Neumann (Grüne) der EU-Kommission eine Petition überreicht worden, mit dem Ziel, jegliche neue Öl- und Gasförderung in der Ostsee zu verbieten. Die Ostsee sei schon heute in einem schlechten ökologischen Zustand und stehe unter enormem Druck, so Neumann. «Insbesondere auf Usedom hängen Tourismus, Arbeitsplätze und Lebensqualität von sauberen Stränden, einer intakten Küste und einer gesunden Ostsee ab.»
Der Schweriner Umweltminister hatte das Projekt schon im zurückliegenden Sommer scharf kritisiert. Es stehe «für eine klimapolitisch rückwärtsgewandte Industriepolitik, die den Umwelt- und Tourismusinteressen auf deutscher Seite entgegensteht», so Till Backhaus (SPD).
Grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung
Laut Schweriner Wirtschaftsministerium hat die polnische Seite in diesem Sommer um Klärung gebeten, ob das Land Mecklenburg-Vorpommern an dem Verfahren zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) teilnehmen wird. Das Land habe sein Interesse an einer Beteiligung bekundet.
Derzeit erfolge das sogenannte Scoping des Verfahrens. Dabei geht es darum den Rahmen und Umfang des späteren UVP-Berichts abzustecken. Das Ziel sei, dass bei allen weiteren Prüfungen alle relevanten Auswirkungen berücksichtigt werden.
Das Bergamt Stralsund habe Behörden und Naturschutzvereinigungen zur Stellungnahme aufgefordert und werde die deutschen Stellungnahmen zum Umfang des Umweltverträglichkeitsberichts an die polnische Behörde übermitteln.
«Die Beteiligung der Öffentlichkeit und somit die Möglichkeit für private Betroffene oder Bürgerinitiativen, eine Einwendung abzugeben, erfolgt im weiteren Verfahren», so das Ministerium./chh/DP/men
(AWP)
