Beim Besuch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bei FlexBase Mitte September war die Grossbaustelle in Laufenburg vor allem durch eine beachtliche Baugrube und zahlreiche Kräne gezeichnet. In Zukunft soll dort ein Gebäude stehen, 218 Meter lang, 80 Meter breit, 25 Meter tief und 30 Meter hoch, wie Aumer erklärte.

Um sich ins Landschaftsbild einzufügen, wird der Betonbau mit einer blauen Photovoltaikanlage umhüllt, wie Aumer sagte. Das passe zum oft blauen Himmel im Fricktal. Die Anlage werde eine der grössten PV-Fassadenflächen in Europa sein und «immerhin zwei Megawatt an Leistung» haben.

Im Kern steht die Batterie

Die PV-Anlage stehe aber in keinem Verhältnis zum Batteriespeicher, der verbaut werde, so Aumer. Damaliger Planungsstand: Bis 2029 108 Vanadium-Redox-Flow-Batterien (VRFB) mit einer maximalen Leistung von 1,2 Gigawatt, gleichauf mit jener des Kernkraftwerks Leibstadt. Die vorgesehene Speicherkapazität von 2,1 Gigawattstunden entspricht laut FlexBase dem Strombedarf von 170'000 Haushalten über 24 Stunden.

Im Gegensatz zu einer Lithium-Ionen-Batterie ist das in Laufenburg geplante VRFB-Modell weder brennbar noch explosiv, wie Aumer festhielt. Die Tanks seien grösstenteils mit Wasser gefüllt, was auch die Entsorgung vereinfache. Und das darin gelöste Vanadium, das als Elektrolyt eingesetzt werde, sei wiederverwendbar. Degradation gebe es kaum und die Lebensdauer von Redox-Flow sei höher als jene von Lithium-Ionen-Speichern, deren Entsorgungsproblem nicht gelöst sei.

Die bisher grösste solche Anlage steht in China und ist Anfang des Jahres in Betrieb gegangen, wie Rongke Power damals mitgeteilt hatte. Gemäss Zahlen des Unternehmens belaufen sich Kapazität und Leistung auf eine Gigawattstunde und 200 Megawatt - also deutlich weniger, als in Laufenburg entstehen sollen. Aus Aumers Sicht ist es die Technologie für eine nachhaltige Zukunft und sie ist weltweit auf dem Vormarsch.

Langer weg zu 100 Prozent Erneuerbaren

«Ich habe klare Ziele vor Augen», sagte Aumer. «Die Spitzen, die durch erneuerbare Energien entstehen, sollen geglättet werden.» Das beziehe sich sowohl auf kurzfristige Schwankungen, wie auch auf die Speicherung von Überkapazität am Tag und Abgabe bei Unterkapazität in der Nacht. «Bis wir aber 24 Stunden, 356 Tage die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien sicherstellen können, ist es noch ein langer, langer Weg», meinte Aumer.

Er verwies auf Europa als Beispiel. Die Europäische Kommission schrieb in ihrem Aktionsplan Elektrifizierung im Juli von einem Bedarf von 200 Gigawatt Speicherleistung im Jahr 2030 und gar 500 Gigawatt im Jahr 2040. Der Bedarf für Leistung und Kapazität ist laut Aumer enorm.

«Unser Projekt ist gross, aber unsere 1,2 Gigawatt Leistung und 2,1 Gigawattstunden Kapazität sind nur Tropfen auf den heissen Stein», ordnete Aumer ein. Man könne aber nicht beliebig Batterien ans Netz anschliessen. Die Netze seien in die Jahre gekommen, es mangle an Anschlusskapazitäten. Der Ausbau sei schwierig - etwa wegen Einsprachen.

Darum Laufenburg im Aargau

«Es ist der einzige Ort, um etwas in dieser Grössenordnung zu bauen. Es gibt keinen zweiten», sagte Aumer über den Standort. Denn durch den Stern von Laufenburg sei das Schweizer Stromnetz mit dem europäischen verbunden - hier habe man über 41 Grenzleitungen Zugang zum europäischen Strommarkt. «Das habe ich nirgendwo sonst,» so Aumer.

Den Standort kenne Aumer sehr gut. In den letzten zehn Jahren sei er beim Stern von Laufenburg beruflich ein- und ausgegangen. Die Idee zum Projekt habe er über Jahre hinweg entwickelt und seine Erfahrung einfliessen lassen. Als das Gelände in Laufenburg 2023 zum Verkauf gestanden habe, habe er «innert einer Sekunde gewusst: Das ist es».

Was die Finanzen angeht, hält sich Aumer bedeckt. Die Gesamtkosten lägen bei 2,5 bis 5 Milliarden Franken, sagte er. Das Geld stamme aus Privatvermögen - seine Investoren wolle er jedoch nicht in der Öffentlichkeit exponieren. Er sei Hauptaktionär von FlexBase, soviel verriet der CEO.

Er mache es aber nicht des Geldes wegen - sein Herzensprojekt könne nur an dem Ort und auf diese Weise realisiert werden, als Campus, der zahlreiche Themenfelder abdecke. Dazu gehörten beispielsweise auch ein KI-Rechenzentrum oberhalb der Batterie oder Platz für Start-ups.

(AWP)