Aktien Schweiz: Investoren setzen auf Risiko und hieven SMI über 10'000 Punkte

Weitere Stützungsmassnahmen wichtiger Zentralbanken sorgen am Dienstag für eine deutliche Erholungsbewegung an den wichtigsten Börsenplätzen. Am Schweizer Aktienmarkt treibt die gestiegene Risikobereitschaft der Investoren den Leitindex SMI denn auch wieder über die viel beachtete Marke von 10'000 Punkten. Die US-Notenbank hatte am Vorabend angekündigt, ihr Anleihekaufprogramm nun auch auf Unternehmensanleihen auszuweiten. Am Dienstagmorgen folgte die Bank of Japan dann mit einem nachgebesserten Corona-Paket.
16.06.2020 11:25

Neben den Stützungsmassnahmen der Notenbanken helfen aber auch Kreise-Meldungen den Märkten auf die Sprünge, wonach US-Präsident Donald Trump zur Bekämpfung der Corona-Krise eine weitere Billion Dollar über Infrastruktur-Ausgaben in die heimische Wirtschaft pumpen will. "Die Risikobereitschaft der Anleger wird derzeit von zwei entgegengesetzten Themen beherrscht: den fiskal- und geldpolitischen Massnahmen auf der einen und der Angst vor einer zweiten Infektionswelle auf der anderen Seite", fasst ein Börsianer die aktuelle Stimmung zusammen. "Für Marktteilnehmer gibt es daher nur eine Frage - reichen die Konjunkturmassnahmen aus, um die Auswirkungen einer möglichen zweiten Welle auszugleichen?"

Der SMI gewinnt gegen 11.00 Uhr 1,81 Prozent hinzu auf 10'20,66 Punkte. Der SLI, in dem die Gewichtung der drei Schwergewichte gekappt ist, steigt gar um 2,06 Prozent auf 1'498,78 und der breite SPI um 1,77 Prozent auf 12'394,74 Zähler. Sämtliche 30 SLI-Werte ziehen an.

An der Index-Spitze sind einmal mehr die jeweils volatileren AMS-Aktien (+6,2%) zu finden. Hier machen derzeit Spekulationen die Runde, wonach der Sensoren- und Chiphersteller den Automotive-Bereich von Osram nach erfolgter Übernahme verkaufen könnte.

Überdurchschnittliche Kursgewinne beim Baustoff-Konzern LafargeHolcim von 4,4 Prozent begründen Marktteilnehmer mit den Berichten über ein weiteren Konjunkturprogramm der US-Regierung. Angeblich sieht ein erster Entwurf dieses Pakets hohe Investitionen in das Strassen- und Brückennetz vor. Lafarge könne dabei einer der Profiteure sein, da der Konzern in den USA eine starke Marktstellung habe, heisst es im Markt. Mit Sika (+3,1%) und Geberit (+2,8%) werden noch weitere Zykliker mit einer Nähe zum Bausektor gesucht.

Durch die Bank stark präsentieren sich zudem die Aktien aus der Finanzbranche. Neben der CS (+4,4%) greifen Anleger bei UBS, Partners Group, Julius Bär, Swiss Life und Swiss Re zu, wie die Aufschläge zwischen 3,6 und 2,1 Prozent zeigen.

Einen Hang zu Finanzwerten kann man auch im breiten Markt beobachten, wo Branchen-Vertreter wie Helvetia, Swissquote, BCV oder auch die St. Galler Kantonalbank überdurchschnittlich hinzugewinnen.

Dass der SMI den europäischen Leitindizes etwas hinterherhinkt, liegt einmal mehr an seiner defensiven Ausrichtung. So gewinnen die Schwergewichten Novartis, Roche (beide +1,7%) und Nestlé (+1,0%) zwar auch hinzu, hinken dem Markt aber hinterher. Dabei haben sich zahlreiche Analysten am Morgen sehr angetan gezeigt über die Onkologie-Pipeline von Novartis. Mitunter sei dies noch nicht ausreichend in den Modellen der Analysten berücksichtigt, heisst es da.

Neben den Finanzwerten sind im breiten Markt sind die Aktien von OC Oerlikon mit +5,3 Prozent ein Hingucker. Firmenchef Roland Fischer erklärte, das Industrieunternehmen sei "ein bisschen Krisengewinner". Beim Softwareunternehmen SoftwareOne (+4,8%) befeuert eine Ersteinstufung durch Morgan Stanley die Kauflaune.

hr/uh

(AWP)

 
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