Zwar liegen die sechs Reaktoren still, das AKW braucht aber dauerhaft Strom, um den Atombrennstoff zu kühlen. «Der wiederholte Stopp der Stromversorgung von aussen für das Kernkraftwerk Saporischschja ist ein grundlegendes Sicherheitsrisiko», sagte der Experte Jan Vande Putte.
Die letzte verbleibende Zuleitung zum Werk mit einer Spannung von 330 Kilovolt war Anfang September nach fast drei Wochen Ausfall repariert worden. Während dieser Zeit hatten Dieselgeneratoren für Kühlstrom gesorgt. Für die Reparatur handelte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zum wiederholten Mal eine örtlich begrenzte Waffenruhe aus.
Hauptleitung fällt seit Mai aus
Eine 750-Kilovolt-Leitung fällt seit Mai aus, als ein etwa 100 Kilometer entferntes Umspannwerk auf ukrainischem Gebiet getroffen wurde. Kiew macht Russland für diesen Angriff verantwortlich. Nach IAEA-Angaben konnte der Schaden bei Reparaturarbeiten im Juni nicht behoben werden.
Dabei ist das Umspannwerk als Knotenpunkt wichtig nicht nur für das AKW Saporischschja, sondern auch für das AKW Südukraine und die Stabilität des Netzes insgesamt. «Russlands Angriffe auf das Stromnetz der Ukraine bedrohen die nukleare Sicherheit der drei laufenden Atomkraftwerke des Landes», sagte Vande Putte.
Moskau wirft der ukrainischen Armee vor, das Umfeld von Saporischschja zu beschiessen. Greenpeace hat mehrere dieser angeblichen Vorfälle anhand von Satellitenaufnahmen analysieren lassen und geht davon aus, dass die Vorwürfe nicht stimmen. Eher gehe es um russische Sabotage an den Leitungen, um den Druck auf die Ukraine zu erhöhen und Angst vor einem Atomunfall zu schüren, sagte der Greenpeace-Fachmann Shaun Burnie. Ukrainischen Angaben nach strebt Moskau auch einen Anschluss des AKWs an das eigene Stromnetz an. Das Kernkraftwerk Saporischschja liegt etwa 100 Kilometer von der gleichnamigen südukrainischen Grossstadt entfernt./fko/DP/stk
(AWP)
