«Die Zeit»:
Die deutsche Wochenzeitung schrieb online, die Initiative habe Sanktionen gegen Kriegsparteien verhindern wollen, die Mehrheit der Stimmenden setze weiterhin auf internationale Zusammenarbeit. «Die Eidgenossen wollen nicht mit Putin kuscheln.»
«ORF»:
Dem österreichischen Staatssender zufolge hat das Initiativkomitee Unterstützung aus Russland erhalten. ORF zitierte eine Sprecherin des russischen Aussenministeriums, die bei Telegram die «flexible Neutralität» kritisiert hatte. Die Sprecherin selbst stehe auf der Schweizer Sanktionsliste.
«Corriere Della Sera»:
Die italienische Zeitung fokussiert auf die aussenpolitischen Konsequenzen des Urnengangs. Sie betonte, dass mit der Abstimmung über eine neutralere Schweiz auch die Aufrechterhaltung der Schweizer Sanktionen gegen Russland auf dem Spiel gestanden habe.
«Le Figaro»:
Die französische Zeitung hält fest, dass die Schweizerinnen und Schweizer in der Ukraine-Frage gespalten an die Urnen gerufen wurden. Ein Ja zur Initiative hätte das Land de facto der Möglichkeit beraubt, sich ohne ausdrückliches Uno-Mandat an Sanktionen gegen Russland zu beteiligen.
«La Libération»:
Die Tageszeitung betitelte die Neutralitätsinitiative als «prorussisch».
«Le Monde»:
Laut Historiker Sacha Zala ist die Neutralität in der Schweiz zu einer beinahe religiösen Konstruktion geworden. Sie sei weniger eine aussenpolitische Doktrin als ein Pfeiler nationaler Identität, so Zala gegenüber der französischen Zeitung.
«NPR»:
Dem US-Rundfunk zufolge zweifelte auch die Stimmbevölkerung daran, «dass Blochers Vorschläge für eine strengere Neutralität ihre Sicherheit gewährleisten werden». Die traditionelle bewaffnete Neutralität schütze möglicherweise nicht vor neuen Bedrohungen. Alte Freunde würden schnell unzuverlässig, schrieb NPR mit Verweis auf die bestellten F-35-Kampfjets.
«Reuters»:
Die internationale Nachrichtenagentur betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der Nato mit einer Annahme der Initiative eingeschränkt worden wäre.
«Times of India»
Der indischen Tageszeitung zufolge setzte die Neutralitätsinitiative die Beziehungen zur Nato und russische Sanktionen aufs Spiel.
«Al Jazeera»:
Gemäss dem arabischen Nachrichtennetzwerk geht die Abstimmung an der eigentlichen Frage vorbei, nämlich wie die Neutralität der Schweiz auch in Zukunft Sicherheit und Wohlstand bringen könne. Eine rein in der Verfassung festgeschriebene, striktere Neutralität schütze das Land nicht vor modernen Bedrohungen wie wirtschaftlicher Verwundbarkeit oder der Verletzung des eigenen Luftraums. Die Initiative beziehe sich auf eine alte Debatte, seit 2022 habe sich die Welt aber in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt.
(AWP)
