Die Jahresinflation verdoppelte sich auf 0,8 Prozent von 0,4 Prozent im Juli, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Sie war damit überraschend hoch. Ökonomen hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP im Vorfeld maximal mit einem Wert von 0,6 Prozent gerechnet.

Höher war die Inflation letztmals im August 2024. In den letzten Monaten schwankte sie zwischen 0,3 und 0,6 Prozent. Der kräftige Anstieg sei überwiegend auf die seit dem Scheitern der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran wieder höheren Energiepreise zurückzuführen, sagt Raiffeisen-Experte Alexander Koch. «Damit sind auch in der Schweiz die Heizöl- und Tankstellenpreise stark gestiegen.»

Diese Erklärung macht den Teuerungsschub für viele Experten weniger drastisch: «Die höhere Inflation ist nicht wirklich beunruhigend», meint etwa Felicitas Kemeny, Leiterin des Ressorts Konjunktur beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Nicht zuletzt habe sich der Transport von Erdölprodukten wegen des niedrigen Rheinpegels verteuert.

«Das sollte sich in der nächsten Zeit wieder relativieren.» Abgesehen davon sei kein breiter Inflationsanstieg zu sehen, und die Teuerung sei nach wie vor komfortabel im Bereich der Preisstabilität. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht diese in einer Bandbreite von 0 bis 2 Prozent als gegeben.

Schwächerer Franken treibt

Ähnlich sehen dies verschiedene andere Experten. Swiss-Life-Chefökonom Marc Brütsch führt die gestiegene Inflation neben den Energiepreisen auf den schwächeren Franken zurück. Daher seien die Importkosten für gewisse Güter gestiegen.

Zweitrundeneffekte auf die Kernrate der Teuerung seien hingegen weiterhin kaum erkennbar. Die Kerninflation - ohne Energie und Treibstoffe sowie frische und saisonale Produkte - stieg im Jahresvergleich gegenüber dem Wert vom Juli denn auch nur leicht, auf 0,4 von 0,3 Prozent. «Für die SNB ergibt sich aus unserer Sicht daraus entsprechend kein veränderter Handlungsbedarf», so Brütsch.

Santosh Brivio von der Migros Bank stützt diese Sichtweise. «Entscheidend ist die Frage, ob die Franken-Schwäche zu einem nachhaltigen Anstieg der Inflation führt», ergänzt er. «Dieses Risiko bewerten wir auf dem aktuellen Niveau als begrenzt.»

Reto Cueni, Chefökonom der Syz Group, bläst ins gleiche Horn: «Der deutliche Anstieg der Auslandsgüterpreise mit einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat macht deutlich, dass die Inflation weiterhin überwiegend von aussen kommt», meint er. Die hausgemachte Inflation sei hingegen nach wie vor tief.

«Die Schweizerische Nationalbank wird diesen höher ausgefallenen Inflationsbericht zwar unter die Lupe nehmen, aber ich sehe kaum Anlass dazu, dass sie den aktuellen Kurs deshalb ändern würde», lautet daher sein Fazit.

Zinsschritt im Dezember?

Laut manchen Experten kann der Inflationsschub dennoch nicht mir nichts, dir nichts beiseite gewischt werden. Damit wachse der Handlungsdruck für die Nationalbank, meint VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. Die Risiken für die Preisentwicklung hätten sich nun auch in der Schweiz nach oben verschoben.

Und ein im Tagesgeschäft leicht negativer Saron passe nicht so recht zu einer Teuerung von 0,8 Prozent bei gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum. Die SNB dürfte ihren geldpolitischen Kurs daher seiner Meinung nach überprüfen müssen. «Eine Zinserhöhung im Dezember lässt sich nicht ausschliessen.»

Unterstützung erhält er von GianLuigi Mandruzzato von der EFG Bank: «Es besteht das Risiko, dass die SNB Ende 2026 oder Anfang 2027 eine Straffung der Geldpolitik in Erwägung ziehen wird.»

Auch für Maxime Botteron von der UBS stärkt die heutige «Inflationsüberraschung» die Erwartung, dass die geldpolitische Normalisierung kommen wird. Er erwartet die erste Zinserhöhung aber erst im Juni 2027.

(AWP)