Er kündigte Sitzungen an, bei denen der Zentralbankrat nicht über den Zins entscheiden wird. Zwar sei der Zentralbankausschuss überzeugt, dass acht Sitzungen im Jahr die richtige Anzahl an Treffen sei. «Im Jahr 2027 wird sich jedoch eine Sitzung ausschliesslich mit der allgemeinen geldpolitischen Strategie befassen; weder eine Abstimmung über den Leitzins noch eine geldpolitische Erklärung ist dabei vorgesehen», sagte er weiter.

Warsh hatte zuvor angekündigt, die Art der Kommunikation der Fed grundlegend überarbeiten zu wollen. Er argumentierte, dass das Gremium durch weniger Signale der Notenbank ein reineres Bild der Wirtschaft bekommen würde. Zu viele Hinweise führten dagegen zu Verzerrungen.

Ab 2027 weniger Zinsentscheide - Ende 2026 nochmal Erhöhung?

Im laufenden Jahr wird unterdessen mit Spannung erwartet, ob es beim letzten Entscheid in diesem Jahr im Dezember tatsächlich wie an den Märkten vorausgesagt zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik kommt. «Es liegt in unserer Verantwortung, die Inflation zu senken», sagte Fed-Chef Kevin Warsh bei einer Pressekonferenz - das spräche für eine Zinserhöhung.

Die Teuerungsrate liege seit sechs Jahren über dem Fed-Zielwert, betonte er. Dass es bereits jetzt Bereitschaft für eine Zinserhöhung gibt, zeigt das Abstimmungsmuster: Eine Mehrheit von zehn stimmberechtigten Mitgliedern votierte für eine Zinspause, während zwei für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte stimmten.

Bereits zuvor Signale für Zinsanstieg

Innerhalb der Fed hatte zuvor eine überwältigende Mehrheit Bereitschaft für eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr signalisiert: Angesichts der Inflation erwarteten 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt. Unter diesen können sich vier eine noch weitreichendere Straffung vorstellen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für 2027 ab: 14 Mitglieder erwarteten mit Stand September für das Jahr mindestens einen Leitzins von 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon rechnet mit 4,25 bis 4,5 Prozent. Neue Projektionen werden mit der Dezember-Sitzung veröffentlicht.

Auch die Europäische Zentralbank dürfte am Donnerstag bei ihrer Sitzung trotz der hohen Inflation die Zinsen nicht anheben. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,5 Prozent belassen wird.

Warum eine Zinspause plausibel erschien

Mitte September hatte die Fed erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins um einen Schritt, also 0,25 Prozentpunkte, angehoben. Warsh argumentierte, dass die Entscheidung eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed unterstützen werde.

Die Teuerungsrate lag zuletzt allerdings fast doppelt so hoch wie gewünscht: Die Verbraucherpreise hatten im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent zugelegt und sich damit dem höchsten Stand seit über drei Jahren angenähert. Angetrieben wurde die Preisentwicklung in der weltgrössten Volkswirtschaft vor allem durch Kosten für Energie, nachdem sich wichtige Rohstoffe wie Erdöl in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs deutlich verteuert hatten. Auch der Boom rund um Künstliche Intelligenz und solide Konsumausgaben heizen die Inflation weiter an.

Zugleich verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum deutlich. «Weder Inflation noch Beschäftigung liefern den Notenbankern ein klares Signal», sagte DWS -Chefvolkswirt für die USA, Christian Scherrmann.

Die anstehenden US-Parlamentswahlen dürften zudem die Entscheidung der politisch neutralen Fed beeinflusst haben, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank: «Eine Zinsanhebung hätte als Signal gegen den US-Präsidenten Donald Trump verstanden werden können.» Darauf angesprochen verneinte Warsh einen etwaigen Einfluss: «Ich habe nichts davon gehört und glaube auch nicht, dass es Einfluss auf die Entscheidung hatte.»

Zinssenkung würde keinen Sinn ergeben

Eine Zinssenkung, wie sie Trump seit langem erfolglos verlangt, halten Experten dagegen für unrealistisch. Diese lässt sich nicht mit den aktuellen Wirtschaftsindikatoren begründen. Zuletzt forderte er etwa, der Leitzins solle «bei einem Prozent oder darunter liegen».

Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Bei höheren Zinsen verteuern sich Kredite für Verbraucher und Unternehmen. Menschen und Firmen geben wegen der höheren Kreditkosten zögerlicher Geld aus, das bremst die Wirtschaft. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.

Mit der Straffung der Geldpolitik im September hatte Warsh gleich zwei Lager von Kritikern besänftigt. So vermissten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai tatsächliche Schritte, um der von ihm priorisierten Preisstabilität nachzukommen. Zudem nahm Warsh jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln, die ihm eine zu grosse Nähe zu Trump nachgesagt hatten. Mit dem Zinsschritt nach oben sahen Experten die Glaubwürdigkeit der Fed gewahrt, die von Gesetzes wegen unabhängig von der Politik über den Zins entscheiden soll./ngu/DP/jsl

(AWP)