Drei Viertel erwarten, dass solche Systeme künftig Produktsuchen übernehmen, 74 Prozent rechnen mit Preisvergleichen und 71 Prozent mit Produktempfehlungen. Bei selbstständigen Kaufentscheidungen sind die Händler zurückhaltender: 32 Prozent erwarten diese Entwicklung, bei der vollständigen Abwicklung eines Kaufs sind es 22 Prozent.

An der Befragung nahmen 473 Onlinehändler teil, davon 403 aus der Schweiz.

Ein KI-Agent ist eine Software auf Basis künstlicher Intelligenz, die im Auftrag eines Nutzers nicht nur Fragen beantwortet, sondern selbstständig Aufgaben erledigen kann. Dazu zählen etwa Produkte suchen, Preise vergleichen und im Extremfall auch einen Kauf auslösen.

Folgen für Händler

Für Händler könnte das weitreichende Folgen haben. Ein Teil des Kontakts mit den Kunden verlagert sich möglicherweise vom eigenen Onlineshop zu KI-Systemen, wie es im Bericht heisst. Damit ein Produkt dort überhaupt berücksichtigt wird, müssten Händler ihre Produkt-, Preis- und Verfügbarkeitsdaten aktuell, strukturiert und für Maschinen lesbar bereitstellen.

Bereits 51 Prozent halten die Optimierung der Sichtbarkeit in generativen KI-Systemen für relevant. Viele Händler können allerdings noch gar nicht messen, wie sichtbar sie dort sind oder wie viel Umsatz ihnen KI-Systeme bringen.

Für Konsumenten verspricht die Entwicklung vor allem Bequemlichkeit: Statt selbst mehrere Shops zu durchsuchen, könnte die KI passende Produkte finden und Angebote vergleichen, so die Studie.

Gleichzeitig könnte sich aber die Frage verschärfen, nach welchen Kriterien ein System Produkte auswählt und welche Händler überhaupt berücksichtigt werden. Auch die Verantwortung bei fehlerhaften Empfehlungen oder automatisch ausgelösten Käufen gewinnt damit an Bedeutung.

Unternehmen hinken hinterher

Schon heute setzen Onlinehändler KI vor allem ein, um ihre eigenen Abläufe effizienter zu machen. 81 Prozent der Befragten berichten von Zeitersparnissen. Recherchen, Übersetzungen, Produkttexte, Datenanalysen, Programmierarbeiten und wiederkehrende Kundenanfragen lassen sich laut Studie schneller erledigen.

Ganz ohne Menschen funktioniert dies jedoch meist nicht. In den meisten Bereichen dominiert die Teilautomatisierung: Mitarbeitende kontrollieren Ergebnisse, treffen Entscheidungen oder geben einzelne Schritte frei. Vollständig durch KI-Agenten gesteuerte Prozesse sind bislang die Ausnahme.

Das hat Gründe. Als grösste Probleme beim KI-Einsatz nennen die Händler das hohe Tempo der technologischen Entwicklung und die schwierige Integration in bestehende Systeme. Hinzu kommen fehlendes Fachwissen, mangelhafte eigene Daten, Datenschutz und Datensicherheit sowie falsche oder erfundene KI-Antworten.

Strategisch hinken viele Unternehmen der Entwicklung denn auch hinterher. Knapp drei Viertel verfügen noch über keine KI- oder Agentic-Commerce-Strategie, lediglich 2 Prozent haben eine solche bereits umfassend umgesetzt, wie es im Bericht heisst.

to/ra

(AWP)