SRF Meteo zählte innert kurzer Zeit rund 46'000 Blitze und vermeldete zwei geografische Bänder mit starken Hagel-Niederschlägen, die sich von der Region Basel und vom Neuenburgersee in östlicher Richtung zum Bodensee hinzogen.

Lokal hätten die Hagelkörner einen Durchmesser von bis zu 5 Zentimeter gehabt, meldete das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz). Die Versicherungen Allianz Suisse und Mobiliar schrieben von Millionenschäden.

Allianz Suisse rechnet ersten Hochrechnungen zufolge mit über 10'000 Schadenfällen, wie die Versicherung mitteilte. Die Mobiliar spricht vom «mit Abstand schwersten» Hagelunwetter in diesem Jahr.

Im Kanton Schaffhausen seien Windböen in Geschwindigkeiten von bis zu 142 Stundenkilometern gemessen worden, geht aus einer Auflistung von SRF Meteo hervor. In Hallau sei innert zehn Minuten eine Regenmenge von 23 Millimetern gemessen worden, gefolgt von Langenbruck BL mit 19 und Barmelweid AG mit 18 Millimetern.

290 Schadensmeldungen in Solothurn

Besonders stark betroffen war der Kanton Solothurn. Das Gewitter habe den Kanton ziemlich heftig heimgesucht, sagte eine Sprecherin der Solothurner Kantonspolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Am Vormittag seien rund 290 Schadensmeldungen eingegangen, teilte die Polizei mit. Eine 42-jährige Frau sei in Erlinsbach SO von einem umgestürzten Baum getroffen und dabei schwer verletzt worden. Sie musste gemäss Polizeimeldung nach der medizinischen Erstbetreuung vor Ort durch den Rettungsdienst in ein Spital gebracht werden.

Die Kantonspolizei Aargau meldete auf Anfrage, dass im Autobahnbereich Birrfeld/Birrhard ein Lastwagen seitlich auf einen Lieferwagen gekippt sei. Verletzte habe es keine gegeben.

Umgekippte Betonmasten im Aargau

Die heftigen Gewitter haben auch die Netzinfrastruktur der Axpo beschädigt. Besonders betroffen war das Untere Aaretal im Kanton Aargau, wie die grösste Schweizer Stromproduzentin mitteilte.

Bei Birrhard entlang der Autobahn A1 knickten acht Betonmasten wegen der Sturmböen ein. Einer beschädigte eine Freizeithalle, ein weiterer ein Gewerbegebäude. In Henggart ZH sowie auf der Hochspannungsleitung zwischen Ebnat und Herblingen SH stürzten Bäume in Freileitungen. In Schaffhausen führte dies gegen 10.10 Uhr zu einem rund 20-minütigen Stromausfall.

Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich geht nach aktueller Einschätzung von über 2000 Schadenmeldungen und einer Schadensumme um die 30 Millionen Franken aus, wie sie mitteilte. Die Feuerwehren seien bis am späten Nachmittag zu über 350 Einsätzen aufgeboten worden.

Viele Schadensmeldungen

Auch der Versicherer AXA meldet viele Hagelschäden an Autos und beschädigte Dächer. Besonders betroffen seien Fahrzeuge durch Hagel sowie Fassaden und Gebäudehüllen. Zudem seien Dächer abgedeckt worden. Eine konkrete Einschätzung der Schadensumme sei noch nicht möglich, teilte die AXA am Freitagabend mit.

Seit dem Unwetter erhält die AXA nach eigenen Angaben laufend Schadenmeldungen über verschiedene Kanäle. Trotz zusätzlich aufgebotener Mitarbeitender müsse bei der 24-Stunden-Hotline wegen des ausserordentlich hohen Aufkommens mit längeren Wartezeiten gerechnet werden.

Kunden sollten Schäden deshalb, wenn möglich, online melden. Bei Gebäudeschäden sei in den meisten betroffenen Kantonen zunächst die kantonale Gebäudeversicherung zuständig. Bei sicherheitsrelevanten Schäden an Fahrzeugen, insbesondere beschädigten Scheiben, empfiehlt die AXA dagegen eine rasche Meldung. Betroffene würden an Partnergaragen vermittelt. Auch dort sei mit Wartezeiten zu rechnen.

In der Region Winterthur sind mehrere Personen durch Hagelkörner leicht verletzt worden, wie die Stadtpolizei Winterthur mitteilte. Durch den Hagel seien des weiteren Dachfenster und Autoscheiben eingeschlagen worden, während der Wind Bäume zu Fall brachten und Ziegel von den Dächern fegte.

Vergleichsweise glimpflich kamen die beiden Basel davon. Dort mussten die Blaulichtorganisationen gemäss Angaben der Kantonspolizeien vor allem umgestürzter Bäume, Astabbrüchen und Wasserschäden ausrücken.

Strom-, Bahn- und Flugunterbrüche

Die AEW Energie AG informierte am Freitagmorgen über Stromunterbrüche als Folge des Unwetters. Betroffen waren gemäss Mitteilung verschiedene Gemeinden im Umfeld des Aargauer Fricktals.

Wegen des Unwetters kam es auch zu Unterbrüchen im Bahnbetrieb. So auf der Strecke von Biel nach Olten, die bis am frühen Nachmittag nicht befahrbar war, wie die SBB mitteilten. Von Unwetterschäden betroffen war auch die Linie R55 bei Nyon VD.

Zu Einschränkungen kam es auch am Flughafen Zürich. Bis am späten Freitagnachmittag musste die Swiss 85 An- und Abflüge streichen, wie sie mitteilte. Betroffen gewesen seien rund 11'200 Passagierinnen und Passagiere. Zahlreiche weitere Flüge verzeichneten Verspätungen von bis zu drei Stunden, in einzelnen Fällen auch darüber hinaus.

Hauptsächlicher Grund für die Beeinträchtigung des Betriebs waren gemäss Mitteilung Blitzeinschläge in der Nähe des Flughafens. In solchen Situationen müsse die Arbeit auf dem Vorfeld aus Sicherheitsgründen zeitweise eingestellt werden.

(AWP)