Aktien Schweiz: Defensive stützen SMI - Finanzen und Zykliker unter Druck

Die Schweizer Börse präsentiert sich am Dienstag insgesamt wenig verändert. Händler beschreiben den Markt als uneinheitlich: Festen defensiven Werten stehen schwache zyklische und Finanzwerte gegenüber. Der Markt stehe unter dem Einfluss von ständigen Umschichtungen, heisst es. "Wir sehen eine weitere Runde der Sektorrotationen", sagte ein Börsianer. Dabei werden Sektoren bevorzugt, die zuletzt schlechter gelaufen sind; bei denjenigen, die gut gelaufen sind, werden derweil Gewinne eingestrichen.
09.06.2020 11:35

Händler schliessen nicht aus, dass sich das Geschehen im weiteren Verlauf etwas beruhigt. Die Anleger dürften vor der Veröffentlichung der geldpolitischen Beschlüsse der US-Notenbank Fed eine eher vorsichtigere Gangart einschlagen, heisst es, auch keine Änderungen der US-Geldpolitik erwartet weren. Aber es werden die Zins- und Konjunkturprognose veröffentlicht. Diese könnten den Märkten neue Impulse geben.

Der SMI notiert um 11.10 Uhr 0,04 Prozent höher mit 10'157,10 und der breite SPI um 0,08 Prozent fester auf 12'532,87 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die defensiven Schwergewichte nicht mit ihrer Gesamtkapitalisierung gewichtet sind, sinkt dagegen um 0,81 Prozent auf 1'516,84 Zähler. 24 Werte im SLI geben nach und sechs ziehen an.

Unter Gewinnmitnahmen leiden vor allem Aktien der Grossbanken Credit Suisse (-3,8) und UBS (-3,1%), der Versicherer Swiss Life (-3,4%) und Swiss Re (-3,1%) sowie Zykliker wie Adecco (-4,3%), Clariant (-3,5%), LafargeHolcim (-3,0%) und Ams (-2,9%), die zuletzt stark gelaufen waren.

Die Aktien von Temenos werden 2,1 Prozent tiefer gehandelt. Citigroup hat das Rating für den Bankensoftwarehersteller auf "Neutral" von "Buy" gesenkt.

Bei SGS (-0,4%), die zunächst zu höheren Kursen umgegangen sind, habe der positive Einfluss einer Kaufempfehlung im Verlauf nachgelassen, heisst es am Markt. Barclays hatte SGS auf "Overweight" von "Equal weight" hochgestuft.

Trotz der Verbindung mit dem Gesundheitssektor können sich die Medizintechnikwerte Sonova (-1,2%) und Alcon (-0,2%) den Abgaben nicht entziehen. Auch der Telekomtitel Swisscom, der im Markt wegen seines stabilen Geschäftsmodells gerne als "Obligationenersatz" bezeichnet wird, verliert 0,9 Prozent.

Bei den als defensiv geltenden Pharmawerten Roche (+1,8%) und Novartis (+1,9%) sowie dem Lebensmittelriesen Nestlé (+1,8%) wirken die erwähnten Umschichtungen kurstreibend. Die "Grossen Drei" geben damit dem Markt wieder einmal eine starke Stütze.

Der Nahrungsmittelriese Nestlé verkauft das Buitoni-Geschäft in Nordamerika an den Finanzinvestor Brynwood Partners mit einem vom "Wall Street Journal" auf 115 Millionen Dollar geschätzten Wert. Dies wecke die Fantasie, dass der Konzern mit den Bereinigungen in seinem Portfolio weitermache und den Tanker noch stärker auf Wachstum trimme.

Lonza gewinnen dank einer Studie 1,2 Prozent. Der Pharmaauftragsfertiger profitiere davon, dass SocGen die Abdeckung der Aktien mit dem Rating "Buy" und dem Kursziel 600 Franken aufgenommen habe, heisst es.

Am breiten Markt büssen Helvetia (-4,3%) deutlich Terrain ein. Der Versicherer spürt die Corona-Krise ebenfalls und rechnet mit finanziellen Folgen für das Versicherungsergebnis im hohen zweistelligen Millionenbereich und für das Anlageresultat im tiefen dreistelligen Millionenbereich.

Conzzeta sacken um 4,0 Prozent ab. Der Mischkonzern spürt die Auswirkungen der Corona-Pandemie verstärkt und erwartet 2020 weniger Umsatz und Betriebsgewinn.

Einmal mehr unter Druck stehen die Aktien von Aryzta (-10%). Die Kursreaktion bei dieser spekulativen Aktien entspreche dem aktuellen Verhalten der Anleger von derzeit "Risk off", sagt ein Händler. Der Titel des Backwarenherstellers gelte am Markt als Option mit unbegrenzter Laufzeit, sagt ein Händler. Die Käufer spekulierten auf ein Gelingen des Turnarounds.

pre/uh

(AWP)