Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat stieg an der Börse in Amsterdam auf 87,20 Euro je Megawattstunde (MWh). Das waren etwa drei Prozent mehr als am Vortag und der höchste Stand seit Ende 2022. Als Preistreiber gelten jüngste Angriffe auf Handelsschiffe in der Strasse von Hormus und auch das verstärkte Auffüllen der Gasspeicher vor dem Winter.

Seit Beginn des Monats geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben. In dieser Zeit ist der Rohstoff um mehr als 20 Prozent teurer geworden. Seit Beginn des Jahres hat sich der Preis für europäisches Erdgas in etwa verdreifacht. Zuletzt war er zu Beginn des Ukraine-Kriegs stark gestiegen, wobei die Notierungen damals noch viel höher bis auf über 300 Euro je MWh gesprungen waren.

Rohstoffexperte Norman Liebke von der Commerzbank begründete den jüngsten Preisanstieg mit den anhaltenden Angriffen auf Schiffe und Energieinfrastruktur im Nahen Osten. In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu Angriffen auf Handelsschiffe in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Transportroute für Energierohstoffe aus den Fördergebieten am Persischen Golf.

Zudem hat eine Serie von Drohnen- und Raketenangriffen der vom Iran unterstützten Huthi auf den wichtigsten Flughafen Saudi-Arabiens den Druck auf Washington erhöht, sich stärker in den Konflikt im Jemen einzuschalten und damit eine weitere Eskalation der geopolitischen Lage im Nahen Osten zu riskieren.

Nach Einschätzung des Commerzbank-Experten Liebke liegen die Exporte von Erdgas aus der Region am Persischen Golf derzeit deutlich unter dem Vorkriegsniveau. "Katar, der grösste LNG-Exporteur der Region, kommt derzeit auf Ausfuhren von nur 20 bis 30 Prozent seiner Exportkapazität, sagte er.

Hinzu kommt, dass Deutschland derzeit bemüht ist, die Gasreserven vor dem Winter zu erhöhen. Im vergangenen Monat wurde das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicherbestände zu beschaffen. Dies hat die Preise zusätzlich gestützt. Die deutschen Gasspeicher sind zu knapp 60 Prozent gefüllt - ein Wert, der unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt von 87 Prozent liegt.

(AWP)