Auch fliesst so viel Geld in die Gründerbranche wie lange nicht. Mit rund acht Milliarden Euro haben deutsche Start-ups bis Ende September schon mehr Wagniskapital eingeworben als im gesamten Vorjahr mit etwa 7,5 Milliarden Euro, zeigt der Bericht. Hochgerechnet auf das laufende Jahr seien damit 12 Milliarden Euro möglich, das wären so viel wie seit dem Boomjahr 2021 nicht mehr. Zudem wurden fast 3.000 Neugründungen verzeichnet.

Aufrüstung und Kriege sorgen für Boom

«Deutschland gründet wieder - in der Breite und auf einer starken technologischen Basis», kommentierte Verena Pausder, Vorstandschefin des Startup-Verbands, den Report. Mit Datenanalysen und einer Befragung von gut 1.800 Wachstumsfirmen ist der Deutsche Startup Monitor die umfassendste Studie zur Gründerbranche im Land, er erscheint seit 2013 jährlich.

Zu den Milliarden-Start-ups gehören Grössen wie der Online-Broker Trade Republic, die Smartphonebank N26 und die Softwarefirma Personio. Neu dazu gekommen sind dieses Jahr unter anderem die Softwarefirma Osapiens, Neura Robotics und die Rüstungsfirma Stark Defense. «

Die Gründerbranche profitiert von steigenden Investitionen in Rüstungsfirmen, darunter die Drohnenhersteller Quantum Systems und Helsing, die viel Geld von Investoren einwerben. Ein weiterer Wachstumstreiber ist KI. Für 53 Prozent der befragten Start-ups steht die Technologie im Zentrum des Produkts - 2024 waren es erst 39 Prozent. Zugleich erleichtert KI Gründungen deutlich.

Gründerbranche wächst, aber abhängig von US-Investoren

Allerdings zeigt der Bericht auch Schwächen der deutschen Gründerbranche. So konzentriere sich das geflossene Kapital stärker an der Spitze. »In der Breite dagegen liegt die Zahl der Finanzierungsrunden rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021.« 89 Prozent der Gründer fordern laut Umfrage mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa. »Das verfügbare Kapital reicht für den Sprung an die Weltspitze nicht aus«, moniert Pausder.

Schon seit Jahren hinken deutsche Start-ups beim Wagniskapital international hinterher. Denn in Deutschland gibt es anders als in den USA zu wenige grosse Investoren. Profi-Anleger wie Versicherungen und Stiftungen stecken nur wenig Geld in Wagniskapital, auch wegen strenger Anlagevorschriften. Die WIN-Initiative, mit der Bundesregierung und die Förderbank KfW bis 2030 rund 25 Milliarden Euro von Grossanlegern mobilisieren wollen, läuft eher schleppend.

Beim Boom-Thema Künstliche Intelligenz hat sich das Problem sogar noch verschärft, wie der Startup Monitor zeigt. Demnach flossen in den USA 2026 schon fast 308 Milliarden Euro in den KI-Sektor, in Europa insgesamt waren es nur gut 27 Milliarden.

USA locken erfolgreiche Gründer

Auch bleibt die Gefahr, dass erfolgreiche Gründer abwandern. So zieht es dem Deutschen Startup Monitor zufolge die grosse Mehrheit der Start-ups (62 Prozent) für einen potenziellen Börsengang in die USA, nur 27 Prozent präferieren Deutschland. Und bei digitalen Technologien setzten 64 Prozent überwiegend oder ganz auf US-Anbieter - auch mangels europäischer Alternativen. Ein Trost: Ein Wegzug ist für die meisten Gründer bisher kein Thema (61 Prozent).

Deutschland habe »unfassbares Potenzial«, sagt Verbandschefin Pausder, auch mit Blick auf den jüngsten erfolgreichen Raketenstart vor Isar Aerospace. Sie forderte, die Bundesregierung müsse ihre Start-up-Strategie umsetzen und Finanzierungen erleichtern. Zudem müssten Gründungen in der EU mit der geplanten Rechtsform EU Inc. vereinfacht werden.

Gründerbranche profitiert von starker Forschung

Stärken sieht der Verband in der Verbindung mit Hochschulen. So werde jedes zweite Start-up (51 Prozent) von Forschungseinrichtungen unterstützt. Bei 59 Prozent gehe das Produkt aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen hervor. Hochschulen seien die wichtigste Säule im Ökosystem, sagt Alexander Hirschfeld, Research-Experte beim Startup-Verband. »Gemessen an der Qualität der deutschen Forschungslandschaft gründen daraus aber immer noch viel zu wenige."

Der Fachkräftemangel macht Start-ups hingegen weniger Sorgen. Nur 15 Prozent sehen ihn als grosse Hürde - vor zwei Jahren war es noch 30 Prozent. 83 Prozent planen binnen zwölf Monaten Neueinstellungen./als/DP/mis

(AWP)