Beide Minister unterzeichneten zudem eine Rüstungsvereinbarung, die darauf abzielt, den enormen Bedarf an Waffen, Munition und Ausrüstung im Nato-Bündnis verstärkt auch aus deutscher Produktion zu decken.
Die Absichtserklärung erweitert nach den Worten von Hegseth Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung, Produktion und Lizenzfertigung. Ausgebaut werden sollen auch Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten - «genau das, was verbündete Länder tun sollten», sagte er. Das Ziel sei klar: «leistungsfähige Systeme für amerikanische, deutsche und verbündete Streitkräfte in grossem Massstab und zügig bereitzustellen, um maximale Schlagkraft zu erzielen».
Verteidigungsausgaben sind nur der erste Schritt
Deutschland nähere sich bei den Verteidigungsausgaben der Erfüllung der Fünf-Prozent-Verpflichtung der Nato «und geht dabei mit gutem Beispiel voran», sagte Hegseth, dessen offizielle Bezeichnung Kriegsminister ist. Und: «Aber wie wir bereits besprochen haben, sind Verteidigungsausgaben nur der erste Schritt. Eine Nato 3.0 erfordert daher auch, dass Deutschlands sehr grosse und traditionsreiche industrielle Basis für die gemeinsame Verteidigung genutzt wird.»
Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. Im vergangenen Jahr gab es aus Washington noch viel Kritik an der Bundesregierung. Seitdem ist einiges passiert. So hat Deutschland die Verteidigungsausgaben kräftig erhöht und seine Führungsrolle bei der militärischen Hilfe für die Ukraine ausgebaut.
Zugleich erleben die USA im Krieg gegen den Iran, den sie gemeinsam mit Israel begonnen haben, Grenzen militärischer Macht. Die iranischen Machthaber scheinen fest im Sattel zu sitzen, sind weiterhin stets zum Gegenangriff bereit und setzen in der Strasse von Hormus in einer Art Würgegriff den Welthandel mit Waren und Öl unter Druck.
Für die deutsche Industrie bieten sich Chancen
Lenkflugkörper aus US-Produktion für Angriff und Flugabwehr sind in diesem Krieg zu einem knappen Gut geworden. Das merken die europäischen Nato-Verbündeten und auch die Ukrainer.
In diesem Gebiet bieten sich Chancen für die deutsche Industrie. «Wir bieten Know-how und Kapazitäten für die gemeinsame Produktion an», sagte Pistorius nach dem Treffen mit Hegseth.
Er sprach von einer ganzen Reihe unschätzbarer Vorteile: «Wir füllen unsere Bestände auf, wir stärken unsere Fähigkeiten und im Übrigen dann eben auch die unserer Partner», sagte er. Und: «Wenn die Kapazitäten in den USA nicht ausreichen - und angesichts der grossen Nachfragezahlen ist das in einigen Bereichen definitiv so - haben wir angeboten, in Deutschland zu produzieren. Das stösst auf viel Gegenliebe.»
Zusammenarbeit soll keine Einbahnstrasse bleiben
Deutsches Hauptinteresse bei Rüstungskooperationen ist der Zugang zu Technologien und Systemen, die in Europa nicht oder noch nicht selbst hergestellt werden, darunter Lenkflugkörper und Luftverteidigungssysteme wie Patriot. In Deutschland sind die Rüstungskonzerne MBDA und Diehl ausgewiesene Spezialisten für solche Waffensysteme. In der Delegation von Pistorius reisten mehrere Chefs deutscher Rüstungskonzerne mit in die USA.
Die Bundesregierung hatte in den letzten Jahren mehrere Grossbestellungen bei US-Rüstungsunternehmen gemacht. Darunter ist der Kauf von 35 Tarnkappenjets des Typs F-35 für 10 Milliarden Euro.
Zudem wurden in den USA 60 Transporthubschrauber des Typs CH-47F gekauft. Die Maschinen sollen in den Jahren 2027 bis 2032 geliefert werden. Beim Luftverteidigungssystem Patriot steht die Nachbeschaffung der Systeme an, die Deutschland zur Unterstützung der Ukraine abgegeben hat.
Vom US-Unternehmen General Atomics werden zudem Drohnen des Typs MQ-9B mit Bodenkontrollstationen und Simulatoren beschafft. Die unbemannten Luftfahrzeuge dienen zur Seefernaufklärung und können im Zusammenspiel mit den Seefernaufklärern P-8A zur U-Boot-Jagd eingesetzt werden.
Rheinmetall bietet USA Schützenpanzer an
Der Ausbau der Zusammenarbeit soll aber keine Einbahnstrasse bleiben. So ist Rheinmetall mit dem Schützenpanzer Lynx im Bieterrennen um den künftigen Schützenpanzer des US-Heeres. Dabei geht es um ein Angebot für die Lieferung von mehr als 4.000 Panzerfahrzeugen.
Deutschland ist mit aktuell etwa 38.000 Soldaten wichtigster US-Standort in Europa. Unter den grossen Militäreinrichtungen sind die Air Base Ramstein, die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels, das Militärkrankenhaus Landstuhl und regionale Hauptquartiere in Stuttgart und Wiesbaden. Die USA nutzen die Standorte für Militäreinsätze im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika./cn/DP/men
(AWP)
