Dass der weltweite Aufschwung nicht abgerissen ist, führt der IWF auf mehrere Faktoren zurück: So habe sich die globale Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Energieschocks aufgestellt. Zudem hätten eine höhere Ölförderung ausserhalb des Persischen Golfs, das Anzapfen strategischer Reserven und ein Nachfragerückgang in China den Preisschock abgefedert, teilte der IWF am Dienstag mit. Für das kommende Jahr behalten die Experten ihre Prognose von 3,4 Prozent bei.

US-Präsident Donald Trump hatte vor gut einem halben Jahr gemeinsam mit Israel den Krieg gegen den Iran begonnen. In der Folge wurde die noch vor dem Konflikt offene Strasse von Hormus, eine für den Energiehandel bedeutsame Meerenge, blockiert. Seither fliesst nur noch ein Bruchteil des Rohstoffhandels - das knappe Angebot bei hoher Nachfrage lässt die Preise nach oben schnellen.

Keine Änderungen dieses Jahr für die USA

Das hat bislang laut IWF aber nur begrenzte Konsequenzen für die US-Wirtschaft. Die Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft behalten die Ökonomen unterdessen bei 2,3 Prozent für dieses Jahr - auch 2027 dürften die Vereinigten Staaten entsprechend zulegen, was minimal mehr wäre als bislang erwartet. Menschen würden weiter fleissig Geld ausgeben und Unternehmen kräftig in neue Technologien investieren, hiess es.

Zudem stützten die staatliche Wirtschaftspolitik, günstige Kredite und eine hohe Produktivität der Firmen das Wachstum. Die Organisation sieht begrenzte direkte Belastungen aus der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs für die USA und begründet dies damit, dass das Land als Nettoenergieexporteur mehr Energie ausführt als einkauft.

Während die wohlhabenden USA laut IWF nur beschränkte Folgen aus der hausgemachten Energiekrise sehen, hadern vor allem arme Länder sowie jene, die auf Energie aus dem Ausland angewiesen sind. Sie müssen viel mehr Geld für Öl, Gas und Lebensmittel bezahlen, während ihre eigenen Währungen an Wert verlieren. Dadurch bleibt den Menschen weniger Geld zum Leben, was die Armut verschärft und dazu führt, dass sich immer mehr Menschen nicht mehr ausreichend ernähren können.

Irland und Spanien stützen Eurozone

Die Eurozone dürfte sich laut IWF jedoch besser entwickeln als gedacht. Die Wirtschaft im Währungsraum legt laut neuer Prognose 2026 um 1,1 Prozent (plus 0,2 Punkte gegenüber Juli) zu, kommendes Jahr dürfte das Plus weiter bei 1,2 Prozent liegen. Während die Gesamtwirtschaft noch im ersten Quartal stagnierte, habe das Wachstum im zweiten Quartal zugelegt. Das lag vor allem an einer sehr starken Erholung in Irland und einer andauernden Dynamik in Spanien, erklärte der IWF.

In den anderen Euro-Ländern sei die Wirtschaftsaktivität «weitgehend stabil» geblieben. So würden weiterhin höhere Energiepreise und ein schwaches Verbrauchervertrauen das Wachstum bremsen.

Für Deutschland zeigen sich die IWF-Experten hoffnungsvoller als bisher. 2026 dürfte das deutsche Wirtschaftswachstum mit 1,3 Prozent nun fast doppelt so stark ausfallen wie noch im Juli erwartet (0,7 Prozent). Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen nun mit einem Plus von 1,1 Prozent - 0,1 Punkte mehr als bislang.

Vorsichtig bezüglich KI

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz (KI) zeigt sich laut IWF ein zwiespältiges Bild: Während es in einzelnen Bereichen messbare Produktivitätssprünge gebe, sei der Produktivitätsschub durch KI in den gesamtwirtschaftlichen Daten wie Löhnen nur zögerlich zu sehen.

Das Institut warnte vor Risiken an den Märkten: Sollte sich der KI-Hype als ungerechtfertigt erweisen und die Erwartungen enttäuscht werden, droht ein deutlicher Abverkauf von Tech-Aktien, was das globale Wirtschaftswachstum dämpfen könnte.

(AWP)