Das Ifo-Geschäftsklima ist besser ausgefallen als von Analysten erwartet. Sie hatten im Schnitt mit einer Stagnation auf 89,9 Punkte gerechnet. «Die Konjunkturbelebung setzt sich fort», kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Gestützt wurde der Indikator durch gestiegene Erwartungen der befragten Unternehmen an künftige Geschäfte. Die Einschätzung der aktuellen Lage ist hingegen schwächer ausgefallen.

In dem für die deutsche Wirtschaft wichtigen Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich die Stimmung deutlich. Hier haben die Unternehmen dank gestiegener Neuaufträge sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen «substanziell besser» eingeschätzt, heisst es in der Mitteilung.

Im Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung hingegen verschlechtert. Die Unternehmen waren unzufriedener mit den laufenden Geschäften. Allerdings zeigte sich bei IT-Dienstleistern einer besseren Stimmung. Die IT-Branche profitiert derzeit von einer starken Nachfrage im Zuge des Booms bei der Künstlichen Intelligenz, wobei zahlreiche neuen Rechenzentren gebaut oder geplant werden.

«In Anbetracht hoher Energiepreise und Unruhen in den europäischen Nachbarländern hätte auch ein Rückgang des Konjunkturbarometers nicht weiter verwundert», sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Der Ifo-Geschäftsklimaindex mache Hoffnung, dass sich die Konjunkturerholung dank der guten Auftragslage im kommenden Jahr fortsetzen wird.

Etwas zurückhaltender zeigte sich Klaus Bauknecht, Analyst bei der IKB Deutsche Industriebank. Die Erwartungen der Unternehmen würden auf eine moderate, wenn auch volatilen Konjunkturerholung hindeuten. Allerdings liefere das Ifo-Geschäftsklima keinen Hinweis auf einen tragfähigen Investitionsaufschwung und damit keine nachhaltige Erholung. «Solange Unternehmen weder von einer robusten Konjunktur noch von einer verlässlichen Verbesserung der Standortbedingungen überzeugt sind, ist mit einer Aufbruchstimmung, die private Investitionen zu einem entscheidenden Wachstumstreiber werden lassen, nicht zu rechnen», sagte Bauknecht.

Zuvor hatten führende deutsche Forschungsinstitute, darunter auch das Ifo-Institut, ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft angehoben. Zuletzt hatte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) Mitte Oktober die Erwartungen für das deutsche Wirtschaftswachstum angehoben. Dies dürfte in diesem Jahr mit 1,3 Prozent fast doppelt so stark ausfallen wie noch im Juli erwartet. Auch die Bundesregierung geht von einem Wachstum in dieser Höhe aus./jkr/jsl/mis

(AWP)