Das Fed-Direktoriumsmitglied Christopher Waller macht sein Abstimmungsverhalten bei der nächsten Zinssitzung von frisch hereinkommenden Inflationsdaten abhängig. «Meine Entscheidung über die angemessene geldpolitische Ausrichtung wird massgeblich davon abhängen, welche Erkenntnisse wir über die Inflation im August gewinnen», sagte Waller auf einer Veranstaltung in Washington am Donnerstag. Sollten weitere Fortschritte in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Federal Reserve erkennbar sein, sei er für eine weitere Zinspause.
Doch käme auch eine Erhöhung in Betracht: «Sollte die Inflation kräftig ausfallen, würde ich eine Zinserhöhung in Erwägung ziehen», sagte Waller mit Blick auf die Sitzung am 15. und 16. September. Der aktuelle Leitzins der Fed von 3,50 bis 3,75 Prozent dämpfe die Gesamtnachfrage «nur geringfügig». Es bedürfe somit keines grossen Inflationsanstiegs, um ihn zu einem Befürworter einer restriktiveren Geldpolitik zu machen. Die Inflation liege zwar «deutlich über» dem Zielwert der Fed. Doch gebe es «langsame, aber stetige Fortschritte».
Nach der Veröffentlichung von Wallers Äusserungen taxierten Händler die Chancen auf eine Zinserhöhung nicht mehr so hoch wie zuvor: Sie sehen die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt nun nur noch knapp über 50 Prozent, nachdem sie zuvor bei rund 60 Prozent gelegen hatte.
Die Fed hatte den geldpolitischen Schlüsselsatz zuletzt im Zielkorridor belassen. Jüngst hat Notenbankchef Kevin Warsh allerdings einen möglichen Handlungsbedarf bei anhaltend hoher Inflation angedeutet. In eine ähnliche Richtung gingen Äusserungen von Direktoriumsmitglied Michael Barr. Er verwies jüngst darauf, dass die Teuerung bereits seit über fünf Jahren über dem Zielwert der Notenbank liege. Wenn sich abzeichne, dass die Inflation nicht genügend zurückgehe, sei entschlossenes Handeln nötig.
(Reuters)

