In mehreren Städten forderten Demonstranten eine staatliche Untersuchungskommission zu dem Überfall. Der Gedenktag fällt zudem in die heisse Phase des Wahlkampfs: In drei Wochen wählen die Israelis erstmals seit dem Massaker wieder ein Parlament.

Merz: «Deutschland steht fest an der Seite Israels.»

In Deutschland waren für den Jahrestag ebenfalls Gedenkveranstaltungen geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte Deutschlands Unterstützung für Israel. «Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt», sagte der Kanzler laut einer Mitteilung. «Wir stehen für die Sicherheit und Existenz Israels ein - das ist Lehre aus der Schoah und Teil deutscher Identität.»

Auch EU-Spitzen zeigten ihre Solidarität mit Israel. «Die EU steht all jenen zur Seite, deren Leben sich durch diesen Tag für immer verändert hat», schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X. «Die unbeschreibliche Grausamkeit und der Terror des 7. Oktober dürfen sich niemals wiederholen.» Die EU sei weiterhin bereit, dazu beizutragen, dass aus dem derzeitigen fragilen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden auf der Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung werde.

Trauernde kamen auf das Gelände des Nova-Musikfestivals

An zahlreichen Orten in Israel erinnerten die Menschen an die Opfer vom 7. Oktober 2023. Trauernde kamen auch auf das Gelände des Nova-Musikfestivals in der Nähe des Kibbuz Reim, um ihrer getöteten Angehörigen und Freunden zu gedenken. An der zentralen Gedenkfeier am Abend in einem Park in Tel Aviv sollen rund 50.000 Menschen teilnehmen, wie das israelische Radio berichtete.

Demonstranten kritisierten, dass es bisher keine umfassende Aufarbeitung seitens der Regierung zu der Frage gibt, wie es zu dem traumatischen Überfall kommen konnte und welche Fehler im Sicherheitsapparat und der Politik gemacht wurden. Sie versammelten sich nach Medienberichten unter anderem vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem israelischen Parlament, der Knesset, in Jerusalem. Laut der Zeitung «Times of Israel» blockierten Protestierende zudem kurzzeitig die Stadtautobahn bei Tel Aviv.

Kritiker werfen Netanjahu vor, keine Verantwortung zu übernehmen

Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des Hamas-Terrorüberfalls zu übernehmen. Laut Meinungsumfragen können bei der wegweisenden Wahl in drei Wochen weder das Lager von Netanjahu noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen.

Bei dem Überfall am 7. Oktober 2023 wurden auch 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In dem auf den Überfall folgenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Sie unterscheidet dabei nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern.

Israels Militär hat seither 100.000 Ziele in der Region angegriffen

In den vergangenen drei Jahren haben die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben rund 100.000 Ziele in der Region angegriffen. Davon seien 65.000 im Gazastreifen gewesen, 28.000 im Libanon und in Syrien sowie 4.500 in Iran, berichtete das israelische Radio unter Berufung auf das Militär. 970 israelische Soldaten seien in den vergangenen drei Jahren im Dienst getötet worden./jak/DP/stk

(AWP)