Die Bewertung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone bleibe weiter auf «Aa3», wie aus einer Mitteilung vom späten Freitagabend hervorgeht. Am Markt war wegen der angespannten Haushaltslage und der jüngsten gewaltsamen Proteste gegen eine geplante Sparpolitik damit gerechnet worden, dass Moody's den beiden anderen wichtigen Ratingagenturen S&P und Fitch folgt und die Kreditbewertung ebenfalls senkt.

Der Markt für europäische Staatsanleihen reagierte am Montag mit Kursgewinnen auf die Ratingentscheidung. Im Gegenzug ging es mit den Renditen nach unten. In der zehnjährigen Laufzeit fiel die Rendite im frühen Handel um 0,05 Prozentpunkte auf 4,96 Prozent. In der vergangenen Woche hatte die Rendite zeitweise noch deutlich über 5 Prozent gelegen.

Mit der Bewertung «Aa3» liegt die Kreditbewertung weiterhin auf der vierthöchsten Stufe und sieben Stufen über Ramschniveau. Den Ausblick für das Rating haben die Experten von Moody's allerdings weiter auf «negativ» belassen. Damit bleibt eine Herabstufung in den kommenden Monaten möglich. Marktbeobachter sehen in der Ratingentscheidung eine Atempause für Frankreich, das weiter kaum einen Weg findet, die wachsende Schuldenlast einzudämmen.

Ein schwächeres Wirtschaftswachstum und ein höheres Haushaltsdefizit haben die französische Schuldenlast etwas stärker als erwartet erhöht, heisst es in der Mitteilung von Moody's am Freitagabend. «Die Anleiherenditen sind schneller gestiegen als von uns erwartet», schreiben die Experten. Sie verweisen auf die landesweiten Proteste, die die Bemühungen der Regierung in Paris für eine Haushaltskonsolidierung erschweren.

Am Wochenende war es erneut zu landesweiten Protesten gekommen. Premier Sébastien Lecornu hatte zuletzt einen Sparhaushalt für 2027 vorgelegt, in dem erhebliche Milliardeneinsparungen vorgesehen sind. Denn Frankreichs Staatsverschuldung ist auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen und alleine die Zinskosten verschlingen Summen, die für andere Ausgaben fehlen.

In den vergangenen Handelstagen waren die Renditen für französische Staatsanleihen deutlich stärker gestiegen als in anderen Ländern der Eurozone. Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen (Spread), also die Renditedifferenz zwischen französischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von jeweils zehn Jahren, stieg zeitweise auf über 1,7 Prozentpunkte und damit auf den höchsten Stand seit etwa 15 Jahren. Die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen lagen zeitweise bei mehr als 5,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 24 Jahren.

(AWP)