Für Schweizer Verhältnisse ist es ein gewaltiger Satz, den die Jahresteuerung im Oktober gemacht hat. Sie schnellte von 1,0 Prozent im September gleich auf 1,5 Prozent im Oktober hoch, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte.

Sie kletterte damit auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Zur Erinnerung: Anfang Jahr hatte sie noch nahe bei Null notiert.

Die Inflation nähert sich damit auch der wichtigen 2-Prozent-Marke, welche die Nationalbank als Obergrenze für stabile Preise sieht. Die Frage steht damit im Raum, ob die Währungshüter an der nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung im Dezember den Leitzins erhöhen müssen. Dieser liegt aktuell bei 0 Prozent.

Höherer Zins verbilligt Öl nicht

Die Ökonomen sind sich uneinig. Das Gros der Experten geht nicht von einem Zinsschritt im Dezember aus.

Sie betonen, dass die Teuerung sich immer noch innerhalb des Zielbandes befinde. «Die Inflationsüberraschung ist ein Warnsignal, aber noch kein Zinserhöhungsbefehl», meint Valiant-Experte Renato Flückiger.

Diverse Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf die sogenannte Kerninflation, die Effekte bei Energie und Treibstoffe sowie saisonalen Produkten ausklammert. Diese Kerninflation verharrte im Oktober bei 0,5 Prozent.

Für den Anstieg der Teuerung ist denn auch vor allem der Ölpreis verantwortlich. Erdölprodukte waren im Oktober 40 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Ohne diesen Anstieg wäre die Inflation im Oktober nur bei 0,6 Prozent zu liegen gekommen.

«Ein Zinserhöhung würde das Öl nicht verbilligen», meint daher ein Experte. Und Arthur Jurus von Oddo warnt sogar: «Eine Zinserhöhung könnte die inländische Nachfrage unnötig schwächen, obwohl von ihr derzeit kaum Inflationsdruck ausgeht.»

In die gleiche Kerbe schlägt Dominik Schmidlin von der St. Galler Kantonalbank: «Eine Straffung würde die Konjunktur bremsen und den Franken, der mit den Spannungen in Frankreich bereits zugelegt hat, zusätzlich stärken.»

Fenster ist offen

Viele der Experten, die im Dezember keinen Zinsanstieg erwarten, können sich aber einen solchen im Verlauf des nächsten Jahres sehr wohl vorstellen. «Wir erwarten weiterhin, dass die Energiepreise und die gute Nachfrage in der Schweiz langsam auf die Preise der heimischen Waren und Dienstleistungen durchschlagen werden», meint Bank-Syz-Chefökonom Reto Cueni. Er rechnet daher mit einer Zinserhöhung im ersten Quartal 2027.

Andere können sich den Zinsschritt sogar schon im Dezember vorstellen. Sie verweisen noch stärker auf wahrscheinliche indirekte Effekte des Ölpreisanstiegs. «Die weiter steigenden und immer länger erhöhten Energiepreise dürften verzögert auch in der Schweiz zu einem stärkeren Kostenüberwälzungsdruck für viele Unternehmen führen», befürchten etwa die Raiffeisen-Experten.

Da sich die Schweizer Konjunktur gleichzeitig sehr robust präsentiere, erscheine die Nullzinspolitik der Nationalbank zunehmend unangemessen locker. Und BAK-Economics-Chefökonom Claude Maurer geht ebenfalls von einer Erhöhung schon im Dezember aus: «Das Fenster für einen Zinnschritt ist offen; die Zinsdifferenz zum Ausland hat zugenommen, der Franken real abgewertet und die Konjunktur ist solide», lautet seine Begründung.

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(AWP)