Mit einer neuen Tourismusstrategie wolle die EU-Kommission deshalb erreichen, dass «echter Mehrwert» geschaffen und zugleich die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung geschützt werde. «Wir müssen auf die Anliegen all jener Menschen reagieren, die dem Tourismus in ihren Heimatregionen zunehmend skeptisch gegenüberstehen. Wir müssen diese lokalen Gemeinschaften und Unternehmen unterstützen, anstatt einfach nur immer höhere Besucherzahlen anzustreben», sagte Tzitzikostas Journalisten.

Ziel: Tourismus soll allen zugutekommen

Innerhalb der nächsten sechs Monate werde man Empfehlungen für einen ausgewogenen Tourismus vorlegen, kündigte der griechische Politiker an. Besucherströme sollen nach Angaben der Behörde gleichmässiger über Jahreszeiten und Reiseziele verteilt werden.

In der EU sind vor allem die einzelnen Staaten für Regelungen zum Thema Tourismus zuständig. Mit einer übergreifenden Strategie, die nicht verbindlich ist, will Brüssel aber helfen, gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen. So soll zum Beispiel in den kommenden Jahren eine Tourismusakademie zur Ausbildung von Fachpersonal entstehen, die Infrastruktur in Europa soll verbessert werden, Daten sollen besser geteilt, Europa als weltweites Reiseziel gestärkt und besonders in Krisen wie der Preiskrise infolge des Iran-Kriegs noch besser zusammengearbeitet werden.

Austausch zu Reizthema Kreuzfahrten angekündigt

Besonderes Augenmerk soll auch auf Kreuzfahrttourismus gelegt werden. «Kreuzfahrten bringen Besucher und wirtschaftliche Aktivitäten in Hafenstädte und Küstenregionen. Wenn jedoch sehr viele Passagiere gleichzeitig ankommen, kann dies die lokale Infrastruktur, die Umwelt und die Bevölkerung erheblich belasten.» Darüber sollen sich verschiedene Akteure austauschen.

Im europäischen Tourismussektor sind laut Tzitzikostas mehr als 20 Millionen Menschen beschäftigt und 5 Millionen Unternehmen aktiv. 99 Prozent davon seien kleine und mittlere Unternehmen. Die EU ziehe 40 Prozent der weltweiten Touristen an. Gleichzeitig fehlten geschätzt 1 Million Arbeitskräfte. Zudem setzen demnach Klimawandel, internationaler Wettbewerb etwa aus Asien sowie die Kriege in Iran und der Ukraine mit Folgen für das Sicherheitsgefühl mancher Urlauber und etwa Flugpreise der Branche zu.

Bis zum Ende des laufenden Langzeithaushalts (2021 bis 2027) werde die Branche voraussichtlich 18 Milliarden Euro an EU-Unterstützung erhalten haben./wea/DP/jha

(AWP)