Ein Hund, ein Mädchen und ein Hirsch mit zugehaltenen Ohren, darüber die Botschaften «Feiern mit Rücksicht», «Feiern ohne Knallerei» und «Nicht alle feiern mit»: Mit diesen und weiteren Sujets startet das Ja-Lager zur Feuerwerksinitiative in den Abstimmungskampf. Am 29. November kommt die Vorlage an die Urne.

Hinter dem Volksbegehren stehen Vertreterinnen und Vertreter des Schweizer Tierschutzes (STS) und weiterer Tierschutzorganisationen, Wildhüter und Landwirte. Es handle sich um eine Initiative aus der Bevölkerung, sagte STS-Geschäftsleiter Marco Mettler in Bern vor den Medien. Die über 137'000 gültigen Unterschriften zeigten, wie breit das Anliegen verankert sei.

«Keine extremen Forderungen»

Die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk (Feuerwerksinitiative)» fordert ein in der Verfassung verankertes landesweites Verkaufs- und Verwendungsverbot für Feuerwerkskörper, die Lärm erzeugen. Die kantonalen Behörden sollen auf Gesuch hin für Anlässe von überregionaler Bedeutung Ausnahmen bewilligen können. Erlaubt bleiben sollen pyrotechnische Produkte, die ohne Lärm in die Luft gehen.

«Das sind keine extremen Forderungen», sagte Mettler. Anders, als die Gegnerinnen und Gegner behaupteten, verliere die Schweiz keinen Nationalfeiertag, sondern sie gewinne an Rücksicht. «Wir stellen weder den 1. August noch unsere Tradition infrage.»

Öffentliches Feuerwerk an bedeutenden überregionalen Feiern bleibe erlaubt, hielt Mettler fest. «Wir nehmen das in Kauf, wenn es örtlich und zeitlich begrenzt ist.» Die Initiative sei ein Kompromiss und nicht etwa inkonsequent.

«Unkontrollierte Knallerei» verbieten

Das Ziel des Begehrens sei der verstärkte Schutz von Mensch, Tier und Umwelt, machten die Urheberinnen und Urheber der Initiative geltend. Heim-, Nutz- und Wildtiere litten unter dem Lärm von Feuerwerk und gerieten häufig in Angst und Panik. Gleichzeitig verursache Feuerwerk erhebliche Mengen an Abfall und belaste die Natur. Ausserdem führe der private Umgang mit Feuerwerkskörpern immer wieder zu Bränden und Unfällen mit teils schweren Verletzungen.

«Das Thema bewegt die Menschen», sagte Corinne Meister vom Initiativkomitee. Es gehe nicht darum, jemandem die Freude am Feiern zu nehmen. Die Freude der einen dürfe aber nicht auf Kosten der anderen gehen. Es gelte, die «unkontrollierte Knallerei» zu verbieten.

Leise private Feuerwerke wie beispielsweise Vulkane blieben erlaubt, gab auch Meister zu bedenken. «Auch das grosse Feuerwerk an einem Seenachtsfest und an 1.-August-Feiern in Gemeinden kann weiterhin stattfinden.» Für die Umsetzung und das Regeln der Details bleibe nach einem Ja zur Initiative genügend Zeit, nämlich zwei Jahre.

Viele Gefahren

Heute sähen sich viele Tierhalterinnen und Tierhalter gezwungen, rund um den 1. August und Silvester mit ihren Tieren zu verreisen, sagte Andrea Schaller vom Westschweizer STS-Regionalbüro. «Menschen können sich auf Feuerwerk einstellen, Tiere nicht.»

Wildtiere könnten nicht verreisen, sagte Wildhüter Gabriel Sutter. Feuerwerk stelle eine «akute Störung» ihres Lebensraums dar. Im schlimmsten Fall ende der Schreck für die Tiere tödlich. Studien belegten dies. Beispielsweise flögen Wildvögel höher und weiter, um Schutz zu suchen.

Landwirt Lukas Jost verwies auf die «erhebliche Brandgefahr» von herumfliegenden Raketen. Es gebe viele andere Möglichkeiten als gefährliches Feuerwerk, um Freude auszudrücken. Immer mehr Menschen wünschten sich eine «zeitgemässe Form des Feierns». Viele Gemeinden hätten bereits reagiert und Einschränkungen beschlossen. Allerdings führe dies zu einem unübersichtlichen Flickenteppich.

Sichtbare Kampagne

Der diesjährige 1. August mit trockenheitsbedingten Feuerverboten hat laut den Befürwortenden der Initiative gezeigt, wie es ohne Feuerwerk geht. «Die Dorfplätze waren voll, ein Grossteil des Leids blieb aus», so Mettler.

Dass durch die Initiative die hiesige Feuerwerksindustrie existenziell gefährdet sein könnte, relativierte Mettler. Ein Grossteil von lautem Feuerwerk werde heute aus China importiert. Viele Schweizer Firmen setzten schon heute auf lärmarmes Feuerwerk.

Die Ja-Kampagne läuft bereits seit dem 5. Oktober auf 917 digitalen Bildschirmen an Bahnhöfen und in Innenstädten aller Sprachregionen In den kommenden Wochen werde die Kampagne auf weitere digitale Werbeflächen ausgeweitet und insgesamt auf rund 3850 Bildschirmen in allen Landesteilen sichtbar sein, sagte Mettler.

mk/

(AWP)