Das vor allem von Unternehmen genutzte Prinzip ist einfach: Versicherer und Kunde legen gemeinsam bestimmte Parameter fest, etwa in Bezug auf Hitze, Niederschlagsmenge oder Windgeschwindigkeit, bei deren Erreichen mit Sicherheit ein Schaden und ein Einnahmeausfall für das versicherte Unternehmen entstehen.

Bei dieser Versicherung gegen Betriebsausfälle werden mitunter am versicherten Ort - etwa auf einem Feld, einem Campingplatz oder einem Golfplatz - Wettersensoren installiert. Deren Messdaten sind dann massgebend.

Gegen Zahlung einer Prämie wird das Unternehmen automatisch entschädigt, sobald die festgelegten Schwellenwerte überschritten werden. Ein Gutachter muss nicht hinzugezogen werden.

Dieses Prinzip mache die Entschädigung «extrem schnell», sagt Anouk Bara, Beraterin bei France Fintech, der Nachrichtenagentur AFP. Für Unternehmen, die ihre Liquidität genau im Blick behalten müssen, sei dies ein entscheidender Vorteil.

«Teurer Schutz, aber mehr Sicherheit»

Das überzeugte auch Laurent Malis, einen Wein- und Reisbauer in Marseillette im südfranzösischen Département Aude. Er entschied sich Anfang des Jahres für diese Lösung, um sich gegen Frost abzusichern.

Wärmere Winter infolge des durch menschliche Aktivitäten verursachten Klimawandels lassen die Reben früher im Jahr austreiben und setzen sie damit vermehrt verheerenden Frostperioden im Frühling aus.

Dieser Schutz «ist viel teurer, bietet aber mehr Sicherheit», sagt Malis der AFP. Sein Versicherungsbudget ist in diesem Jahr um 30 Prozent gestiegen. «Das grosse Problem, mit dem wir bereits konfrontiert sind, ist der Preis», bestätigt Thomas Rochet vom Versicherungsmakler WTW.

Potenzielle Kunden seien zwar «oft sehr interessiert an diesem Ansatz und all den Vorteilen parametrischer Versicherungen», sagt er weiter. Doch «ziemlich oft schrecken sie die Preise ab».

Wachsender Markt

Der Klimawandel dürfte nicht zu sinkenden Preisen beitragen: Die Modelle der Versicherer gehen davon aus, dass Wetterextreme häufiger auftreten und damit auch die von ihnen verursachten Schäden zunehmen werden.

Der weltweite Markt für parametrische Versicherungen wird derzeit auf 20 bis 25 Milliarden Dollar geschätzt. Das geht aus Daten mehrerer spezialisierter Beratungsunternehmen hervor, die France Fintech zusammengetragen hat.

In Europa hat sich der Markt laut WTW in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Zuletzt stellte das Unternehmen ein wachsendes Interesse in Frankreich fest, insbesondere nach der historischen Hitzewelle im Mai.

Bauunternehmen gerieten beispielsweise bei einigen Baustellen in Verzug, weil ihre Beschäftigten wegen der grossen Hitze früher mit der Arbeit aufhören mussten.

Versicherer wie Descartes Underwriting oder Axa Climate gehören zu den Vorreitern, während kleinere Anbieter wie Sereno versuchen, sich auf dem Markt zu etablieren. Das aus dem Bereich der Wettervorhersage hervorgegangene junge Unternehmen will innerhalb von fünf Jahren Prämieneinnahmen von 100 Millionen Euro erzielen.

Für KMU

Parametrische Versicherungen verbreiten sich zunehmend auch unter kleinen und mittleren Unternehmen, sagt Bara. Gleichzeitig würden die Modelle der Versicherer immer präziser. Inzwischen könnten sie ihre Risiken von Strasse zu Strasse abschätzen.

Dass Privatpersonen unabhängig von ihrem Wohnort im französischen Mutterland eine Versicherung finden können, ist auch für den Staat ein wichtiges Anliegen. Er hat deshalb die staatliche Rückversicherungsgesellschaft Caisse centrale de réassurance (CCR) mit einer jährlichen Untersuchung zu diesem Thema beauftragt.

Im vergangenen Monat ermutigte die bei der französischen Zentralbank angesiedelte Aufsichtsbehörde ACPR die Versicherer, «die Arbeiten zur präzisen Geolokalisierung versicherter Güter fortzusetzen, um ihre Risiken besser zu kennen und bewerten zu können».

Die Kosten klimabedingter Schäden beliefen sich 2025 in Frankreich auf 5,2 Milliarden Euro. Hauptursache waren Hagelereignisse, wie aus Daten des Branchenverbands France Assureurs hervorgeht.

(AWP)