Aktien Schweiz: Dank defensiven Werten auf Erholungskurs

Die Schweizer Börse tendiert am Freitag etwas fester. Von einer Rückkehr zum Aufwärtstrend könne aber nicht gesprochen werden. Es sei vielmehr eine Gegenbewegung innerhalb des bestehenden Seitwärtstrends, heisst es am Markt. Dieser erstreckt sich laut Händlern von "plus-minus" 10'000 bis gut 10'400 Punkten. Mit einem baldigen Ausbruch sei derzeit nicht zu rechnen. Auch das Abwärtspotenzial sei limitiert.
11.09.2020 11:45

Vor dem Wochenende neigten die Anleger zu einer vorsichtigen Haltung und bauten daher ihre Risiken tendenziell eher ab, heisst es weiter am Markt. Die Anleger seien verunsichert darüber, ob die Korrektur der US-Technologiewerte ausgestanden sei und weil die Konfliktherde wie der US-chinesische Handelskrieg und der Brexit ungelöst seien und weil die Corona-Infektionen weiter zunähmen. Gestützt werden dürften die Märkte allerdings von den Notenbanken, die die Geldschleusen weit offenhalten wollen. Daher fehlten weiterhin wirkliche Alternativen zu Aktien.

Der SMI notiert um 11.15 Uhr um 0,43 Prozent höher auf 10'431,80 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, steigt um 0,31 Prozent auf 1'581,53 und der breite SPI um 0,39 Prozent auf 12'939,83 Punkte. 20 Gewinner stehen im SLI 10 Verlierer gegenüber.

Das Kursplus ist vor allem den Gesundheitswerten geschuldet. Mit einem Kursplus von 2,2 Prozent führt der Arzneimittelhersteller Vifor die Gewinner an. Die Anteile der Pharmariesen Novartis (+1,4%) und Roche (+3%) legen ebenfalls zu. Beide haben in den vergangenen Tagen vor dem am Wochenende in Washington stattfindenden Fachkongress positive Meldungen über ihre MS-Pipeline veröffentlicht. Zuletzt hat Roche am Freitag Studienergebnisse vorgelegt, die die hohe Wirksamkeit des MS Medikament Ocrevus bestätigen.

Die Anteile des Lebensmittelriesen Nestlé, einem weiteren defensiven Schwergewicht, rücken um 0,5 Prozent vor.

Spekulative Käufe treiben ausserdem die Aktien von Richemont (+2,2%) klar nach oben. Nachdem LVMH von der Übernahme des US-Rivalen Tiffany's absehen will, sei Richemont ins Blickfeld der Spekulanten gerückt, heisst es am Markt. Es sei zwar eher unwahrscheinlich, dass LVMH den Genfer Konzern oder dieser nun Tiffany's übernehmen wolle, auch wenn dies strategisch durchaus Sine machen würde.

"Aber das sorgt für Fantasie und das bewegt die Kurse", so der Händler. Ausserdem seien die Aktien von Richemont wie auch die des Rivalen Swatch (+1,2%) kursmässig noch stark zurückgeblieben, sagt ein anderer Börsianer. "Wer etwas Geduld hat, kann mit einem Kauf eigentlich nicht viel falsch machen."

Stark gefragt sind ausserdem die Aktien von LafargeHolcim (+1,6%). Händler verweisen auf gute Zahlen des Konkurrenten Cemex und eine Kurszielerhöhung der Grossbank UBS, die den Zementtitel zum Kauf empfiehlt.

Im Aufwind befinden sich ausserdem die zyklischen Papiere des Personalvermittlers Adecco (+1,2%) und des Chipherstellers AMS (+0,9%) sowie der Medizintechniker Alcon (+0,3%) und Sonova (+1,1%).

Die Aktien der Partners Group legen 0,3 Prozent zu. Dass drei Gründungsmitglieder ihre Beteiligung auf noch je gut 5 Prozent halbiert haben, sei nicht überraschend. Überraschend sei eher, dass sie ihr Geld in die von ihr aufgelegten Programme umschichten würden. Dies sei ein Signal, dass sie ihre eigene Aktie als ausgereizt beurteilen dürften, heisst es am Markt.

Schwächer sind ABB (-1,0%). Auch die Banken CS (-1,0%), Julius Bär (-0,6%), und UBS (-0,9%) sowie der Versicherer Swiss Re (-0,6%) stehen auf den Verkaufslisten.

Am breiten Markt schiessen Aryzta um 12 Prozent auf 0,695 Franken hoch. Der angeschlagene Backwarenkonzern hat Übernahmeverhandlungen mit der Investmentfirma Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bestätigt. Es gebe allerdings keine Gewissheit, dass ein Angebot erfolgen werde, betonten sowohl Elliott wie auch Aryzta. Die ZKB schätzt einen Preis von 1,00 Franken je Aktie, wenn die Übernahme erfolgreich sein soll.

Kuros büssen 5,2 Prozent ein. Händler verweisen auf die Pläne der Biotech-Firma, ihr Kapital weiter zu erhöhen. Das Unternehmen hatte vor nicht einmal einem Jahr letztmals um frisches Geld gebeten.

pre/ra

(AWP)

 
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